Die Scheu vorm Spieledownload

18. Juli 2007, 16:22
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Zwar sind die Spielkonsolen von Microsoft, Sony und Nintendo für den Download von Spielen bereit. Aber das Angebot ist zögerlich, die Hersteller scheuen das Risiko

Für das Herunterladen von Musik und Filmen auf den PC haben sich bereits zahlreiche Portale wie iTunes, Musicload oder Maxdome etabliert. Auch die neueste Generation der Spielekonsolen, Microsofts X-Box 360, Nintendos Wii und die ab 23. März in Europa erhältliche Sony Playstation 3 bieten nun erstmals die Möglichkeit, Spiele vom Onlineportal des Herstellers auf das Gerät herunterzuladen. Das Potenzial ist angesichts der explodierenden Konsolenverkäufe enorm. Doch obwohl es Musik- und Filmbranche erfolgreich vorgemacht haben, nutzen die Konsolenhersteller den digitalen Vertriebsweg bislang nur sehr zögerlich.

Wie ein Onlinefilm

Dabei wäre es angesichts der ständig schneller werdenden Internetzugänge für die Hersteller ein leichtes, ihre Spiele auch Online anzubieten. Ein Spiel herunterzuladen würde nicht länger dauern als einen Spielfilm. Stattdessen finden Konsumenten bei den Download-Portalen nur ältere Klassiker und Mini-Spielchen. Und obwohl Online-Distribution billiger ist, steht die größte Spieleauswahl immer noch im Laden zur Verfügung. Nur für Wii sind derzeit mehr Titel online als offline verfügbar.

Klassiker zu recyceln

Der Grund: Nintendo tut sich leichter, erfolgreiche Klassiker zu recyceln und für wenige Euros anzubieten. Die Nintendo-Entwickler übernehmen Hits wie Super Mario, Mario Kart 64 oder Soldier Blade in der Original-Auflösung, im Original-Sound und ohne moderne Features. Die Anpassung an Wii ist minimal, so dass Nintendo derzeit rund fünf Klassiker pro Woche online stellt. Die Nachfrage besteht: Im ersten Monat des Jahres verzeichnete das Wii-Portal Virtual Console 1,5 Mio. Downloads. Nintendo überlegt, in Japan erfolgreiche Spiele, die hierzulande gänzlich unbekannt sind, auch in den USA und Europa online zu stellen.

Neue Spiele

Microsoft schafft hingegen nur ein Spiel pro Woche online zu stellen, denn die Xbox-Programmierer bauen um alte Spielideen komplett neue Spiele, mit hoch auflösenden Grafiken, Sound und Multiplayer-Eigenschaften. Etwa die Hälfte der downloadbaren Xbox-Titel besteht aus runderneuerten Klassikern, der Rest sind neue Minispiele für den schnellen Spielspaß und nicht annähernd mit "richtigen" Spielen aus dem Laden vergleichbar.

Experimentelle Spielkonzepte

Sonys Richtung ist hingegen noch nicht klar erkennbar. Die rund zehn Titel im Portal enthalten neben einigen Klassikern auch experimentelle Spielkonzepte oder kostenlos spielbare Versionen nicht realisierter Spiele wie Gran Turismo HD Concept.

Dass die Konsolenhersteller ihre Online-Aktivitäten nur halbherzig betreiben zeigt sich auch hardwareseitig. Am schlechtesten dafür vorbereitet ist Wii mit seinem nur 512 MB großen, nicht erweiterbaren Flash-Speicher, auf dem die heruntergeladenen Spiele gespeichert werden.

Noch keine Alternative

Für die Xbox 360 ist immerhin eine 20-GB-Festplatte als Zubehör erhältlich. Aber da nicht jeder eine Festplatte besitzt, der Live Arcade nutzen möchte, hatte Microsoft die Größe der herunterladbaren Spiele auf 64 MB begrenzt, damit sie auf die erhältlichen Speicherkarten passen. Da ab April auch Speicherkarten mit 512 MB für die Xbox auf den Markt kommen, wurde das Limit auf 150 MB pro Spiel erhöht. Doch auch das neue Limit demonstriert deutlich, dass der Download noch keine Alternative zum Ladenkauf ist. Da der Download von Spielen zudem stets auf das herstellereigene Portal begrenzt ist, haben auch innovative Drittanbieter mit eigenen Portalen keine Chance, frischen Wind in die Videospielebranche zu bringen.(Andreas Grote/DER STANDARD, Printausgabe vom 21.3.2007)

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