
Seinen Namen hat der Flughafen-Sozialdienst von seiner früheren Arbeitsstätte. Nach mehreren Protestaktionen gegen Abschiebungen am Flughafen Wien-Schwechat mussten sie jedoch umziehen. Das Büro in der Magdalenenstraße ist vier Mal pro Woche geöffnet
Dharma Ras ist Wirtschaftsstudent in Wien. Und nur wenige seiner Uni-KollegInnen dürften seine Vorgeschichte kennen: Noch vor eineinhalb Jahren war der sympathische Nepali Anführer einer maoistischen Rebellentruppe. Fünf Jahre kämpfte er gegen die Herrschaft von König Gyanendra - bis er sich entschloss, zu fliehen. Über Neu Delhi und Bangkok kam er nach Wien. Er wollte weiter, konnte aber nicht: Der Schlepper hatte neben einer gediegenen Stange Geld auch seinen Reisepass kassiert.
Behörden-Wirrwarr
Bald nach seiner Ankunft bekam Dharma Ras Asyl, seine Bedrohung im Heimatland war fein säuberlich per Video dokumentiert. Sein Freund Niranjan hatte weniger Glück: Auch er ist aus Nepal geflüchtet und erst seit kurzem in Wien, doch sein Asylantrag wurde abgelehnt. Niranjan sagt, er sei hier, weil ihn die Truppen Dharma Ras' in Nepal verfolgten. In Wien wurden die beiden Freunde.
Heute stehen sie im Büro des Flughafen-Sozialdienstes (FSD) im sechsten Wiener Bezirk, mit zwei Zetteln in der Hand und Sorge im Blick: Zwar hat die zweite Instanz den Negativbescheid wieder aufgehoben. Gleichzeitig fand Niranjan jedoch einen weiteren negativen Asylbescheid im Briefkasten – mit exakt demselben Wortlaut, aber einer anderen Unterschrift. Was tun?
Für die FSD-BeraterInnen sind Fälle wie diese Routine. Ein Anruf hier, eine Beschwerde dort und vor allem: warten. "Die Caritas kümmert sich um die weniger hoffnungslosen Fälle", sagt FSD-Berater David – "die anderen schickt sie zu uns." Zum Beispiel jenen Inder, der fünf Minuten später zur Tür hereinkommt und seinen negativen Asylbescheid herzeigt: Der Beamte habe ihm die Geschichte seiner Flucht nicht geglaubt, klagt er. "Wir schicken der Behörde den Amnesty-International-Bericht über Indien", beschließt David. Akt ersterledigt, der Nächste bitte.
Kein Asyl mit Schmuckstück
Dass Fluchtgründe als "nicht glaubwürdig" eingestuft werden, sei eher die Regel als die Ausnahme, sagt Flughafen-Sozialdienst-Mitarbeiter Andi. Und selbst langjährige FlüchtlingsberaterInnen könnten oft nicht nachvollziehen, warum manchen AntragstellerInnen geglaubt wird, anderen aber nicht. Andi spricht von "fadenscheinigen Begründungen" - wie etwa im Fall jener Nigerianerin, deren angeblich teure Uhr am Handgelenk der Behörde Beweis genug war, dass es sich um keine Notsituation handeln könne (siehe Hintergrund-Artikel).
Viele wenden sich an den FSD, weil Angehörige plötzlich in Schubhaft gesteckt wurden. Die BeraterInnen statten den Inhaftierten dann Besuche ab - etwa, um ihnen wichtige Dokumente zu übersetzen, die oft nur in Deutsch ausgestellt seien, sagt Andi. Andere kommen, weil sie krank, aber nicht krankenversichert sind, und gehört haben, dass befreundete ÄrztInnen des FSD AsylwerberInnen gratis behandeln.

Lebensabschnitte in Klarsichtfolien: Im Lager des Flughafen-Sozialdienstes werden dokumentierte Asylverfahren archiviert
Seit 15 Jahren arbeitet der Flughafen-Sozialdienst ohne staatliche oder kirchliche Unterstützung. Ein Teil des Budgets kommt von den Wiener Grünen, der Rest aus privaten Spenden. Seit ein wichtiger Förderer weggefallen ist, sei der Verein, der sechs Teilzeit-MitarbeiterInnen beschäftigt, jedoch "finanziell ständig knapp am Krachen", sagt David.
