International österreichisch - Diagonale: Fragen und Verrenkungen

Redaktion, 21. März 2007, 17:17
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    foto: fischer

    Noch länger Wiener Filmförderchef? Peter Zawrel.

Und wenn man schon nicht immer zu einem gemeinsamen Standpunkt findet: Ein Standort, und zwar ein "bestens bewährter", das ist auch nicht nichts

Graz – Im zehnten Jahr ihres Gastrechts in Graz ist die Diagonale im Stadtbild unter dem Uhrturm präsenter ausgeflaggt denn je. Und sie inszeniert sich wie eine etwas exzentrische, sanft erregte Besucherin, die es mit sich, mit der Filmbranche, die sie präsentiert, der heimischen Politik und uns allen nicht immer ganz leicht gehabt hat.

Wer jedoch glaubt, das Jubiläum verleite nun zu besonders prononcierten politischen Statements, der irrt. An die große Krise mit Franz Morak, der das Festival fast zu Tode reformiert hätte, und daran, dass die Diagonale zeitweilig als Protestaktion überleben konnte, erinnern heute nur noch hilflos lachende Menschen in einem Festival-Trailer von Mara Mattuschka aus dem Jahr 2004. Und daran, dass sich vor gar nicht so langer Zeit der heimische Produzentenverband wegen Uneinigkeit in Sachen Förderungsprioritäten spaltete – daran erinnert vielleicht bestenfalls die Tatsache, dass zumindest in den ersten Tagen des Festivals vor Ort deutlich weniger Produzenten und prominente Filmemacher auszumachen sind.

Vielleicht. Es kann ja auch sein, dass die Diagonale vom Branchenfestival immer mehr zum Besucherfestival wird. Oder dass dem Gros der heimischen Produzenten das diesjährige Schwerpunktthema "Verwertung" – welche Formate wie für welchen Markt lancieren? – weniger interessant erscheint als das ewige (Klage-)Thema "Förderung" und/oder "Bitte mehr Geld!". Dann werden aber wahrscheinlich spätestens am Samstag mehr Interessenten im Space04 im Kunsthaus Graz zugegen sein, wenn Kunstministerin Claudia Schmied öffentlich Fragen beantwortet.

Oder doch schon heute, Donnerstag? Da antworten – ebenfalls unter dem Motto "Was wir uns wünschen?!" – die Film/Kultur-Verantwortlichen des ORF, angeführt von Programmintendant Wolfgang Lorenz.

Wenig bis gar nichts beantwortet derzeit, weil in Graz (noch?) nicht zugegen, der Wiener SP-Kulturstadtrat Andreas Mailath-Pokorny. Dabei lautet eine der dieser Tage in den Grazer Kino- und Hotelfoyers am inständigsten diskutierten Fragen: Was wird eigentlich aus dem Filmfonds Wien, dem größten Förderungsgeber des Landes? Dessen Leiter, Peter Zawrel, ist mittlerweile acht Jahre im Amt; im Oktober dieses Jahres läuft sein Vertrag aus; für eine dritte und letzte Verlängerung um weitere vier Jahre bedürfte es einer Zweidrittelmehrheit im Kuratorium des FFW.

Zawrel, der sich zuletzt ähnlich wie der Leiter des Österreichischen Filminstituts, Roland Teichmann, verstärkt für jüngere Produzenten (Coop 99, Geyrhalter, Amour Fou, etc.) eingesetzt hat, ist, wie Teichmann, unter den älteren Platzhirschen (Dor Film, Allegro), die mehr Geld und ein verstärktes Bekenntnis zum Unterhaltungskino fordern, durchaus umstritten. Egal, ob er nun bleibt oder ob er durch jemanden mit einem anderen Kurs ersetzt wird: Diese Entscheidung wird die Dynamiken der heimischen Film- und TV-Produktion wesentlich mitprägen. Im Wiener Kulturamt hat man auf diese delikate Situation bis dato nicht mit ersichtlichen Maßnahmen reagiert. Zawrel selbst quittiert dies, wenn man ihn dazu befragt, mit leicht resignativ-ironischem Achselzucken.

