Günter Brus: Mühl ist "Kunst-Ceaucescu", Nitsch "beleidigend"

21. März 2007, 17:47
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Brus rechnet im "Zeit"-Interview mit Kollegen ab - Künstler will nur noch Schriftsteller sein

Wien - Günter Brus rechnet in einem Interview mit der Donnerstag erscheinenden Ausgabe der Hamburger Wochenzeitung "Die Zeit" mit seinen Kollegen Otto Mühl und Hermann Nitsch ab. Mühl (auch Otto Muehl geschrieben) bezeichnet Brus als "Kunst-Ceaucescu mit seiner Kinderschänderei, der völlig rechtskonform" verurteilt worden sei. "Mühls Malerei heute ist pure Scheiße!", sagt Brus, es sei "keine Entwicklung sichtbar".

Bezüglich Nitsch sagt Brus, "wir kennen uns fast nicht mehr, völlig konträr!" Es habe "enorme Konflikte" gegeben, "weit über die Schmerzgrenze hinaus" sei Nitsch beleidigend gewesen. "Eigentlich müsste er 'sein Todfeind' sein", heißt es in dem Artikel weiter.

Die Wiener Aktionisten, deren Mitvertreter er war, bezeichnet Brus als "eine Schicksalsgemeinschaft von Leuten", die "völlig isoliert von der übrigen Kunstwelt hermetisch abgeriegelt in Wien etwas total anderes gemacht haben" als konventionelle Künstler, "von Öffentlichkeit und Staat nicht wahrgenommen oder abgelehnt, von der Presse nicht gewürdigt - ein Misthaufen".

Auch mit der öffentlichen Wahrnehmung seines eigenen Werkes hadert Brus: Er wolle nicht lebenslänglich der "Fäkalkünstler" sein, "im 'Wiener Aktionistentopf' schmoren, reduziert auf die bloßen sechs Jahre Aktions-Künstler-als-junger-Mann". Er wolle künftig nur noch Schriftsteller sein. Er habe als "international bekannter Zeichner" 60.000 Zeichnungen in den vergangenen 37 Jahren verfertigt. Doch Zeichnen mache keinen Sinn mehr, er wolle "nur noch schreiben, schreiben, schreiben". Auf die Frage, ob er selbst ein Genie sei, meinte Brus: "Ein Genie ist man erst, wenn man tot ist!" (APA)

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