2006: Neuer Höchstwert bei Rassismus-Fällen

28. April 2008, 10:39
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Sensibilität in der Bevölkerung gestiegen - Polizist: "Warum haben Sie dem da nicht dreimal auf den Schädel gehaut?" - Report zum Download

Wien - Bei der Anti-Rassismus-Initiative Zara sind für das vergangene Jahr 1.504 rassistische Vorkommnisse dokumentiert worden. Das ist bei der siebenten Auflage eines Jahresberichts die höchste Zahl, die bisher verzeichnet wurde. Dieser Höchstwert bedeutet nicht unbedingt ein Ansteigen des Rassismus im Land, sondern weist daraufhin, dass die Sensibilität für rassistische Übergriffe in der Bevölkerung gestiegen ist, meint man bei Zara. Der "Rassismus Report 2006" wurde heute Vormittag präsentiert.

 

Immer mehr Fälle

Erstmals erschienen war diese Zusammenstellung im Jahr 2000, als nur 156 Fälle verzeichnet wurden. Seither steigt die Zahl stetig, im Report für 2005 war erstmals die 1.000er-Marke überschritten worden (1.105). Der größte Teil der Fälle, mehr als drei Viertel, betrifft den "öffentlichen Raum", sechs Prozent Zara selbst, je fünf Prozent Arbeit und Polizei, vier Prozent sonstige Behörden und Wohnen.

Im Folgenden eine Auflistung einiger exemplarischer Fälle:

Frau V. unternimmt im August eine Fiakerfahrt. Während der Fahrt entwickelt sich eine politische Diskussion mit dem Kutscher. Er stellt sich als "Freiheitlicher von Geburt" vor. Er fordert: "Ausländer raus. Man soll das mit den Ausländern doch genauso wie mit den Juden lösen. Damals hat man Deutschland und Österreich ja gereinigt und das brauchen wir jetzt auch." Frau V. ist wütend und beginnt einen Streit. Der Kutscher sagt: "Ich bin kein Rassist, verstehen Sie mich nicht falsch, diskutieren wir das aus." Frau V. will sofort anhalten und steigt aus.

Blutspenden in Wien

Herr K. ist Afro-Amerikaner und lebt in Wien. Er geht zum Roten Kreuz Oberösterreich, um Blut zu spenden. Herr K. erklärt, dass er aus den USA komme, nicht aus Afrika. Daraufhin wird er gefragt, aus welchem afrikanischen Land seine Eltern seien. Er wiederholt abermals, dass auch diese aus den USA kommen würden, alle wären seit über 300 Jahren nicht in Afrika gewesen. Die MitarbeiterInnen des Roten Kreuz glauben ihm nicht. Er darf nicht Blut spenden.

Die Ortsgruppe der FPÖ Bruck an der Mur stellt in ihrem Schaukasten die Bundeshymne mit folgendem Text aus: "Land der Türken und Araber, Land der Slawen und auch Neger, Land der Moslems, fundamentalistenreich, Heimat hast Du wenig Kinder, brauchst daher auch noch die Inder, multikulturelles Österreich."

"Warum haben Sie dem da nicht dreimal auf den Schädel gehaut?"

Herr Y. ist österreichischer Staatsbürger türkischer Herkunft, Heeressportler und Vertreter Österreichs bei zwei Olympischen Spielen. An einem Sonntagmorgen sucht er mit seiner Frau in der Nähe seiner Wohnung etwa eine halbe Stunde lang erfolglos einen Parkplatz. Ein Wagen folgt ihnen dabei mit zwei bis drei Metern Abstand. Plötzlich überholt sie der Unbekannte und steigt mit einem Baseballschläger in der Hand aus seinem Auto. Herr Y. fährt zur nahe gelegenen Polizeiinspektion in Wien-Margareten. Der Mann folgt ihnen. Vor der Polizei hupt Herr Y. und erklärt den Beamten, die herauskommen, dass er von dem Mann bedroht wird. Einer der Polizisten sagt zu ihm und seiner Frau: "Halten Sie das Maul und bleiben Sie im Auto, Sie brauchen sich nicht in die Hose zu scheißen." ...Die Polizei nimmt nach einem "erfolgreichen" Alkotest bei dem Mann mit dem Schläger alle Personalien, auch die des Ehepaars auf. Herr Y. erkundigt sich nach dem Grund und wird daraufhin beschimpft. Die Polizisten schreien "Scheiß Tschuschen, Kanaken" und "Schleich dich aus Österreich". Zu dem Betrunkenen sagen sie: "Warum haben Sie dem da nicht dreimal auf den Schädel gehaut?"

