Großer Bahnhof in Wien-Meidling

20. März 2007, 21:13
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Seit 2000 wird umgebaut: Ab 2009 muss der Bahnhof Wien-Meidling wichtige Aufgaben übernehmen

Wien – Die Vorgabe seiner Chefs war klar: Der Umbau des Bahnhofs Wien-Meidling müsse unter Aufrechterhaltung des Betriebs erfolgen. Daher ist ÖBB-Projektleiter Gert Grauwald "immer froh, wenn Leute sagen: In Meidling passiert ja nichts." Schließlich heiße das, dass die Baustelle funktioniert.

Gebaut wird sozusagen mehr oder weniger unter Ausschluss der Öffentlichkeit. Und das seit 2000. Rund 50 Millionen Euro investiert die ÖBB in den Umbau. Bahnsteige wurden erneuert, Zugänge erleichtert und Gleise neu verlegt und die Strecke mehr oder weniger kreuzungsfrei gemacht. Die Entflechtung bringe sicherere und schnellere Verkehrswege, erklärte Grauwald am Dienstag.

Wichtiger Knotenpunkt

Meidling ist, was kaum jemand weiß, mit 65.0000 Reisenden und 500 Zügen pro Tag einer der meist frequentierten Bahnhöfe Österreichs – und wichtiger Umsteigeknoten. Trifft dort doch die Südbahnstrecke auf Schnellbahn und U-Bahn. Ab 2009 gewinnt er dann vorübergehend sogar noch an Bedeutung, weil er während der Errichtung des Hauptbahnhofs für zwei Jahre Ausgangs- und Endhaltepunkt der Fernzüge der Südbahn sein wird. Bei der ÖBB wird geschätzt, dass dies rund 15 Prozent mehr Fahrgäste bedeutet. Die Passagiere werden dann auch ein völlig neues Bahnhofsgebäude vorfinden. Dessen Kernstück ist eine 1300 Quadratmeter große Halle, die das Umsteigen zwischen Zügen der ÖBB und der U-Bahn erleichtern soll.

Ende des Vorjahres hat der Aushub begonnen, der Rohbau soll 2008 fertig sein. Bauende ist mit Anfang 2009 angegeben. In der Halle wird Platz für Geschäfte, Lokale sowie das Reisecenter der ÖBB sein. Außerdem wird es einen Taxistandplatz und ein Park&Ride-system geben. Sowie "Kiss&Ride"-Plätze, wie Grauwald meint. Auf Deutsch: Autostandplätze für das schnelle Ein- und Aussteigen. Zuwächse bei der Fahrgastzahl erwartet sich die ÖBB auch später: Mit der Fertigstellung der neuen Westbahn und des neuen Lainzer Tunnels ab 2013 werden nämlich Züge, die aus dem Westen nach Wien kommen, über den Bahnhof Meidling geführt. Es sind dies jene, die zum neuen Hauptbahnhof Wien fahren.

Die Wiener FPÖ fürchtet sich jetzt schon vor der Zeit, wenn Meidling – während der Arbeiten am Hauptbahnhof – dessen Aufgaben übernimmt. Und warnt vor einem "Verkehrschaos biblischen Ausmaßes". (pm, DER STANDARD print, 21.3.2007)

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