Schädliche Überdosierungen

9. Oktober 2007, 14:46
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Antioxidantien aus Getreide, Obst und Gemüse helfen Radikale im Körper zu binden - künstlich im Übermaß zugeführt können diese aber schädlich wirken

Freie Radikale werden für die schnelle Alterung, für Arteriosklerose (Aterienverkalkung), Krebs oder Rheuma verantwortlich gemacht. Die hochreaktiven Substanzen kommen überall im Körper vor und gehen dementsprechend schnell Verbindungen ein.

Angreifen und zerstören

"Das Problem ist, dass genau diese hohe Reaktivität andere Verbindungen zerstören kann", erklärt Jürgen König vom Institut für Ernährungswissenschaften an der Universität Wien. "Sie können Moleküle und Substanzen im Organismus angreifen", so König weiter. "Es können Zellmembrane zerstört werden. Die freien Radikale greifen die DNA, also die genetische Information an. Dadurch kann relativ leicht Krebs entstehen."

Die einzig positive physiologische Reaktion liegt in der Immunabwehr. Dringen Bakterien in den Körper ein, produziert der Organismus mit Absicht Radikale.

Radikale entstehen bei Verbrennungsprozessen

Der Sauerstoff der Atmung dient der Energiegewinnung und wird gebraucht, um energiehaltige Substanzen wie Fette und Kohlehydrate abzubauen. "Die Substanzen werden verbrannt und in CO2 und Wasser umgewandelt. Beim Verbrennungsprozess enstehen aufgrund der Natur des Sauerstoffes freie Radikale", so König. Der Organismus sorgt aber dafür, dass diese so schnell wie möglich wieder entschärft werden.

Körpereigene Substanzen

"Dafür gibt es Proteine im Stoffwechsel, die in der Lage sind ein freies Radikal in eine weniger reaktive Substanz umzuwandeln". Diese Proteine produziert der Körper regelmäßig in ausreichender Menge, damit Radikale nicht in größerer Konzentration auftreten.

Unterstützung von Außen - die Antioxidantien

Zur Unterstützung dieses Prozesses braucht der Körper aber Substanzen von außen, die "Antioxidantien". Sie helfen Radikale zu entschärfen und aus dem Stoffwechsel zu entfernen.

Vitamine, Spurenelemente und sekundäre Pflanzenstoffe

Der Ernährungswissenschafter Jürgen König: "Zu den Antioxidantien zählen grob gerechnet drei Vitamine, nämlich E,C und Betakarotin. Weiters die Spurenelemente Zink, Selen und Mangan und auch sekundäre Pflanzenstoffe wie Phenole oder Flavonoide."

Um freie Radikale zu verhindern empfielt der Ernährungsexperte den Schutz durch die abwechslungsreiche Nahrung. "Die richtige Ernährung ist sicher einer der Haupteinflussfaktoren."

Lebensmittel, die wirken

"Farbige" Nahrungsmittel wie rotes, gelbes und grünes Obst - und Gemüsesorten sind reich an sekundären Pflanzenstoffen. Beispiele dafür sind: Paprika, Brokkoli, rote Trauben oder Karotten. Selen ist vor allem in Fisch und Vollkorngetreide zu finden. Zink in Fleisch und Vollkornprodukten.

Die Vitamine C,E und Betakarotin sind in Eigelb, Vollkorngetreide, hochwertigen pflanzlichen Ölen und Nüssen und Gemüsesorten wie Tomaten, Spinat, Brokkoli, Kohl oder Paprika enthalten.

Supplemente - bringen das Gleichgewicht durcheinander

Während die Ernährung eine sichere Quelle für Radikalfänger ist, können Lebensmittelzusätze und Supplemente das System durcheinander bringen. "Das heißt, wenn man isoliert einige wenige Substanzen zu sich nimmt, kann es sein, dass das empfindliche Gleichgewicht im Körper gestört wird. Deshalb sagt die Ernährungswissenschaft, dass eine vielfältige Kost die einzige ideale und bestwirksame Kombination aller Antioxidantien ermöglicht".

Die gefährliche Überdosierung

"Durch eine Überdosierung kann das Gleichgewicht so gestört werden, dass die Antioxidantien, die eigentlich die Radikale eliminieren sollten, dann plötzlich den gegenteiligen Effekt auslösen", erklärt Jürgen König, ein "Zuviel" fördere nach heutigem Wissensstand sogar die Radikalbildung: "Die zugeführten Antioxidantien werden dann selbst zu Radikalen und können nicht regeneriert werden. Es entsteht im Organismus also genau die Wirkung, die man eigentlich vermeiden wollte." (Andrea Niemann)

  • Artikelbild
    foto: standard/matthias cremer
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