BenQ Mobile hat Milliarden-Schulden - Tausende Gläubiger fordern Geld

23. März 2007, 12:37
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Insgesamt haben 4.350 Gläubiger Forderungen von knapp 1,2 Mrd. Euro angemeldet

Der insolvente Handyhersteller BenQ Mobile mit ursprünglich mehr als 3.000 Beschäftigten sitzt auf einem Schuldenberg in Milliardenhöhe. Insgesamt hätten 4.350 Gläubiger Forderungen von knapp 1,2 Mrd. Euro angemeldet, sagte Insolvenzverwalter Martin Prager am Mittwoch auf der Gläubigerversammlung in München. Dem stehe ein geschätztes Vermögen von über 300 Mio. Euro gegenüber, aus dem aber beispielsweise Kosten für die beiden Transfergesellschaften für die ehemaligen Mitarbeiter bestritten werden müssten. Eine konkrete Prognose zur Ausschüttungsquote sei derzeit noch nicht möglich, sagte Prager vor rund 400 Gläubigern. "Abgerechnet wird zum Schluss. Ich gehe aber davon aus, dass sich die Quote im zweistelligen Prozentbereich bewegen wird."

Drei bis fünf Prozent

Angesichts der üblichen Quoten zwischen drei und fünf Prozent wäre eine solche Ausschüttung aus Sicht Pragers schon "beachtlich". Rund 3.500 der Gläubiger sind ehemalige Beschäftigte des Unternehmens, die zusammen 27 Mio. Euro von ihrem ehemaligen Arbeitgeber fordern. Viele von ihnen haben zumindest einen Teil ihres Geldes bereits abgeschrieben. "Als Kleingläubiger haben Sie relativ wenig Einflussmöglichkeiten", sagte Rechtsanwalt Dierk Moreth, der die Interessen eines ehemaligen Mitarbeiters bei der Versammlung vertrat.

Hoofnung

Auch der Inhaber eines Dienstleistungsunternehmens war ohne große Hoffnungen, sein Geld wiederzusehen, zu der Versammlung gekommen. "Dafür sind meine Forderungen wohl zu gering", sagt der Mann, der anonym bleiben wollte. Noch zwei Wochen vor der Pleite der ehemaligen Siemens-Handysparte Ende September vergangenen Jahres hatten Beschäftigte von BenQ Mobile eine Schulung bei seinem Unternehmen absolviert. Die dafür fälligen rund 13.000 Euro sei das Unternehmen schuldig geblieben, sagte der Mann.

Der Weg in die Pleite

Prager vollzog bei der Gläubigerversammlung noch einmal den Weg des Unternehmens in die Pleite nach. Siemens hatte die ehemalige Handysparte einschließlich einer Mitgift in Höhe von mehreren hundert Millionen Euro an den taiwanesischen Elektronikkonzern BenQ Corp. abgegeben, der dem Unternehmen aber nach hohen Verlusten und einem weiteren Marktanteilsschwund den Geldhahn zudrehte. Nun sei unter anderem noch offen, inwiefern Ansprüche gegenüber BenQ Corp. geltend gemacht werden könnten, sagte Prager. Das Thema sei wegen des Firmengeflechts sehr komplex. "Hinzu kommt, dass die Bonität der BenQ-Gruppe für uns nicht abschätzbar ist und ich deshalb die Werthaltigkeit von bestehenden Forderungen nicht wirklich beurteilen kann." Das komplette Verfahren werde sich voraussichtlich noch mehrere Jahre hinziehen.

Suche

Die Suche nach einem Investor stand für den Insolvenzverwalter von Anfang unter schwierigen Vorzeichen: Zu einer "verbrannten" Marke seien offene Eigentumsfragen bei den Patenten gekommen. Durch das komplizierte Firmenkonstrukt mit einer Zwischenholding in Holland sei ihm zudem der Zugriff auf wesentliche Unternehmensteile versperrt gewesen. "Wir waren nicht in der Lage, einem Investor Billig- Produktionsstandorte oder Billig-Entwicklungsstandorte zu bieten, und wir konnten auch keine wirklich prickelnde Vergangenheit bieten", sagte Prager. So sei die Käufer-Suche letztlich gescheitert. "Ich persönlich bedauere das, zum einen wegen der Mitarbeiter, zum anderen aus Gläubigersicht, weil Fortführungswerte immer größer sind als Liquidationswerte."

Siemens

Die ehemaligen Mitarbeiter machen unterdessen auch ihren früheren Arbeitgeber Siemens für den Zusammenbruch verantwortlich. "Das ist jetzt ein Fall für die Geschichtsbücher und zeigt, wie eine mangelhafte Zusammenführung und Integration zweier Unternehmen läuft", sagte ein 41-Jähriger, der seinen Namen nicht nennen wollte. Ein Kollege von ihm, früher Projektleiter bei BenQ Mobile, glaubt allerdings nicht, dass die Firma von den Beteiligten aus "böser Absicht" in die Pleite gesteuert wurde. "Ohne wirtschaftlichen Erfolg hat kein Unternehmen eine Chance zu überleben, auch wenn das hart klingt. Wir haben es eben nicht geschafft." (APA/dpa)

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