Deutsche Telekom rechnet mit 9,6 Prozent weniger Gewinn im Festnetz

30. März 2007, 10:19
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Prognose für Festnetz-Sparte bereits im Jänner um 1 Mrd. Euro gesenkt - 2 Millionen Telefonanschlüsse weniger - Proteste in Bayern zu Beginn der Tarifverhandlungen angekündigt

Die Deutsche Telekom rechnet im laufenden Jahr mit 9,6 Prozent weniger operativem Gewinn im Festnetz. Ein Unternehmenssprecher bestätigte am Mittwoch einen entsprechenden Bericht der "Financial Times Deutschland", fügte aber hinzu, das entspreche der bereits Ende Jänner vom Konzern herausgegebenen verringerten Geschäftserwartung. Zudem will die Telekom 50.000 Mitarbeiter an Subunternehmer auslagern. Zu Beginn der Tarifverhandlungen kündigt die Gewerkschaft ver.di in Bayern Proteste an.

8 Milliarden

Wie die Zeitung "Financial Times Deutschland" in ihrer Donnerstagsausgabe berichtete, soll das Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (Ebitda) der Festnetzsparte T-Com 8 Mrd. Euro erreichen. Das soll aus einem internen Schreiben des T-Com-Vorstands Timotheus Höttges hervorgehen. Im Vergleich zum Wettbewerb habe T-Com immer noch erhebliche Nachteile hinsichtlich Effizienz und Produktivität, schrieb die Zeitung unter Berufung auf Höttges Brief.

rundbrief

Der Vorstand hatte den Rundbrief an die Belegschaft einen Tag vor Aufnahme der Tarifverhandlungen über die Ausgliederung von Servicebereichen in eigenständige Subunternehmen in Umlauf gebracht. Die T-Com müsse im laufenden Jahr die Kosten um 1,2 Mrd. Euro senken, heißt es dort. Bis zu 50.000 Mitarbeiter sind laut Telekom von der Auslagerung betroffen. Sie sollen in das Subunternehmen T-Service eingegliedert werden - zur Not auch gegen die Gewerkschaften ver.di und ohne Tarifvertrag.

Das Ziel der deutschen Telekom Ziel sei, den Konzernumbau im Konsens mit den Gewerkschaften umzusetzen. Sollten diese aber blockieren, werde es die Ausgliederung notfalls auch ohne Tarifverträge geben, hieß es dazu aus Verhandlungskreisen.

Die Sorgenkinder

Im Jahr 2006 hatte die Sorgensparte der Telekom ein Ebitda von 8,75 Mrd. Euro erwirtschaftet. Weil die T-Com seit Jahren Kunden an alternative Telekom-Anbieter verliert, ist der operative Gewinn in den vergangenen Jahren stetig gesunken. 2006 verlor die T-Com etwa zwei Millionen Telefonanschlüsse. Die Telekom hatte Ende Jänner ihre Ebitda-Prognose für 2007 um rund 1 Mrd. Euro auf 19 Mrd. Euro gesenkt.

"Zum 1. Juli dieses Jahres werden die Call-Center-Aktivitäten, der technische Kundendienst und die operativen Einheiten der technischen Infrastruktur des Konzerns in drei Gesellschaften innerhalb des Konzerns gebündelt", umriss die Telekom am Mittwoch ihren Fahrplan. Der Konzern signalisierte die Bereitschaft, den Ende 2008 auslaufenden Kündigungsverzicht im Gegenzug vorzeitig zu verlängern. Die Gewerkschaft ver.di kündigte unterdessen für den morgigen Donnerstag Protestaktionen in ganz Bayern an. Im Freistaat hat die deutsche Telekom insgesamt acht Standorte. (APA/dpa)

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