Bonjour, Schüssel!

21. März 2007, 19:12
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Ex-Kanzler übt Französisch

Das Büro im Parlamentsklub schaut mit der blauen, kreisförmig angeordneten Sitzgruppe und der modernen Kunst an der Wand inzwischen aus wie die Miniaturausgabe seines ehemaligen Kanzlerzimmers. ÖVP-Obmann Wolfgang Schüssel hat sich in seiner neuen Rolle offensichtlich eingerichtet.

Zuletzt gab er vermehrt Interviews - wohl auch, um den Gerüchten entgegenzuwirken, er befände sich in der inneren Emigration.

Auch Zeit für Weiterbildung hat der Ex-Kanzler, und das scheint er zu genießen. Schüssel arbeitet nach eigenen Aussagen nicht nur intensiv an seinem Cellospiel und löst, wie berichtet, zur Gehirnentspannung Sudoku. Schwarze Abgeordnete erzählen einander auch, dass der Ex-Kanzler derzeit seine Sprachkenntnisse perfektioniert. Englisch spricht er bereits fließend, nun soll er auch sein ohnehin passables Französisch verbessern.

Passives Sprachtraining hat der Klubobmann zu Genüge, liest er doch jeden Tag die internationalen Zeitungen, darunter auch die Financial Times und Le Monde. Angeblich übt er auch seinen aktiven Sprachschatz - etwa, in dem er hin und wieder französische Begriffe verwendet und sie seinem Gegenüber freundlicherweise auch gleich übersetzt.

Ob das vielleicht eine Vorbereitung für eine spätere Spitzenaufgabe auf EU-Ebene wie jene des EU-Außenministers ist, für die fließendes Französisch Bedingung ist? Schüssels Büro wollte dazu auf Standard-Anfrage nichts sagen, oder besser: Es gab "aucun commentaire". (Barbara Tóth/DER STANDARD, Printausgabe, 22.3.2007)

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