Als hehren Kämpfer für die Entrechteten sieht sich der Berater nicht: "Ich frage mich oft, was ich hier eigentlich bewirken kann. Wir sind nicht mehr als ein Sandkörnchen im Getriebe des Systems." Mit "System" meint er die Aufteilung des Wohlstands. "Allen ist klar, dass die, die am Land keinen Job finden, in die Stadt pendeln." Weltweit gesehen sei Migration aber nichts anderes als Pendeln im großen Stil. Immer wieder höre er, dass den ZuwanderInnen ihre Emigration vorgeworfen wird: "Da heißt es dann: 'Die sollen ihr Land aufbauen, so wie wir es nach dem Krieg auch gemacht haben'. Und niemand denkt daran, dass Österreich mit dem Marshallplan ziemlich massiv unterstützt worden ist." (Maria Sterkl)
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"Sie haben eine schöne Uhr" - Einvernahmen im Asylverfahren
Info
Flughafen Sozialdienst
1060, Magdalenenstraße 24, Ecke Corneliusgasse.
Beratungszeiten:
Montag, Dienstag, Donnerstag (werktags) von 17:00 bis 19:00 Uhr
Mittwoch (werktags) 11:00 bis 14:00
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Grenzt ja an gewaltverherrlichende Darstellung, diese Rebellen sind berüchtigt dafür ihren Feinden die Köpfe abzuschneiden.Bestimmt ein sehr sympathisches Kerlchen, den möcht ich ganz bestimmt in meiner Nachbarschaft.
Warum ist der maoistische Freiheitkämpfer nicht eigentlich Richtung Norden geflüchtet zu seinen Parteifreunden. In Tibet sind die ja schon seit den 50iger Jahren. Da haben Sie Tibet die Freiheit gebracht. Und den beschwerlichen Weg mittels Schlepper hätte er sich auch erspart. Irgendwie kann ich das nicht nachvollzuziehen. Das ist ja fast so ähnlich, wie wenn ein südamerikanischer kommunistischer Guerillakämpfer in die USA flieht und nicht nach Kuba.
widerspruchsreiche Verbindung wie "Maoist" und "Wirtschaftswissenschafter" (obwohl ihm das Studium sicher nur gut tun kann). Zur Erinnerung: Diese Leute haben jahrzehntelang gemordet, erpresst, entführt, terrorisiert - und einen Großteil der Zeit war Nepal dabei parlamentarische Demokratie, nicht Diktatur unter Gyanendra.
Jedenfalls sitzen die Maoisten jetzt in der Regierung, das Land ist wieder demokratisiert, der König wurde gestürzt. Wozu muss da also überhaupt noch über Asyl diskutiert werden?
Jetzt gilt es, die famose maoistische Gesellschaft aufzubauen.
Oder ist er jetzt gar nicht mehr so scharf darauf, wo Maoisten und Kommunisten im Verein voraussichtlich tatsächlich Verfassung und Zukunft des Landes entscheidend prägen werden?
Ich konnte mich z.B. mit 15 beim besten Willen nicht mit meinem an sich netten (zufälligen) Banknachbarn bzw. dessen rechtsextremen, ja neonazistischen Neigungen anfreunden.
Bei Kindheitsfreunden hat ein Abgleiten in politischen Extremismus in der Jugend eine Auseinanderbewegung der Personen bewirkt.
Im Erwachsenenalter, wo man in der Wahl seiner Kontakte weit größere Freiheit genießt, hat sich das natürlich nicht wirklich geändert. Kleine Meinungsverschiedenheiten sind stimulierend und beleben die Freundschaft,aber die bedingungslose Annahme einer menschenfeindlichen,gefährlichen Ideologie ist für mich tatsächlich ein weit abschreckenderes Moment als z.B.religiöser Wahn oder Mundgeruch.Weltfremde, harmlose Theoretiker sind aber eh lieb.
schließt sich für mich persönlich schon einmal ziemlich aus. Jedenfalls kann er jetzt, wo die sympathischen Maoistenkämpfer endlich in der Regierung sitzen und der gehasste König in der Tinte, ja getrost nach Nepal zurückkehren und die Früchte seines sympathischen Kampfes ernten.
schleppen die armen Flüchtlinge bis nach Österreich obwohl die eigentlich ganz woanders hinwollen. In dem Fall von Bangkok bis Wien - beachtliche Leistung, beim Fliegen muss man bekanntlich seinen Pass mehrfach herzeigen.
Und dann müssen sie in der Hölle Österreich uim Asyl ansuchen, sapperlot!
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