Über die Schwere des Sonntagsports

26. Juli 2007, 12:58
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Sonntagsportler haben es besonders schwer, da eigentlich immer was im Magen liegt - so Christian Matthai in seiner Kolumne

Sonntag Vormittag. Gerade ausgiebig gebruncht, da kommt der Anruf: "Lass uns laufen gehen". Mit vollem Bauch? Wird schon gehen. Wir sind unterwegs, das Völlegefühl ist anfangs etwas störend. Legt sich aber bald.

Die Energien schwinden

Die Beine fangen an zu zittern, die Füße scheinen schon am Boden zu schleifen. "Alles in Ordnung?" Aber sicher doch. Treffer. Der Blutzuckerspiegel sinkt. Sinkt weiter. Man konzentriert sich aufs Durchhalten. Zählt die Meter.

Was soll man essen?

Oder darf man gar nichts essen? Wenn man Kohlenhydrate (KH) zu sich nimmt, passiert Folgendes: Der Blutzucker steigt an und fast zeitgleich schüttet die Bauchspeicheldrüse das Hormon aus, das für die Regulation des Blutzuckerspiegels verantwortlich ist. Nämlich das Insulin. Dies führt zu einem Abfall des Blutzuckers, was durch körperliche Betätigung noch verstärkt wird. Man kommt in einen hypoglykämischen Zustand, den Unterzucker.

Der klassische Leistungsabfall

Dieser ist klassischerweise mit einem Leistungsabfall assoziiert. Sinnvoll wäre es, den Insulinpeak, also die Spitze der Insulinausschüttung noch vor der körperlichen Betätigung passieren zu lassen. Wenn man nun kurz vor dem Sport auch noch einfache KH gegessen hat, wie zum Beispiel Marmelade zum Frühstück oder Süßigkeiten – der kleine Snack - fällt dieser Insulinpeak sehr intensiv aus. Genauso rasch fällt damit der Blutzuckerspiegel.

Das ist normal, wenn in dieser Situation auch nicht gewünscht. Man sollte nun also mindestens zwei Stunden nach dem Essen vergehen lassen, bis man Sport betreibt. Dann hat sich der Blutzucker normalisiert und bleibt konstant. Umso komplexer die KH, desto langsamer steigt der Blutzucker an, ein Insulinpeak wird vermieden.

Komplexe Kohlehydrate oder gar nichts

Zu den, von der chemischen Struktur, komplexen KH zählt man alle Vollkornprodukte und Hülsenfrüchte wie Bohnen und Linsen. Keine Einfachzucker. Keine Süßigkeiten. Die meisten Menschen betätigen sich sportlich um die Figur in Schach zu halten. Zum Abnehmen ist es besser vor dem Sport auf die Kohlenhydrate zu verzichten.

Energie aus dem eigenen Fettdepot

Durch die Zufuhr von Kohlenhydraten wird der Glykogenspeicher gefüllt. Bei Bewegung bezieht der Körper die Energie, die ihm am schnellsten zur Verfügung steht: Also zuerst das ATP (Adenosintriphosphat-Molekül), dann das Kreatinphosphat und dann wird auf die Glykogenspeicher zugegriffen. Danach, wenn alle vorher genannten Energiequellen leer sind, holt sich der Körper die Kraft aus den unbeliebten Fettdepots.

Was wäre also sinnvoll?

Zum Abnehmen sinnvoll ist es, wenn die Glykogenspeicher möglichst leer sind. Damit muss der Körper schnell auf die Fettpölsterchen zurückgreifen. Sie schmelzen. Das eignet sich natürlich nicht für Leistungssportler. Auch nicht für diejenigen, die auf Hobbyniveau tolle Leistungen vollbringen wollen und auch nicht für Kraftsportler.

Für die Bikini- & Badehosenfigur

Für alle anderen aber, die sich gerne in die Bikini & Badenhosenfigur hinein trainieren, ist das die Methode der Wahl. Aus diesem Grund wird auch empfohlen mit leerem Magen laufen zu gehen. Also zuerst Sport betreiben, dann brunchen gehen. Wenn es mal nicht anders geht, entweder die Kohlenhydrate weglassen oder willensstark dem "Hungerast" die Stirn bieten.

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