Poesie von Fund- und Kunststücken

21. März 2007, 19:14
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Annelies Oberdanners Arbeiten lassen auf angenehmste und anregendste Art und Weise die Kategorien verschwimmen - Austellung bei layr:wüstenhagen

Doppelgeschöpfe ist ein passendes Wort, um das Wesen von Annelies Oberdanners Arbeiten einzufangen. Die "Objekte" der 1961 in Innsbruck geborenen Künstlerin entziehen sich jedem Versuch, sie mehr als Bild oder Skulptur sehen zu wollen. Oberdanner, die in fotografischen wie installativen Arbeiten immer wieder ihre unmittelbare Lebensumgebung, den zweiten Wiener Bezirk, einfängt, lässt auf angenehmste und anregendste Art und Weise die Kategorien verschwimmen.

Von einer – wie sie selbst in einem Interview sagte – "konservativen" Bildhauerei- Ausbildung kommend, löst sie die Skulptur nachträglich malerisch auf: Bei Annemarie (2006), nach dem lebenden Objekt geformt und in Silikon abgegossen, modelliert sie die Oberfläche zusätzlich mit grau schattierten Farbtexturen. Bei der Fotografie ebendieser Porträtbüste steht wiederum der grafische Charakter im Vordergrund.

Das Medium Fotografie erschloss sich ihr eher "zufällig" über den Kontakt mit einer ältere Dame, bei der sie während des Studiums wohnte. Mit dem Blick des Bildhauers, aber auch des Malers, nähert sie sich ihren Motiven aus dem urbanen Lebensraum an: vielfach vergängliche Momente, Schatten und Strukturen, die Themen des Konstruktiven und dessen Umkehr umkreisen.

In ihrer aktuellen Ausstellung Modelle, einer Installation mit je drei Objekten in drei Räumen, stellt sie Strategien künstlerischer Produktion vor. Zunächst die Auslagerung von Fabrikation: Stellvertreter hierfür zwei Objets trouvés, Fundstücke aus dem Augarten – ein zerfledderter Fußball und ein verwittertes Tischchen. Weiters die Modellierung der Natur durch die Hand des Künstlers und zuletzt eine Mischform daraus. "Fast unabsichtlich Hergestelltes", Zwitterwesen zwischen Fremdproduziertem und künstlerischen Eingriffen: der Petersilienstängel (Stehhilfe II), der – zugleich im Glas gefangen als auch in den Rahmen geklebt – als Foto ins Zweidimensionale zurückgedrängt wird und letztendlich doch der unmittelbarste Vertreter von Natur ist.

Eine poetische wie analytische Installation, die nicht nur in der Summe, sondern auch in der "konzentrierten Qualität" ihrer Einzelbausteine funktioniert. (kafe/ DER STANDARD, Printausgabe, 22.03.2007)

layr:wüstenhagen
An der Hülben 2, 1010 Wien
Bis 19. 5.
  • "Annemarie",
2006
nach dem
lebenden
Vorbild
geformt
und in
Silikon
gegossen.
    foto: layr:wüstehagen

    "Annemarie", 2006 nach dem lebenden Vorbild geformt und in Silikon gegossen.

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