Weniger bringt mehr

21. März 2007, 18:18
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Bilanz zur 20. TEFAF (The European Fine Art Fair) in Maastricht: Aufreger, Einmalteilnehmer und neue Märkte inklusive

Maastricht – Chapeau! Mehr bleibt einem angesichts solcher Gewinnspannen nicht zu sagen. Im November 2006 reichte das Auktionshaus Fischer (Luzern) das als Opferrind bezeichnete chinesische Kultgefäß für rund 356.000 Euro weiter. Das für ein Rind mit untypisch kurzen Beinen ausgestattete Vieh entwickelte sich zu einem Tapir und wurde im Vorfeld der TEFAF zum Medienstar.

Selbstredend schon wegen des von Littleton & Henessy (London/New York) veranschlagten Preises von 9,23 Millionen Euro. Nein, man sei nicht der erfolgreiche Bieter gewesen, betont Richard Littleton gegenüber dem Standard, sondern hätte den mehr als 2000 Jahre alten Unpaarhufer in Kommission genommen. Details bleibt man mit Verweis auf Vertraulichkeit schuldig. Die Absprache eines Interessenten-Konsortiums im Vorfeld der Auktion darf allenfalls vermutet werden.

Gesichert ist, dass die außergewöhnliche Bronze in einer Auktion in London, Hong Kong oder New York wohl ein Vielfaches gebracht hätte. Die simple Erklärung für den aktuellen und von einem chinesischen Privatsammler dann auch tatsächlich bezahlten Kaufpreis: "Das ist eben der Marktwert, siehe auch den bisherigen Auktionsrekord für ein vergleichbares Objekt in der Höhe von 9,2 Millionen Dollar", so Littleton, und den hat man nun übertroffen. Auch sonst kann die am 18. März zu Ende gegangene Messe mit Superlativen aufwarten. Darunter fällt die deutliche Reduktion der Besucher. 2006 stürmten derer 84.000 die TEFAF, heuer waren es nur 71.000, darunter Kuratoren aus 125 internationalen Museen. Gleichzeitig stieg die Zahl der am Flughafen Maastricht-Aachen während der Laufzeit verbuchten Landungen von Privatjets um 45 Prozent. Anders ausgedrückt: Es konnte wohl gleichzeitig die Zahl der vermögenden Besucher gesteigert werden. Nicht wenige der seit Jahren hier präsenten Kunsthändler zogen die beste Bilanz in ihrer Teilnahme-Chronik, etwa Jean David Cahn (Basel) oder Wildenstein (New York).

Sehr zufrieden blickt auch Hauser & Wirth (Zürich / London) auf ihre Maastricht-Premiere zurück: "Bei Verkäufen sind wir mit nicht zu hohen Erwartungen angetreten", zieht Florian Berktold, Direktor der Zürich-Niederlassung, Resümee, "für uns war es wichtig, neues Publikum zu treffen". Im Gegensatz zum überhitzten "Preview-Gerangel bei zeitgenössischen Kunstmessen", hat ihn die entspannte Atmosphäre begeistert: "Für das meiste Gewusel sorgen hier sicher die Alten Meister, in der Sektion Moderne geht es dagegen deutlich ruhiger zu", so Berktold.

Die Teilnahme anderer Newcomer, etwa der Auktionatoren Christie’s und Sotheby’s, möchte er nicht kommentieren. "Die Art Basel hat etwa andere Statuten, Auktionshäuser sind nicht zugelassen". Der Hintergrund: Erst die Übernahme von Noortman Master Paintings durch Sotheby’s im Sommer 2006 hatte die Zulassung ermöglicht. Der mittlerweile verstorbene Rob Noortmann hatte der Messe mit rechtlichen Schritten gedroht, sollte er von der Teilnahme ausgeschlossen werden. Damit stand man unter Zugzwang und musste auch King Street Fine Art (Christie’s) zulassen. Gerüchte, wonach Christie’s 2008 die Teilnahme verwehrt wird, bestätigt Ben Janssens, Chairman des Executive Committees, nicht: "Eine Entscheidung wurde noch nicht getroffen." (Olga Kronsteiner / DER STANDARD, Printausgabe, 22.03.2007)

  • Museales bei der Pariser Galerie Perrin: Im Mittelpunkt die in Frankreich um 1725 ausgeführte Konsole.
    foto: perrin

    Museales bei der Pariser Galerie Perrin: Im Mittelpunkt die in Frankreich um 1725 ausgeführte Konsole.

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