"Mich hat eine gewisse Unruhe erfasst"

25. Juli 2000, 20:16

Filmische Spurensuche nach Bruno Kreisky zehn Jahre nach seinem Tode

Der Einstieg erfolgt 1975. Damals war Bruno Kreisky, der am 29. Juli vor zehn Jahren gestorben ist, schon fünf Jahre Herr am Ballhausplatz und hatte bereits einige Kapitel seines politischen Lebens hinter sich. Helene Maimann und Paul Lendvai beginnen ihren Dokumentationsfilm "Kreisky - Licht und Schatten einer Ära" mit dem OPEC-Überfall. Beispielhaft zeigen sie anhand dieses Ereignisses, wie der Langzeitkanzler (1970-1983) Probleme gemeistert hat: mit viel Überzeugungskraft und emotionalem Engagement.

Auf mehreren Ebenen versucht der Film die Spuren Kreiskys nachzuzeichnen. Geschildert werden seine außenpolitischen Aktivitäten, die tiefgreifenden sozial- und gesellschaftspolitischen Reformen der Ära Kreisky, seine Beziehungen zu den Journalisten, die er gekonnt für die Umsetzung seiner Ziele instrumentalisiert hat, und natürlich beschäftigt sich die Dokumentation eingehend mit dem viel beschriebenen Konflikt Kreiskys zu seinem politischen Ziehsohn Hannes Androsch. In Rückblenden werden die Zeit des Exils in Schweden und die politischen Lehrjahre Kreiskys in den 30er-Jahren geschildert. Immer wieder kommen jene zu Wort, die Kreisky seinerzeit ein Stück des Weges begleitet haben. Unter ihnen auch Eva und Peter Kreisky, die erzählen, wie sie der Vater bzw. Schwiegervater für eine geraume Weile vom sonntäglichen Mittagstisch verbannt hat, weil sie gegen das Atomkraftwerk Zwentendorf mobilisierten.

Nicht ausgespart wird in der Dokumentation die Verbitterung Kreiskys über die SPÖ nach seinem Rücktritt und wie er erst am Ende seines Lebens versöhnlich wurde. Vielleicht auch deshalb, weil er in den Reflexionen seines Lebens und dessen, was Politik zu leisten imstande ist, knapp vor seinem Tod gemeint hat: "Mich hat eine gewisse Unruhe erfasst." Katharina Krawagna-Pfeifer
(28. 7., 21.20 h, ORF 2 bzw. 2. 8., 3Sat, 20.15 h)

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