Die Börse ist kein Spiel

25. März 2007, 07:00
posten

Was in Börsenspielen funktioniert, muss noch lange nicht für die Realität gelten - von Christian Scheid

„Aus Spaß wurde Ernst. Ernst ist jetzt einen Monat alt“. So könnte das Motto für ein neues Zertifikat lauten, das die Landesbank Berlin mit dem Frankfurter Wertpapierhandelshaus Driver & Bengsch (d & b) aufgelegt hat (ISIN DE 000 LBB 1Y9 9). Letztere nehmen regelmäßig an Börsenspielen teil und konnten hier in Vergangenheit überdurchschnittliche Resultate erzielen. So belegten die d & b-Experten beim letztjährigen „Vermögensverwalter Contest“, den die DAB-bank gemeinsam mit „Capital“ und „n-tv“ veranstaltet hat, den ersten Gesamtplatz. Im Spielsegment „Chancenorientiert“ erzielte d & b dabei ein respektables Plus von 46 Prozent. Warum also nicht die Strategie aus den Börsenspielen, die vor allem auf der technischen Analyse beruht, in ein Zertifikat packen? Gesagt, getan und fertig war das „Driver & Bengsch Best of Contest Index“-Zertifikat.

Der Ansatz mag originell und vielleicht auch verheißungsvoll erscheinen, aber aufgepasst: In Börsenspielen wird (meistens) mit fiktivem Einsatz um die Plätze gekämpft. Es geht darum, besser zu sein als die anderen. Zumindest unterbewusst können da Entscheidungen fallen, die man in der realen Welt nicht gewagt hätte. Wenn etwas schief geht, ist das kein Weltuntergang. Es besteht die Gefahr eines Laissez-faire, den der Anleger mit echtem Geld bezahlt. Ein weiterer Nachteil von Börsenspielen: Sie sind stets zeitlich begrenzt, womit die Versuchung besteht, dem „schnellen Geld“ hinterher zu jagen, statt ein langfristiges Konzept zu verfolgen. Eine Diskrepanz, denn das Zertifikat ist mit einer Laufzeit von zehn Jahren langfristig ausgelegt. Und sollten die Initiatoren tatsächlich viel Geld einsammeln, dürfte es problematisch werden, bei marktengen Titeln einerseits günstig zum Zug zu kommen, anderseits sie wieder an den Mann zu bekommen.

Überraschende Erkenntnisse liefert ein Blick in den laufenden „Vermögensverwalter Contest“. Im Augenblick belegt Driver & Bengsch im Segment „Chancenorientiert“ mit einem minus von 1,1 Prozent den fünften von zehn Plätzen. Im Depot befinden sich gefallene Stars aus Neuer Markt-Zeiten wie EM.TV, Singulus oder QSC. Diese Werte sind auch im „Best of Contest“-Index vertreten. Daran mag man sich nicht stören. Dass aber ausgerechnet die eigene, im Frankfurter „Entry Standard“ gelistete, Driver & Bengsch-Aktie das größte Volumen im Portfolio des Börsenspiels inne hat, das ist schon erstaunlich. Bei fiktiven An- und Verkäufen kann man darüber noch hinwegschauen. Jedoch wurde die Aktie auch im „Best of Contest“-Index real aufgenommen – und das bei einem durchschnittlichen täglichen Handelsvolumen der d & b-Aktie von mickrigen 18.100 Euro (im Februar 2007). Aus Spaß wurde Ernst. Hätten die „Eltern“ nur besser aufgepasst.

Fazit: Wie in der Überschrift schon festgestellt wurde, ist die Börse kein Spiel. Das auf diesem Thema aufbauende Zertifikat der Berliner Landesbank kann wegen der strukturellen Schwächen in keinster Weise überzeugen. Gegen das Produkt spricht außerdem die völlig überzogene Managementgebühr von 2,5 Prozent sowie der ungewöhnlich hohe Spread von drei Prozent.

In Kooperation mit

Ihrem gratis bestellbaren Online-Magazin für strukturierte Produkte
Share if you care.