Erste Privatuni ab Herbst in Österreich

25. Juli 2000, 20:18

Entscheidung über drei weitere Bewerber vertagt

Wien - Am Montagabend wurde ein neues Kapitel in der österreichischen Hochschulgeschichte aufgeschlagen: Ab Herbst bekommt Österreich mit der Katholisch-Theologischen Hochschule Linz (KTHL) seine erste Privatuni. Dies wurde bei der letzten Sitzung des Akkreditierungsrates vor der Sommerpause in Wien beschlossen.

KTHL-Rektor Severin Lederhilger freute sich über die Entscheidung. Denn derzeit hätten die Studenten keine Immatrikulationsnummer, und Zeugnisse müssten zur Anerkennung wiederum an staatlichen Unis eingereicht werden.

Während die KTHL ab Herbst als Privatuni zugelassen ist, wurde die Entscheidung über die Zulassung folgender Kandidaten vertagt:

O IMADEC: Für derzeit 260 StudentInnen bietet sie vor allem eine postgraduale Wirtschafts- und Rechtsausbildung an. Für ein vollständiges Studienprogramm müssen zirka 360.000 Schilling gezahlt werden. Prominente IMADEC-StudentInnen sind unter anderem der Sohn von Libyens Staatschef Gaddafi und Ex-FP-Bundesgeschäftsführer Gerald Mikscha.

O Webster University: Hier studieren rund 350 Personen nach US-amerikanischem System. Der Bachelor kostet ungefähr 400.000 Schilling und dauert drei bis vier Jahre.

O Die International University (IU) ist mit derzeit zirka 175 Studierenden die vergleichsweise kleinste. An der IU, die hauptsächlich wirtschaftlich orientiert ist, kostet ein Studienjahr 85.000 Schilling. Ein Studiengang dauert mindestens drei Jahre.

Die drei Bewerber hätten nicht alle nötigen Kriterien erfüllt, erklärte Helmut Konrad, Vorsitzender des Akkreditierungsrates, im STANDARD-Gespräch am Dienstag. Hauptproblem sei, dass nicht - wie verlangt - an diesen Instituten eigenständig geforscht werde. Gemeinsam, so Konrad, habe man sich auf eine "Mindestvoraussetzung" geeinigt: Zumindest einEn fix angestellten wissenschaftlichen BetreuerIn pro Studiengang muss es geben. Laut Konrad sei eine Zulassung schon mit Sommersemester 2001 möglich.

Da Studiengebühren die Haupteinnahmequellen sind, glaubt Konrad nicht, dass Privatunis die öffentlichen Einrichtungen ersetzen werden. Sie seien vielmehr eine "interessante Ergänzung".

Kritik an der Vertagung des Akkreditierungrates kam von FPÖ und ÖVP. Der Rat wolle Privatunis verhindern, hieß es. Der ehemalige Zweite Nationalratspräsident und IMADEC-Lehrende Heinrich Neisser meinte, die Entscheidung lasse befürchten, dass der Gedanke der Privatuniversität in Österreich wenig Zukunft habe. (pm)

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