Jedenfalls: Die Zeit läuft. Und die Diagonale, erregbar, verbindlich, einfallsreich und dann auch wieder beliebig wie das heimische Filmschaffen selbst – sie will keinen Zweifel daran lassen, dass sie den Anforderungen dieser Zeit, die immer schneller durch immer mehr Abspielkanäle und Vertriebsnetze rast, weiterhin gerecht werden wird. Intendantin Birgit Flos spricht im Katalog von einem "internationalen Festival des österreichischen Films": Ein denkwürdiges, schiefes und insofern durchaus repräsentatives (Sprach-)Bild. (Claus Philipp / DER STANDARD, Printausgabe, 22.03.2007)

  • "Wir sind im Allgemeinen Optimisten"

    TitelbildEine für Wien verlorene Tochter mit ihrer Familie: "Vienna's Lost Daughters" gastieren in Graz

  • Kommentar: Stagnation in Graz

    Wirklich berückend ist eine Gesamtauslastung von knapp 60 Prozent bei der Diagonale nicht - Von Claus Philipp

  • Bester Spielfilm "heile welt" läuft ab Freitag in Graz

    TitelbildSpielfilmdebüt von Jakob M. Erwa nach Ostern in der Steiermark und im Anschluss in Österreich zu sehen

  • Preisträger, "Alt" und "Jung"

    Ausschnitt aus Bellavista bildete einen eigentümlichen Kontrast zur komödiantisch aufgepeppten Zeremonie

  • Der (Über-)Hang zum Mittelmaß [23]

    TitelbildEin eher flaues, von produktiven Schwerpunkt-Setzungen überraschend freies "Festival des österreichischen Films"

  • Salzburgerin gewinnt Nachwuchswettbewerb "shorts on screen" [2]

    "Der berechnete Ton" von Marlies Pöschl ist eine satirische Perspektive auf Normen

  • Wolf Suschitzky: Chronist hinter der Kamera

    TitelbildAus Wien gebürtiger Fotograf und Kameramann ist einer der bedeutendsten Vertreter des Dokumentarfilms und der Reportage- und Porträt-Fotografie Großbritanniens

  • Ergänzendes Festival:"Abgelehnt" [1]

    Filme und Aktionen sollen weniger gegen die Diagonale gehen, "sondern vielmehr dahinter, davor oder aber auch Darüber-Hinaus"

  • International österreichisch - Diagonale: Fragen und Verrenkungen [3]

  • Das Erbe von Opfern und Tätern

    Von der Nachhaltigkeit der Geschichte: Zwei dokumentarische Filme von Klub Zwei - "Response Ability (antworten geben können)" und "Liebe Geschichte"

  • Aufschub der Gewalt: "Daratt"

    TitelbildDer afrikanische Film erzählt von einer Rache, die auf innere Widerstände stößt - Regisseur Mahamat-Saleh Haroun im STANDARD-Gespräch

  • Nachschau im Niemandsland

    Das Filmarchiv Austria würdigt den Autor und Regisseur Herbert Holba (1932–1994) In einem "Niemandsland zwischen gestern und morgen" ereignen sich gruppendynamische Prozesse

  • Die Angst, dass einem die Luft ausgeht [30]

    Titelbild"42plus" erzählt über mittelständische "Luxusprobleme" sowie eine handfeste Midlife-Crisis - Regisseurin Sabine Derflinger im STANDARD-Gespräch

  • Einzelgänger von Beruf

    Nachdem sie Teilhabe an ihrem Dasein gewährt, ihre Ansichten kundgetan haben, setzen Protagonisten und Protagonistinnen von Dokumentarfilmen ihr Leben meistens abseits der Kameras fort: Neue Dokus von Horvath und Burger

  • Grandezza, zart, boshaft, räudig [1]

    TitelbildEin Mann gibt nicht auf, und das ist gut so: Der Autor, Regisseur und Schauspieler Peter Kern wird, nachdem er vor ein paar Jahren nach Österreich zurückgekehrt ist, von heimischen Film- und Kulturförderstellen bevorzugt wenig bis überhaupt gar nicht wahrgenommen

  • Ihre Wortmeldung bitte!

