Salzburg: Ungeliebter Kasernenkäufer

22. März 2007, 19:52
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In der Struberkaserne sollen Sozialwohnungen entstehen, doch nach dem Verkauf des Geländes scheint der Plan gefährdet

Salzburg – Jetzt hat auch die Landeshauptstadt Salzburg ihre kleine "Heuschreckendebatte". Anlass der Diskussion ist der Verkauf des rund sieben Hektar großen Geländes der ehemaligen Struberkaserne im Stadtteil Taxham durch eine Tochter der Bundesimmobiliengesellschaft. Soweit derzeit bekannt, dürfte eine Bietergruppe aus den Niederlanden den Zuschlag erhalten. Die heimischen Wohnbaugesellschaften würden leer ausgehen. Die Holländer sollen mit einer Summe jenseits der 15 Millionen Euro deutlich mehr geboten haben als die gemeinnützige Konkurrenz aus Salzburg und Oberösterreich. Diese wollte nur 11,7 Millionen zahlen.

Für die Stadtpolitik wäre ein endgültiger Zuschlag für die Niederländer reichlich unangenehm. Neben Gewerbe- und Grünflächen ist ein Großteil des Geländes nämlich für den Bau dringend benötigter 350 Wohnungen reserviert. Drei Viertel davon müssen soziale Mietwohnungen sein, so die Auflage der Flächenwidmung. Um den kolportierten Preis von über 15 Millionen sei sozialer Wohnbau freilich nicht machbar, die Käufer könnten nichts verdienen, warnen Vertreter der unterlegen österreichischen Wohnbaugesellschaften. Folgen könnte also ein jahrelanges Feilschen um die Widmung, bis die Nutzung so weit geändert wird, dass für die Käufer ein Gewinn herausspringt. Bis dahin würde das Kasernengelände allerdings brachliegen und folglich würden auch keine Wohnungen entstehen.

Bürgermeister Heinz Schaden (SPÖ) will fürs Erste einmal hart bleiben. Eine Widmungsänderung komme für ihn nicht infrage, richtet er den Käufern aus. Angeheizt wird die Debatte zusätzlich durch eine Reihe via Lokalmedien verbreiteter Spekulationen, wonach die Käufer aus den Niederlanden nicht seriös arbeiten sollen. Die Rede ist von – nicht näher bezeichneten – russischen und osteuropäischen Geldern. (Thomas Neuhold, DER STANDARD Printausgabe 22.3.2007)

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