Fallstudie: Zwanzig Tabletten, Tag für Tag

30. März 2007, 13:12
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Das usbekische Karakalpakstan weist eine der weltweit höchsten Raten von medikamenten- resistenter Tuberkulose auf - Einblick ins Überleben

2001/2002 führte die Hilfsorganisation Ärzte ohne Grenzen in der usbekischen Region Karakalpakstan eine Untersuchung durch, die als Ergebnis eine der weltweit höchsten Raten von medikamentenresistenter Tuberkulose (MDR-TB) aufzeigte. Diese schwere Form der Erkrankung erzwingt einen sechs- bis zwölfmonatigen Krankenhausaufenthalt, anschließend stationäre Behandlung für etwa ein Jahr, begleitet von zusätzlicher psychologischer Betreuung der PatientInnen.

Ärzte ohne Grenzen hat sein MDR-TB-Programm in Usbekistan im Jahr 2003 aufgenommen und konzentriert sich auf die autonome Republik Karakalpakstan mit der Stadt Nukus und der Chimbay-Region. Mit Stand Mai 2006 waren bereits 246 MDR-TB-PatientInnen im Programm. Hier ein Einblick in deren Alltag:

Foto: Donald Weber / Atlas Press for Medecins sans Frontieres

15. März 2007, Nukus, Usbekistan: Kairat fällt es schwer, seine Medikamente bei sich zu behalten. "Ich sehe die zwanzig Pillen, die ich jedesmal nehmen muss, und ich möchte mich einfach übergeben. Ich habe versucht, sie mit Wasser runter zu schlucken, auch mit Joghurt, aber nichts hilft. Jetzt müssen sie die Schwestern zerkleinern, aber es fällt mir immer noch schwer. Am Sonntag, wenn ich keine Tabletten nehmen muss, ist es wie Urlaub. Es würde einen großen Unterschied machen, wenn sie die Zahl der Pillen auf drei oder vier verringern würden - dann wär es nicht so schlimm."



Bilder und Originaltexte zur Verfügung gestellt von Ärzte ohne Grenzen / Médecins sans Frontières

Foto: Donald Weber / Atlas Press for Medecins sans Frontieres

17. März 2007, Nukus, Usbekistan: Viele Patientinnen und Patienten klagen, dass PASER, ein Säckchen mit Körnern, am schlechtesten von all ihren Medikamenten schmeckt.

Foto: Donald Weber / Atlas Press for Medecins sans Frontieres

16. März 2007, Chimbai, Usbekistan: Chimbai, eine ländliche Region in Karakalpakstan, liegt ungefähr 50 Kilometer von Nukus entfernt. Hier leben 90.000 Menschen. Ärzte ohne Grenzen betreibt hier neun DOTS (Gesundheitsräume, in denen die Patientinnen und Patienten bei der Einnahme der Medikationen beaufsichtigt werden).

Foto: Donald Weber / Atlas Press for Medecins sans Frontieres

16. März 2007, Chimbai, Usbekistan: Ramusa hält sich mit Ausstopfen von Matratzen für ihre Familie auf Trab. Sie trennt die Samen aus der Baumwolle, benutzt diese dann für die Matratzen und presst die Samen dann, um Öl zum Kochen zu haben. Die Samenreste sind das Futter für ihre Kühe.

Foto: Donald Weber / Atlas Press for Medecins sans Frontieres

17. März 2007, Nukus, Usbekistan: Die Behandlung war nicht leicht für Sarsimbai. Er wurde aus dem Spital entlassen, als er nicht mehr ansteckend war, aber er vertrug seine Medikamente überhaupt nicht, also wurde er wieder eingewiesen. "Ich bekomme schreckliche Kopfschmerzen, Schwindel und Appetitlosigkeit", erklärt er. "Ich habe versucht, die Tabletten mit Kefir zu nehmen, mit dem Ergebnis, dass ich Kefir jetzt nicht mehr ausstehen kann. Also mische ich die Pillen unter meinen Brei. Es ist besser mittlerweile, aber es gab Zeiten, in denen ich einfach sterben wollte, ich fühlte mich so niedergeschlagen und depressiv. Vielleicht wegen der Medikamente, oder wegen der Länge der Behandlung - es war alles zu viel für mich."


Bilder und Originaltexte zur Verfügung gestellt von Ärzte ohne Grenzen / Médecins sans Frontières
(red)

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