"Verstehen?!"

9. April 2007, 10:00
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Dem Leben, der Liebe und dem Bösen wird an Hand von historischen Äußerungen Hannah Arendts in Wien nachgespürt

Am Anfang stand die Liebe. Dann folgte der Tod. Millionenfach. Für Hannah ist die Erkenntnis "Das hätte nie geschehen dürfen" der Ausgangspunkt für die Frage: "Wie konnte es geschehen"?

Im Gespräch und in der Kontroverse mit sich selbst macht sie sich auf die Suche nach dem Warum. Zum Emotionalen Ich und zum Intellektuellen Ich gesellt sich das Öffentliche Ich. Hier, im Inneren, in der stillen Mitte, geht die dreifache Hannah den Weg der Fragen.

Hier ist sie zu Hause, hier findet sie Ruhe. Doch es ist nicht die Ruhe des Stillstands, auch wenn die Sehnsucht nach dem End-Gültigen groß ist: Sobald Bewegung endet, der Schwung verloren geht, beginnt das Sterben.

Fragen

"Verstehen?!" ist kein biografischer Hannah Arendt-Abend. Er nützt nur die realen, historischen Äußerungen Arendts, um den Fragen nach Leben, Liebe und dem Bösen nachzuspüren. Im Anatomiesaal der ehemaligen Veterinärmedizinischen Universität wird – mit theatralen und audio-visuellen Mitteln – diesmal der Mensch seziert, auf der Suche nach seiner Menschlichkeit.

Wer war Hannah Arendt?

Hannah Arendt (1906-1975) gilt als bedeutende Philosophin – sie selbst lehnte diese Einordnung ab und bevorzugte für ihre Tätigkeit die Bezeichnung "politische Theorie". Geboren in Hannover, aufgewachsen in Königsberg, floh sie 1933 vor Hitler nach Paris, später nach New York. Staatenlos bis 1951, wurde sie dann amerikanische Staatsbürgerin. In den USA war sie, neben ihrer theoretischen Forschung, als Journalistin und als Professorin an verschiedenen Universitäten tätig.

Weit über wissenschaftliche Kreise hinaus wurde sie mit ihrer Veröffentlichung über den Eichmann-Prozess bekannt. Ursprünglich als Artikelserie für den "New Yorker" geschrieben, entfachte das Buch "Eichmann in Jerusalem. A Report on the Banality of Evil" (dt. 1964: Eichmann in Jerusalem: Ein Bericht von der Banalität des Bösen) eine erbitterte Kontroverse. Wie konnte eine Jüdin so gefühllos über die Leiden der Juden schreiben? Wie konnte sie in Eichmann, dem Monster, einen "gedankenlosen Bürokraten" sehen, wo er doch sechs Millionen Juden auf dem Gewissen hatte?

Auch an einer anderen Begebenheit in ihrem Leben entzünden sich die Phantasien: als 18-jährige Studentin hat sie eine Liebesbeziehung mit ihrem Lehrer Martin Heidegger, dem großen Philosophen. Trotz seiner fragwürdigen Haltung Hitler und dem Nationalsozialismus gegenüber bleibt Arendt ihm bis zu ihrem Tod freundschaftlich verbunden: Wiederum wird ihr als Jüdin das von manchen übel genommen.

Hannah Arendt ist bis in die Diskussion der Gegenwart aufgrund ihres eigenständigen Denkens und der von ihr entwickelten Theorie zum Totalitarismus, ihrer Forderung nach pluralistischer Konfrontation im politischen Raum, ihrer Auseinandersetzung mit den Begriffen des Arbeitens, Herstellens und Handelns, des Denkens, Wollens und Urteilens, des Bösen und der Liebe von hoher Relevanz.

Verstehen?! - Hannah Arendt im Trialog
Idee, Buch und Regie: Nicole Delle Karth
Es spielen: Karola Niederhuber, Tania Golden, Florian Carove

Raum: Maren Greinke
Kostüm: Caterina Czepek
Premiere: 17. April, 19.30 Uhr
Ort: 3raum-anatomietheater, 1030 Wien, Beatrixgasse 11.

Weitere Vorstellungen: 18. April - 5. Mai (Di - So), jeweils 19.30 Uhr
Karten (18€/12€ erm.): 01/5870504, Die Theater Kasse, 1010 Wien, Karlsplatz 5
  • Verstehen?! - Hannah Arendt im Trialog (Foto: Maren Greinke)
    foto: maren greinke
    Verstehen?! - Hannah Arendt im Trialog (Foto: Maren Greinke)
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