Khouloud Douaibess ist Palästinas neue Tourismusministerin

21. März 2007, 18:44
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Die zweite Frau im Kabinett von Premier Ismail Haniyeh ist 41 Jahre alt, promovierte Architektin und Christin

Bethlehem - Die Sekretärin im vierten Stock des Nazzal-Gebäudes in Bethlehem rückt einen Blumenstrauß zurecht, Männer in grauen Anzügen stehen Schlange, um der neuen palästinensischen Ministerin Bonbons zu überreichen, an der Wand hängt ein Plakat mit einem stilisierten Jerusalemer Tempelberg. "Es ist mein erster Tag im Amt", entschuldigt sich Dr. Khouloud Douaibess. Sie sitzt unter den Portraits der Präsidenten Yasser Arafat und Mahmoud Abbas. Neben ihr steht eine palästinensische Flagge.

Aus der Isolation ausbrechen

Die neue Tourismusministerin der Regierung der nationalen Einheit ist eine von zwei Frauen im Kabinett von Premier Ismail Haniyeh. "Wir sind der Überzeugung, dass das Regierungsprogramm der einzige Weg aus dem Dilemma ist. Für mich ist es akzeptabel. Es ist eine Ausgangsposition. Damit können wir alle zusammenarbeiten, um aus der Isolation herauszukommen", sagt sie.

Balance zwischen Stärke und Respekt in Männergesellschaft

Die 41-jährige Katholikin ist Architektin und promovierte in Hannover. Die Mutter von drei Kindern ist mit einem Protestanten verheiratet. Sie verbrachte zwölf Jahre in Deutschland und kehrte 1994 in die Heimat zurück, in der Hoffnung, den neuen Staat aufzubauen. "Denkmalschutz und der Erhalt historischer Gebäude prägt unsere Identität", sagt sie in perfektem Deutsch. "Ich war sehr erfolgreich dabei, die Männer zu erziehen. Man muss eine Balance finden zwischen Stärke und Respekt, damit man durch die Arbeit ihren Respekt gewinnt. Fachkompetenz erleichtert das, und durch den Doktortitel erreicht man eine gewisse Anerkennung", sagt die Frau, die sich als Leiterin des Zentrums für Kulturerbe und Denkmalpflege in Bethlehem in einer reinen Männergesellschaft durchsetzen musste.

"Religionsfreiheit" fehlt

Es irritiert sie nicht, dass "Religionsfreiheit" im Regierungsprogramm fehlt: "Die Einigung auf ein Programm war nicht einfach. Die Zeit ist schwierig. Alle erkannten, dass sie zu einer gemeinsamen Sprache finden müssten. Religionsfreiheit ist auch drin, finde ich." Da sei die Rede von Respekt für den Anderen, Pluralismus und Dialog als Konzept. Religionsfreiheit sei immer schon auf der politischen Ebene gewährleistet gewesen. "Tatsache ist, dass Christen in der Regierung vertreten sind, durch meine Person."

Verträge mit Israel nur "respektiert"

Die Erwähnung des "legitimen Widerstands" - worunter in Israel und Europa Terror verstanden wird - kontert sie mit den Worten: "Okkupation ist illegal und man hat das Recht auf Freiheit. In unserem Programm steht, dass man den palästinensischen Konflikt lösen will." Präsident Mahmoud Abbas habe die Vollmacht, über einen palästinensischen Staat in den Gebieten von 1967 zu verhandeln. Zu dem Streitpunkt, dass die Einheitsregierung bestehende Verträge mit Israel nur "respektiere", sagt sie: "Von Israel bekommen wir gar nichts. Für uns hat Respekt einen hohen symbolischen Wert. Man respektiert seine Eltern. (...) Ich denke, Israel spielt mit Worten. Die semantischen Spielereien müssen ein Ende haben. Israel will immer einen Grund haben, nicht zu verhandeln. Wenn sie einen Staat Palästina akzeptieren, warum ist der bisher nicht zustande gekommen?"

Forderung der sofortigen Entlastung der PalästinenserInnen

Douaibess lobt die "positive Sprache der Hamas, indem sie von einem Staat in den Grenzen von 1967 redet". Die gemäßigte Richtung innerhalb der Hamas sollte unterstützt werden, um negative Entwicklungen wie Extremismus oder die Ablehnung von Lösungen auszuschalten. "Es muss eine sofortige Entlastung für die Palästinenser geben, damit sie merken, dass dies der einzige Ausweg aus dieser Situation ist. Sonst werden die Hamas oder andere Fraktionen an Macht dazu gewinnen. Die Extremisten müssen wir durch sofortiges Handeln eingrenzen."

Tourismus als Zukunft

Ihr neues Amt hält sie für sehr wichtig: "Der Tourismus und dieses Ministerium sind unsere Verbindung nach außen. Wir können der Welt ein besseres Image von Palästina vermitteln." Sie will Palästina wieder auf die touristische Landkarte setzen. "Natürlich. Ohne politische Lösung ist es schwer, den Tourismus zu fördern. Wir hoffen auf die Unterstützung der internationalen Gemeinschaft." (APA)

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