Führet uns in Versuchung!

21. März 2007, 17:00
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Der erste Blick ist entscheidend. Aber es sind die richtigen Worte, die uns letztendlich verführen

Sehen Sie, die erste Stufe der Verführung ist geglückt! Sie haben diesen Artikel angeklickt. Wie das funktioniert hat? - In der Headline steckt ein Trigger. Der Trigger muss Spannung erzeugen. Man müsste nur noch den Abzug drücken. Tut man aber nicht, weil man erreichen will, dass Sie weiterlesen.

Ob Sie diesen Artikel auch zu Ende lesen werden, ist natürlich noch lange nicht garantiert, aber wenn Sie erfahren wollen, woher wir Ihre geheimen Wünsche kennen und wie wir wissen können, welche Suchwörter Sie so eingeben, müssen sie das schon tun.

Richtig! Das ist jetzt - wir kennen das aus der Filmbranche - ein Cliffhanger. Sie haben das Manöver natürlich von Anfang an durchschaut: Wird der Mann abstürzen, oder nicht? - Solche Methoden sind Ihrer, werter derStandard.at-Leser, natürlich nicht würdig.

Wie man sieht, geht es nicht ohne seine Hausaufgaben erledigt zu haben: Das Wichtigste ist nämlich, zu wissen, für wen man schreibt. Was im konkreten Fall einfach ist, denn wir haben unsere UserInnen analysiert. Kurz, es handelt sich beim durchschnittlichen derStandard.at-Leser um wertorientierte Menschen, die visuelle Sprachbilder, Wortspiele, Zitate und Metaphern schätzen, weil diese Dinge ein Kompliment an seine Intelligenz darstellen.

Und das ist noch lange nicht alles, was man aus dem Buch mitnimmt, das hier vorgestellt wird. Zugegeben, dass es sich hier um eine Buchrezension handelt, ist bis jetzt ein wenig unter den Tisch gefallen. Also, kommen wir endlich zur Sache: Der Texter Arnim Reins, der laut Klappentext in seinen 25 Berufsjahren werbetextlich kaum einen großen Konzern ausgelassen hat, die wichtigsten Agenturen aus der Perspektive eines ergonomisch hochwertigen Arbeitssessels kennen lernen konnte und mit vielen, vielen, vielen (dreistellig!) Auszeichnungen gewürdigt wurde, richtet sich mit seinem Buch "Corporate Language" in erster Linie an ein Fachpublikum.

Sein Sprach-Appell geht an die Werber, die genau wissen, dass der Mensch primär visuell veranlagt ist. Was bei vielen Corporate Identities dazu führt, dass das Hauptaugenmerk auf dem Corporate Design liegt und das Potential eines eigenen Sprachstils vernachlässigt wird. "Allein durch unverständliche Wortwahl werden jährlich viele Millionen Euros aus dem Fenster geworfen!", schätzen ein Kulturwissenschafter und ein Politologe, die hier nicht genauer genannt werden, weil diese Angabe ja dann doch auch wieder nicht so genau ist. Aber es leuchtet ein, dass in Zeiten permanenter Werbeimpulse, wo Bilder tausend Emotionen freisetzen, aber nichts Konkretes sagen, ein paar gut gesetzte Worte nicht fehl am Platz sein können.

Arnim Reins, der in Hamburg mit der Texterin Veronika Classen eine Agentur für Sprache gegründet hat, gibt in seinem Buch nicht nur sein eigenes Know-How preis, sondern lässt in den einzelnen Beiträgen und Interviews auch die erfolgreichsten Werber und Unternehmer Deutschlands erklären, warum eine authentische, unverwechselbare Sprache einen selbstverständlichen Teil jeder Corporate Identity darstellt. - Und das Corporate in Corporate Language ist übrigens wörtlich zu nehmen: es betrifft die Kampagne genauso wie die Telefonansage.

Zur Veranschaulichung ein musterhaftes Beispiel erfolgreich integrierter Corporate Language, das jeder von uns kennt. Zumindest das Beispiel scheint uns gut zu kennen, denn das Möbelhaus ist mit uns per du. - Man braucht es jetzt schon nicht mehr beim Namen zu nennen, so gut funktioniert Corporate Language! - Das könnte natürlich auch die Antwort für ein Gewinnspiel sein.

Vielleicht spendiert der freundliche Mainzer Hermann Schmidt Verlag, der mit seiner sorgfältig gestalteten Druckware rund um die Themen Typographie, Grafikdesign und Werbung in Fachkreisen schon lange einen ausgezeichneten Ruf genießt, noch ein paar Exemplare von "Corporate Language" für ein Gewinnspiel? - Einstweilen verschenken wir unser Rezensionsexemplar, sagen wir an den 325.465sten Leser dieses Artikels. - Sie brauchen sich nicht zu melden, wir wissen ja, wer Sie sind... (hoc)

  • Armin Reins: Corporate Language. - Wie Sprache über Erfolg und Misserfolg von Marken und Unternehmen entscheidet.
Verlag Hermann Schmidt Mainz
    aus dem buch

    Armin Reins: Corporate Language. - Wie Sprache über Erfolg und Misserfolg von Marken und Unternehmen entscheidet. Verlag Hermann Schmidt Mainz

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