    Auch die zehnte Grazer Diagonale will Diskussionsforum sein

  • Die Insel der Reichen

    TitelbildKontrolle, Disziplin und Gespräche über Armut: Daniella Marxer erforscht in ihrem Dokumentarfilm "Zuoz" die inneren Abläufe eines Schweizer Eliteinternats

  • "Stoffwechsel": Herbert Holba und die Bedeutung des Kinos

    Filmmuseum widmet sich Arbeit mit Archivmaterial, Filmarchiv einer Werkschau des österreichischen Filmemachers - KIZ Augartenkino von Schließung bedroht

  • Beziehungsbruchstücke

    Titelbild"heile welt" heißt das Langfilmdebüt des gebürtigen Grazers Jakob M. Erwa. Es erzählt in zeitlich verschachtelter Form von brüchigen zwischenmenschlichen Beziehungen.

  • Der Lohn der Trauer

    TitelbildSudabeh Mortezai hat sich für ihren Dokumentarfilm "Children of the Prophet" nach Teheran begeben und Menschen vor und während der alljährlichen Trauerrituale begleitet

  • Überwachung, Tribute, Erinnerung, Lakonisch

    TitelbildTipps : "Faceless", "Every Step You Take", "SYNEMA", "Zwa traurige Buam", "Friss Levego"

  • Musik fürs Auge

    TitelbildEin Auszug aus dem Kurzfilmangebot: "herr bar", "Graas", "Grills Hello Again", "as they pass"

  • Brennende Ungeduld

    TitelbildJugend zwischen Stillstand und Aufbegehren: Johanna Moders Kurzspielfilm „Her mit dem schönen Leben“ erzählt von einem 16-jährigen Mädchen, das sich aus der eigenen Passivität reißt

  • Alles war falsch

    TitelbildGerald Igor Hauzenberger porträtiert in seinem Dokumentarfilm "Einst süße Heimat – Begegnungen in Transsylvanien" zwei Angehörige einer deutschsprachigen Minderheit, an denen die Verwerfungen der Geschichte greifbar werden

  • Diagonale-Eröffnung mit kritischen Worten [10]

    TitelbildFestival-Eröffnung durch Intendantin Birgit Flos und Auftakt der Diagonale-Diskussionen rund um den Schwerpunkt Filmverwertung

eyeinthesky
00
25.3.2007, 20:03
gehtsno???

jajajajbittebittebitte ich möchte auch... ich bin auch innovativ und älter

Knut Ogris
30
22.3.2007, 04:01
Herr Philipp...

...ich bin leider nicht in Graz - kann nicht, wegen anderem!

Ich möchte mit Ihnen Sprechen!
SIe wissen leider nicht alles - ich erzähle Ihnen ein bisschen was - ich bin zwar älter, aber innovativ.

Kein Mitglied in diesen Clubs - weder OffizielL noch inoffizielL: Habe aber ein prononcierte Meinung, unD ich wünsche mir, dass Sie mir zuhören, und eventuell was lesen - kurz lesen - dann wissen Sie mehr über das was Sie da oben beschrieben haben!

AUCH BEANTWORTE ICH GERNE IHRE - EVENTUELL - HOFFENTLICH KRITISCHEN FRAGEN!

Zumindest eine andere, prononciertere Sichtweise - kann ich Ihnen bieten - aber nur wenn Sie interessiert sind - was Sie mit diesem ARTIKEL VORGEBEN ZU SEIN!

Robert Niessner
 
00
26.3.2007, 14:29

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