"Ach! Schreiben ist geschäftiger Müßiggang"

25. März 2007, 18:00
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Das sagte einer, der von Berufs wegen, ein Vielschreiber war: Johann Wolfgang von Goethe - Obwohl schon 175 Jahre tot, gab er nun ein "Interview" - Mit Gewinnspiel

"Ach! Schreiben ist geschäftiger Müßiggang, es kommt mir sauer an. Indem ich schreibe, was ich getan habe, ärgere ich mich über den Verlust an Zeit, in der ich etwas tun könnte", verriet Johann Wolfgang von Goethe 1773 im "Götz von Berlichingen".

So gesehen hat der berufliche Vielschreiber nicht viel tun können, muss in seiner Definition untätig gewesen sein, ein notorischer Müßiggänger. Ein Umstand, den der deutsche Dichter mit "Interviews" 175 Jahre nach seinem Tod (22.3.1832) offenbar auszugleichen versucht.

Manfred Wolf hat sich den Spaß gemacht, Zitate des Dichterfürsten zu Themengebieten zusammenstellen und daraus ein fiktives Interview zu sehr aktuellen Fragen zu basteln. Und man staunt nicht schlecht darüber, dass der hessische Geheimrat sogar zu den Themen "Standort Deutschland", Rechtschreibreform oder der Raucherdiskussion Wissenswertes beizutragen hat.

Das liest sich dann beispielsweise so:

Zusammen eine zu rauchen, hat aber doch auch etwas sehr Gemütliches und Geselliges?

J.W. von Goethe: Es liegt auch im Rauchen eine arge Unhöflichkeit, eine impertinente Ungeselligkeit. [...] Wer ist den immstande, in das Zimmer eine Rauchers zu treten, ohne Übelkeit zu empfinden? Wer kann darin verweilen, ohne umzukommen?

Aber es müssen gar nicht die aktuellen Fragen sein, zu der man dieses - nach Schlagwörtern wie Arbeit, Dummheit, Freundschaft, Religion, Natur oder Tod geordnete - Büchlein zu Rate ziehen kann. Es können gut und gerne die zeitlosen Themen sein, zu der man sich ein geeignetes und mitunter amüsantes Bon mot aus der Feder Goethes heraussuchen kann.

Und manche Einträge beweisen, dass auch die Dichter irren, sich zumindest nicht ganz sicher waren, was denn nun von gewissen Institutionen - wie etwa der Ehe - zu halten sei. Verehrter Herr Goethe, was halten sie von der Deutung, die Ehe sei die einzige wirkliche Leibeigenschaft, die das Gesetz kennt?

Goethe: Die Ehe ist der Anfang und der Gipfel aller Kultur. Die macht den Rohen mild, und der Gebildetste hat keine bessere Gelegenheit, seine Milde zu beweisen. Unauflöslich muß sie sein, denn sie bringt so viel Glück, daß alles einzelne Unglück dagegen gar nicht zu rechnen ist.

...so spricht er in den Wahlverwandtschaften 1809. Und ebendort weiß Goethe auch diese Frage zu beantworten: Raten Sie, immer gleich zu heiraten, wenn man sich liebt?

Goethe: Leider haben überhaupt die Heiraten - verzeihen Sie mir einen lebhaften Ausdruck - etwas Tölpelhaftes; sie verderben die zartesten Verhältnisse; und es liegt doch eigentlich nur an der plumpen Sicherheit, auf die sich wenigstens ein Teil etwas zugute tut.

Soviel zur Lebenshilfe des Herrn G. - Ob der Band tatsächlich als "Ratgeber" taugt ist fraglich, ein kurzweiliges Nachschlagewerk zu Goethe ist er aber allemal. Zwei Schönheitsfehler haften dem Band allerdings an: Der Titel "Leser fragen..." mag nicht so recht zur Interview-Form zu passen und ein paar eingestreute biographische Anekdoten oder Hintergrundinformationen zu den Werken aus denen zitiert wird, hätten sich auch hübsch gemacht. (Anne Katrin Feßler)



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  • Manfred Wolf: "Leser fragen - Goethe antwortet. Klassische Lebenshilfen von Herrn G." (Eichborn Verlag, Frankfurt, Euro 10,30).
    foto: eichborn

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