Mayer machen

22. März 2007, 17:00
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Wiener Wein: Mit dem Kauf des Traditionsheurigen Mayer am Pfarrplatz schafft der einstige Werber Hans Schmid Voraussetzungen, um in den nächsten Jahren weiter kräftig umzurühren

Seit 1683 gibt es den Mayer am Pfarrplatz im 19. Bezirk. In den heute noch bestehenden Gemäuern gönnten sich Beethoven, Leopold Figl und so manch anderer aus Film, Funk und Kultur ein Achterl vom Feinen, der zu einem großen Teil am Nussberg wächst - der Wiener Edellage im Westen der Stadt. Ein Gutteil der Weingärten des Betriebes befinden sich "im Filetstück" der Großlage. Dazu kommen Flächen am Reisenberg und auf Alsegg. Willi Balanjuk, von Hans Schmid nach dem Kauf des Traditionsbetriebs als Geschäftsführer geholt: "Mayer am Pfarrplatz hat nach all der Zeit vielleicht ein bisschen an Glanz verloren. Ein Diamant ist er aber immer noch".

Franz Mayer, verdienstvoller Grandseigneur der Wiener Weinwirtschaft, verkaufte seinen Heurigen vor etwa einem halben Jahr an Schmid. Durch den Erwerb des Roten Hauses am Nussberg war Schmid bereits einige Jahre zuvor zu einem Weingarten gekommen und fand in der Folge Geschmack nicht nur am Dasein als Weingartenbesitzer, den er "häufiger aufsucht, als viele glauben", sondern auch an der Idee, "für den Wiener Wein etwas tun zu können", wie er mehrfach betont. Mit dem Kauf von Weingut und Heurigem, der vor allem von seinen Stammkunden lebt, vergrößerte er seinen "Aktionsradius" von früher dreieinhalb Hektar um mehr als zwanzig, was für einige Unruhe in der Wiener Winzerschaft sorgte.

Der Muschelkalkboden des Nussbergs ist die beste Grundlage für Topweine aus Riesling oder Grünem Veltliner und ist heute mit dem generellen Anstieg der Wiener Weinqualität wieder hoch begehrt. Vor sieben, acht Jahren wäre das Angebot an Pachtflächen groß gewesen, sagt Robert Fitzthum, Direktor der Wiener Landwirtschaftskammer. "Durch die Initiativen der letzten Jahre ist speziell in guten Lagen wieder ein Nachfragemarkt entstanden, der von renommierten Weingütern und Quereinsteigern belebt wird." Die Pachtpreise seien aber nicht so in Bewegung geraten, wie man glauben sollte, betont Fitzthum. "Und die Stadt Wien als größter Verpächter ist froh, dass die Flächen wieder nachhaltig bewirtschaftet werden."

Auch Fritz Wieninger aus Stammersdorf, der die Nussberg-Renaissance mit einem "Gemischten Satz" Jahrgang 1999 eingeleitet hatte und früher auch die "Rotes Haus"-Weine für Schmid machte, und einige Winzerkollegen sind immer wieder auf der Suche nach guten Pachtflächen. Eine Konkurrenzsituation sehen aber weder Schmid noch Wieninger, die heute nicht mehr kooperieren. Schmid freut sich "über jeden, der Aktivitäten für Wiener Wein setzt". Und auch Wieninger begrüßt "alle, die den Wiener Wein voranbringen und auch nach Qualität streben".

"Mayer am Pfarrplatz hat seinen Ruf als Heuriger, soll aber in Zukunft wieder verstärkt als Weingut wahrgenommen werden", so Schmid. Ratzfatz-Änderungen sind seine Sache aber nicht. Die Weine aus beiden Häusern behalten ihre Namen: "Rotes Haus" wird für gehaltvolle Veltliner, Traminer und Welschrieslinge stehen. "Mayer am Pfarrplatz" hat sich mit Riesling "Alsegg" und dem Nussberger "Alten Satz" im mittelkräftigen Bereich einen Namen gemacht. Ab Frühjahr 2008 wird der Keller umgebaut. Barbara Wimmer, bereits Kellermeisterin unter Franz Mayer, ist für beide Linien verantwortlich.

Auf dem Pfarrplatz befindet sich noch ein weiterer Traditionsbetrieb, den Schmid ebenfalls übernahm: Die Restauration "Zur Schönen Aussicht" mit dem legendären Garten soll nach einer Renovierung "im Backstage-Bereich" noch im Sommer wieder aufsperren. Wie auch beim Heurigen wird nur behutsam und langsam renoviert. Die größte Veränderung bei Mayer am Pfarrplatz betrifft vielleicht Schmid selbst: Während er sich früher absolut "nicht als Winzer sehen" wollte, überlegt er heute, bei der Lese und im Weingarten dabei zu sein: "Ich will wissen, wie das geht." (Luzia Schrampf, DER STANDARD - Printausgabe, 23. März 2007)

DER STANDARD stellt Weingüter vor, die dem Weinguide "Die beste Weine Österreichs" von Viktor Siegl und Rudolf Steurer entnommen sind. Das Buch entstand in Kooperation mit dem Ueberreuter Verlag. 9,95 €, ISBN 3-8000-7210-6
  • Ein Nussberg, viele Besitzer. Mayer am Pfarrplatz, der von Hans Schmid aufgekauft wurde, zählt auf der Wiener Edellage zu den "Großgrundbesitzern".
    foto: öwm/faber

    Ein Nussberg, viele Besitzer. Mayer am Pfarrplatz, der von Hans Schmid aufgekauft wurde, zählt auf der Wiener Edellage zu den "Großgrundbesitzern".

  • Hans Schmid, Werbefachmann und Weingutbesitzer, will jetzt wissen, "wie das geht".
    foto: standard/matthias cremer

    Hans Schmid, Werbefachmann und Weingutbesitzer, will jetzt wissen, "wie das geht".

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