Auf den Schuh gekommen

30. Juli 2007, 13:30
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Schuhmacherin Rafaela Homolka beweist Bodenständigkeit

Die 15-jährige Rafaela Homolka ist eine der wenigen Menschen, die wirklich wissen, was zu tun ist, wenn der Schuh drückt – und zwar nicht nur der übertragene: Rafaela ist seit vergangenen September in der Schuhmacher-Lehre.

Am Anfang ihrer ungewöhnlichen Berufswahl stand ein Zeitungsartikel: Angekündigt wurden darin Schnuppertage in der Waldviertler Schuhwerkstatt in Schrems. Die nette Atmosphäre im Betrieb hat die Waldviertlerin sofort angezogen – promt hat sie sich beworben. Von den acht Anwärtern auf die Stelle ist sie ausgewählt worden.

Ungewöhnliche Wahl

Als Rafaelas Mutter, die selbst Kellnerin ist, von ihrer Berufswahl erfuhr, gab sie zu bedenken, dass die Schusterlehre "schon etwas Seltenes ist". Als sich herausstellte, wie gut Rafaela das Handwerk gefällt, standen die Eltern aber voll hinter ihrer Entscheidung. Die meisten ihrer Schulkameradinnen aus dem Polytechnikum haben eine Lehre begonnen, aber abgebrochen und besuchen jetzt Landwirtschaftliche Schulen oder Handelsakademien – doch "so etwas interessiert mich gar nicht", so Rafaela. Jetzt, wo sie noch am Beginn jenes Handwerks steht, dessen Endprodukte uns durch die Welt tragen, ist es ihre Aufgabe, das Leder und die Sohle zusammenpassend zuzuschneiden. Diese Arbeit findet sie "super. Und auch mit den Kollegen verstehe ich mich gut".

Zurzeit absolviert die junge Schusterin gerade die sechste der zehn Wochen Berufsschule, die in der dreijährigen Lehrphase erbracht werden müssen. In der Schule in Schrems wird sie gemeinsam mit drei anderen Schuhmacherinnen aus Oberösterreich in Schuh- und Materialtechnologie unterrichtet, was beispielsweise über die Innen- und Außenausstattungsmöglichkeiten von Schuhen.

Eine andere Beziehung zu Schuhen hat Rafaela durch die Lehre nicht gewonnen. Nur etwas hat sich geändert: Die einstige Turnschuhträgerin geht jetzt natürlich meist in "Waldviertlern" durch die Welt. Auch wenn sie die "Waldviertler" zum Fortgehen nicht anziehen würde – "weil in die Disco passen die nicht" – will sie nach Abschluss der Lehre der Waldviertler Schuhwerkstatt ihre Treue halten. Ein Zukunftstraum ist, nach der Lehre das eigene Modell dessen zu designen, auf dem wir alle durchs Leben gehen. (Tanja Traxler, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 22.03.2007)

  • Rafaela Homolka (15) findet ihre Lehre bei der Waldviertler Schuhwerkstatt einfach "super".
    foto: standard/christian fischer

    Rafaela Homolka (15) findet ihre Lehre bei der Waldviertler Schuhwerkstatt einfach "super".

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