Heimlich rauchen

22. März 2007, 17:00
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Immer frisch gewaschen und ein durchtrainierter Hund - Oder: Ein heiter melancholischer Nichraucher im katholischen Sinn

+++Pro
Von P. Stuyvesant (logisch, Name geändert)

Der Heimlichraucher ist seiner Zeit voraus. Lange vor der quasi unabwendbaren Einführung von Heimlichraucherzonen ist er mit allen Wässerchen gewaschen. Buchstäblich, schließlich gefährdet niemand einschlägig seine Gesundheit äußerlich hygienischer als der Heimlichraucher. Wusch er sich früher, als stolz bekennender Raucher, nur im Notfall (bei Toilettenpapierriss etwa), so ist er heute aufs properste gepflegt, stets frisch gewaschen, scharfe Zuckerln lutschend und ein Kenner der stärksten Düfte der Parfumindustrie. Der Heimlichraucher hat auch die best bewegten Hunde, ja, und es kann sogar vorkommen, dass selbst der ruheloseste Streuner um Schonung winselt, wenn ihn der Heimlichraucher wieder und wieder auf die Straße zerrt. Der Heimlichraucher liefert dafür seine ahnungslosen Lieben nicht den Gefahren des Passivrauchens aus. Die könnten sich höchstens bei Einreichung der Nichtraucherpolizze wundern. Lebensversicherer sind nämlich bei manchen Todesursachen schon verteufelt misstrauisch.

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Contra---
Von Christian Schachinger

Das Alter dämpft bekanntlich nicht nur die Ambitionen. Es dämpft ab und zu auch wieder gern Zigaretten aus. Und so findet man sich nach einem knappen Jahr der Entsagung mitunter nachts auf dem Balkon wieder. Während dort die Kälte in die Zehen kriecht, weil die Lunge ihr Recht auf Unvernunft einfordert, möchte man wegen so viel Feigheit vor sich selbst am liebsten über die Reling des Lebens speien. Kann man nicht einfach ein heiter melancholischer Nichtraucher im katholischen Sinn sein, sündigen, beichten - und noch in diesem Leben auf Vergebung hoffen? Nicht nur die Ambitionen werden im Alter geringer. Man sehnt sich auch zunehmend nach Abwesenheit von Brisanz. Brisant wird es, wenn man bei etwas ertappt wird. Zum Beispiel beim Schwindeln. Ist es wirklich notwendig, mit dem Leiden Christi in den Augen der Familie gegenüberzutreten und zu bekennen, ja, ich bin immer wieder weiterhin Nichtraucher?! Besser doch: Ich bin Nichtraucher, aber zu meinen Bedingungen! Träume werden wahr. Wenn auch die falschen. (Der Standard/Rondo/23/03/2007)
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