Parkkralle montiert

Herr I. meldet folgenden Fall. Seine Freundin kommt aus der Slowakei und parkt am Abend ihr Auto mit slowakischem Kennzeichen im 15. Wiener Gemeindebezirk. Als sie zu ihrem Auto kommt, sieht sie, dass die Polizei an dem vorschriftsmäßig geparkten Auto eine Parkkralle angebracht hat. Sie kann nicht rechtzeitig zu ihrem Termin fahren und muss zur nächstgelegenen Wachstube gehen. Dort beschwert sie sich und eine Beamtin begleitet sie zu ihrem Auto. Diese bestätigt, dass keine Gesetzesübertretung vorliegt und sagt, dass ihr Kollege Slowaken nicht möge.

Herr J. ist Österreicher kurdischer Herkunft und parkt sein Auto im Sommer vor einer Geschäftsstelle des Wiener Arbeitsmarktservice (AMS). Er touchiert mit der Stoßstange seines Autos die Stoßstange eines parkenden Wagens. Es entsteht kein Schaden. Eine AMS-Beraterin schreit aber plötzlich aus dem Fenster: "Du Tschusch! Geh scheißen! Du hast das Auto da kaputt gemacht!" Herr J. geht zum Fenster und sieht, dass die Frau beim Ausländerbeschäftigungsreferat des AMS arbeitet. Herr J. ist über das Benehmen der Frau so entsetzt, dass er zu ihrem Vorgesetzten geht, um sich zu beschweren. Dieser erklärt sich für nicht zuständig, da es sich um eine Privatangelegenheit der Frau handle.

Keine "Neger" einstellen

Frau R. meldet, dass ihre junge Freundin S. bei einer großen österreichischen Supermarktkette arbeitet. Sie hat sich nach dem Studium dort in der Verwaltung hochgearbeitet und kann nun eine weitere Mitarbeiterin zu ihrer Unterstützung einstellen. Sie entscheidet sich für eine schwarze Bewerberin. Ihre Vorgesetzte sagt dazu: "Wissen Sie nicht, dass wir keine Neger einstellen?"

Frau A., in Venezuela geboren, lebt und arbeitet in Österreich. Im August will sie mit ihrem Sohn und einer Gruppe von FreundInnen ein Lokal in Wiener Neustadt besuchen. Manche ihrer FreundInnen sind ÖsterreicherInnen, andere nicht. Als Frau A. das Lokal betreten will, sagt der Türsteher zu ihr: "Kein Scheißneger darf hier hinein." Frau A. ist sprachlos. Ihr Sohn fragt den Mann von der Security, was das solle. Dieser erwidert: "Das hat unser Chef gesagt und wir machen, was der Chef sagt."

Arztbesuch

Frau L. ist im Kosovo geboren und lebt in Wien. Sie leidet seit geraumer Zeit an Kreislaufbeschwerden und Ohnmachtsanfällen. Aus diesem Grund geht sie zu ihrem Hausarzt. Diesem berichtet sie von den Beschwerden und erwähnt, dass sie arbeitslos ist. Der Arzt hört ihr erst zu, fragt sie dann aber: "Was willst du eigentlich? Kauf dir eine Zugkarte und fahr heim! Fahr nach Hause und geh dort aufs Feld ernten! Was wollt's ihr eigentlich hier? Wir sind hier doch in keinem Wohlfahrtsstaat".

Herr B schreibt an Zara: "Ihr seid wirklich DAS Letzte. Die ur-einheimische Bevölkerung Österreichs verraten und denunzieren. Wo gibt's denn so was? Seid ihr der Rest der Stasi? Scheint so. Wieso geht ihr nicht von dannen, wenn es euch nicht passt? Euch zwingt keiner dort zu bleiben. Zum Wohle unserer benachbarten deutsch-österreichischen Bevölkerung kann euch das Geld dort drüben gar nicht schnell genug ausgehen." (APA)

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