Weg mit Integration

Redaktion, 25. Jänner 2008, 15:20
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    foto: kramar

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    Philipp Sonderegger ist Sprecher der Menschenrechts-Initiative SOS Mitmensch

Wir brauchen keine Integration, der Begriff kann ersatzlos gestrichen werden - von Philipp Sonderegger

Was in den 70-iger und 80-iger Jahren ein wichtiges Konzept zur Herstellung von Chancengleichheit in Zuwanderungsgesellschaften darstellte, ist heute wertlos. Der Begriff Integration wurde in den letzten zehn Jahren komplett umgedeutet und unterscheidet sich in seiner extremsten Auslegung nicht mehr vom Begriff der Assimilation. Wenn heute Zentrums-PolitikerInnen von Integration sprechen, dann geht es ihnen meist darum, dass sich die "Ausländer anpassen" sollen. Der Integrations-Prozess, der vor ein paar Jahren angeblich noch ein "beidseitiger" war, wird heute weitgehend nur noch als Verpflichtung der ZuwandererInnen verstanden. "Es muss mehr über Pflichten und weniger über Rechte gesprochen werden", schärfte kürzlich eine Partei ihren Standpunkt.

"Sie" statt "wir"

Dieser Integrations-Begriff ruft nach Sondergesetzen für ZuwandererInnen, wo Gleichberechtigung und Chancen für alle gefragt wären: Er behauptet, dass "sie" gezwungen werden müssen, Deutsch zu lernen. Statt guter Ausbildungsmöglichkeiten für alle. Er stellt "ihren" Willen zu arbeiten in Frage. Statt aktiver Arbeitsmarkpolitik für ausreichende Jobangebote. Er hält es für nötig, dass "sie" dem Ehrenmord abschwören. Statt Maßnahmen gegen jedwede Gewalt von Männern gegen Frauen. Er will, dass "sie" sich in "unsere" Lebensweise einordnen. Statt einer offenen Gesellschaft mit Verwirklichungschancen individueller Lebensentwürfe.

Aus dem "Sie" ergibt sich ein "Wir", das in der Gegenüberstellung als kulturell einheitlich erscheint. Auch die inneren Interessenskonflikte des "Wirs" verschwimmen durch die Polarisierung mit dem "Sie": Wer am unteren Ende der sozialen Leiter steht, sollte eigentlich Interesse an einer Wohlfahrtspolitik haben, die Chancengleichheit für den sozialen Aufstieg herstellt. Dies kann wiederum jenen nicht recht sein, die dies eigentlich mit ihren bisher unter-besteuerten Vermögen finanzieren müssten. Doch in der Opposition zum "Sie" ist man sich einig. Das haben einige Debatten des letzten Jahres gezeigt: Die "Ausländer-Kinder" sind schuld an den schlechten Pisa-Ergebnissen, nicht der jahrelange Sparkurs im Schulbereich. Und auch die "ausländischen Langzeitarbeitslosen" sind schuld an der hohen Arbeitslosigkeit, nicht das Fehlen einer aktiven Arbeitsmarkt-Politik.

Unglaubwürdige Demokratie

Die Welt hat sich verändert. Wo das Konzept der StaatsbürgerInnenschaft vor hundert Jahren ein taugliches Modell war, Rechte und Pflichten der EinwohnerInnen eines Flächenstaates zu verankern, erweist es sich im globalisierten Heute als undemokratisch. Rund zehn Prozent der EinwohnerInnen Österreichs haben keine StaatsbürgerInnenschaft und sind deshalb von zentralen Rechten und Chancen ausgeschlossen. Eine solche Demokratie ist nicht glaubwürdig und beschädigt sich selbst. Gleiche Rechte für alle sind die Voraussetzung für ein demokratisches Gemeinwesen, das nicht an seinem zentralen Versprechen zerbrechen soll. Chancen, die allen ermöglichen, ihren persönlichen Lebensentwurf unabhängig von sozialer und geografischer Herkunft zu verwirklichen, sind ein Motor persönlicher und gesellschaftlicher Entfaltung. Wir brauchen nicht Integration, wir brauchen gleiche Rechte und Chancengleichheit für alle. Das jüngste Beispiel der zwei hier geborenen Jugendlichen, die wegen Formfehlern in ein ihnen unbekanntes Land abgeschoben werden sollen, zeigt das deutlich. (derStandard.at, 20.3.2007)

