Bei Rückenmarkverletzungen werden Signalproteine verändert

24. März 2007, 14:00
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Schädigung erfolgt durch Sauerstoffradikale und Stickoxid

Wien - Bei Rückenmarkverletzungen, die mit einer Querschnittlähmung enden können, spielt offenbar die Modifikation von Signalproteinen eine Rolle. Dies erfolgt über zwei Mechanismen, haben jetzt Wiener Wissenschafter um Gert Lubec von der Universitäts-Kinderklinik am AKH herausgefunden.

Hintergrund

Rückenmarkverletzungen sind eine der häufigsten Ursachen für ein Leben im Rollstuhl. Die auf die Proteinforschung spezialisierte Forschergruppe um Lubec untersuchte den chemischen Prozess bei der Traumatisierung des Rückenmarks und fand wertvolle Erkenntnisse für die experimentelle Therapie solcher Verletzungen.

Proteinidentifizierung

In Zusammenarbeit mit dem Ludwig Boltzmann Institut für Traumatologie (Heinz Redl) hatte sich das Forscherteam die Aufgabe gestellt, die Proteine zu identifizieren, die für das Zustandekommen von Rückenmarkschädigungen eine wesentliche Rolle spielen. Dabei gelang es, mit GDP-Dissociation Inhibitor 2 (GDI-2) ein Signalprotein zu identifizieren, das nicht nur quantitativ verändert war, sondern auch spezifische Veränderungen aufwies. Die Erkenntnis: Das Signalprotein wird im Zuge der Verletzung des Rückenmarkes sowohl von Sauerstoffradikalen als auch von Stickoxid angegriffen und dadurch modifiziert.

Lubec: "Man hatte bisher gesehen, dass Versuchstiere, denen man Antioxidantien verabreichte, einen etwas besseren 'Outcome' nach Rückenmarkverletzungen hatten, ebenso Mäuse oder Ratten, die man genetisch so veränderte, dass sie kein Stickoxid bildeten. Wir haben gezeigt, dass sowohl freie Sauerstoffradikale als auch das Stickoxid binnen Stunden nach der Verletzung dieses Signalprotein so verändern, dass es nicht mehr funktioniert." Das führe zum Tod der betroffenen Nervenzellen im Rückenmark und somit zu der Schädigung.

Schlussfolgerung

Mit der neuen Studie können eventuell Weg und der Zeitpunkt einer Therapie besser eingegrenzt werden. Auf Basis der neuen Erkenntnisse nehmen die Forscher nun an, dass die bereits beschriebene, aber bisher allein angewandte antioxidative Therapie kombiniert mit einer Anti-Stickoxid-Behandlung die besten therapeutischen Erfolge versprechen dürfte. Die wissenschaftliche Arbeit wurde im "Journal of Proteome Research" publiziert. (APA)

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