Der Herzog und die Modewelt

20. März 2007, 20:53
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Von Brautschuhen mit Hundenamen und kontinentalen Modekollektionen

Ob dem ersten Duke of Wellington gefallen hätte, was sich am Montag und Dienstag zu seinen gemalten Füßen abgespielt hat? Schwer einzuschätzen. Einerseits war der adelige Herr seinerzeit nicht so gut auf die Franzosen zu sprechen. Demgemäß müsste er den Angriff auf eine urfranzösische Bastion, wie es die Abend- und Ballmode für Damen ist, ja eigentlich goutieren. Andererseits: Dass sich das erste Stockwerk der Residenz seiner Exzellenz John Malcolm Macgregor, dem königlich britischen Botschafter in Österreich, in ein Kleiderstangenlabyrinth samt schlussverkaufsartigen Wühlszenen verwandelt, hätte der Duke wohl nicht für very british gehalten.

Schuh namens Fifi

In den Sälen unter dem Bild des Napoleon-Bezwingers präsentierte sich nämlich die jüngere Modeszene von jenseits des Ärmelkanals. Und bot dem Besucher unter dem Titel "Cocktail-, Abend-, und Ballmode" ein breites Spektrum. Beispielsweise Brautschuhe mit Hundenamen (mit dem Label "Fifi" von Filippa Scott) oder glitzernde Paillettenkleider. Auch nach Selbsteinschätzung übrigens sehr "kontinental" die Kollektion von Michael Azu. Der schon in Vogue und Elle lobend erwähnte Thirtysomething (der im Vorjahr ein Angebot von Hugo Boss abgelehnt hat, um sein eigenes Label auszubauen) konzentriert sich eher auf klare Linien. Das Kapital fürs Modemachen hat sich Azu, der sich schon mit 13 an der Nähmaschine Männerkleidung schneiderte, nach dem Modestudium als IT-Fachkraft bei einer Investmentbank verdient. Und so vielfältiges Talent hätte Wellington ganz sicher beeindruckt. (moe, DER STANDARD print, 21.3.2007)

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