San Bambino

23. März 2007, 14:39
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"Mein Kind!" D. h. das Kind oder die Kinder jener postpartal dementen Mitbürger, die allenthalben kundtun, dass die Frucht ihrer Lenden gleichzeitig ihres Lebens höherer Zweck ist

Das Gute zuerst: "Mein Kind!" D. h. das Kind oder die Kinder jener postpartal dementen Mitbürger, die allenthalben kundtun, dass die Frucht ihrer Lenden gleichzeitig ihres Lebens höherer Zweck ist. In den Gazetten wimmelt es von ein- bis vierzehnjährigen menschlichen Erzeugnissen, die für ihre Eltern "den größten Erfolg / das Beste, das mir je passiert ist, / das Schönste / das Tollste / das Einzige, was zählt", darstellen.

Das beruhigt. Dann sind die Legionen zu laut aufgedrehter, unsympathischer Zwergrüpel immerhin irgendjemandes Sonnenschein. Und sobald der Evolutionsauftrag dann einmal aus dem Haus ist, können dessen Zeuger sich getrost zum Sterben zurückziehen.

Umso mehr, als die mit Lebensentwürfen dieser Art einhergehende "freie kindliche Persönlichkeitsentfaltung" ja gerne auch mal relativ unfreie, ausgewachsene Loser zeitigt: Beziehungsunfähigkeit, Narzissmus, Selbstüberschätzung und was es da sonst noch Schönes für den Soziopathen gibt. Eine amerikanische Studie unter 17.000 Studenten ergab jüngst, dass innerhalb der vergangenen 25 Jahre ein signifikanter Anstieg (30 %) an Zustimmung zu Aussagen wie "Wenn ich die Welt regierte, wäre sie ein besserer Ort" oder "Ich denke, dass ich ein außergewöhnlicher Mensch bin" zu verzeichnen war. Optimistische Pädophobe vermögen die diesbezüglichen Bedenken Prof. Twenges (et alii) nicht zu teilen: All die kleinen Deppen, denen Mami versicherte, sie seien Gottes großes Geschenk an die Menschheit ("Du bist etwas ganz Besonderes, Ephraim/Titania/Jeremy!"), werden ohnehin das Säurebad einer Gesellschaft gewärtigen, in der "Teamfähigkeit", "Empathie" und ähnliches Ameisendisziplinarium zu den Minimalstandards für einen Job gehören. Tja.

Das Schlechte für Adepten protozoologischer Förderung im Sinne Herrn Steiners oder Frau Montessoris ist, dass Internatsleiter i. R. Bernhard Bueb sein "Lob der Disziplin" nun schon in der vierten Auflage verkündet. (Una Wiener/Der Standard/Rondo/23/03/2007)

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    foto: epa/maria zarnayova
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