  • Burn out-Falle

    Ausgebrannt [34]

    Die totale Erschöpfung: Niemand kann auf Dauer alle Aufgaben immer noch besser, noch schneller und noch gewinnbringender erledigen, ohne dabei sich selbst und/oder andere auszubeuten

  • 8.11.2011
Kommentar posten
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haeferl
00
13.12.2008, 09:30
Ich habe nur eine Frage>>

Warum gab es bei der Integration der Menschen aus Ungarn(Revolution 1956) und der damaligen Tschechoslowakei(1968) solche Probleme nicht?
Man kann sich da schon seine Gedanken machen.
Ich glaube, die Jahresangaben stimmen, falls ich mich geirrt habe>bitte, nicht bös sein.

o glorioso pé de friedenreich
00

weil es keine partei nötig hatte auf ihrem rücken um wählerstimmen zu buhlen.

The Great Khali
21
das problem ist

das einige gruppen von zuwanderern probleme mit westlichen grundwerten wie liberalität und gleichberechtigung haben, und andere gruppen wiederum nicht wissen das handel mit illegalen substanzen in österreich verboten ist.

Das gruppen wie sos mitmensch ein Problem damit haben die realität zu akzeptieren ist ja allseits bekannt.



Sarei
12
18.5.2007, 11:34
Anpassung notwendig

Ich meine schon, daß, wenn jmd. in eineN ihm unbekannten Kulturkreis eintritt, er sich dann darüber informieren sollte. Vieles wird er annehmen wollen, vieles auch wiederum nicht, was legitim ist, solange es nicht die Gesetze und Gefühle seiner Mitmenschen widerspricht. Andererseits müssen auch die schon "Einheimischen" sich mit dem neu Hinzugekommenen arrangieren. Offen sein, für das bislang Fremde, neugierig und manches was er bringt, annehmen, anderes wieder kann abgelehnt werden, alles legitim. Das Schwierige dabei ist m. M. nach, d. es keinen starren Rahmen gibt. Verschiedene Kulturen die aufeinander trafen hat es immer schon gegeben. Das Miteinander Arrangieren ist bedeutend. Wo das nicht klappte, gab es schlimmstenfalls Krieg.

ZONAR
00
15.6.2007, 11:13
Ich habe jahrelang in einem arabischen Land gearbeitet

und dort dennoch nicht auf europäische Zeitungen und Schnitzel samt Bier verzichten wollen.

Ihre Vorstellungen sind absurd - Sie würden sich im Ausland selbst nicht dranhalten, wetten?

Maggi Junky
614
Die ganze Diskussion geht am Problem

vorbei!

Wir haben kein Integrationsproblem und kein Multikulti Problem was wir haben ist ein Islamproblem!

Íst euch schon aufgefalen, dass sich die ganze "Integrationsdiskussion um Moslems dreht" Mit allen anderen Einwanderer Gruppen (wer will MenschInen mit MigatInenhintergründInen)gibt es anscheinend keine Probleme.

Also sehen wir dem Islamproblem ins Auge und reagieren wir entsprechend!

hurtig und beherzt der ferne zu!
02
sie haben vielleicht eines, ich nicht!

nina yankow
11

1.: Es stimmt absolut nicht, dass Ausländer bei uns nur dann als Problem betrachtet werden, wenn sie muslimisch sind. Der Arbeitsmarkt ist eines der größten Themen in der Ausländer-Debatte. Und Schwarze haben bei uns egal welcher Religion massive Probleme.
2.: Viele Aspekte des Islams bringen Integrationsprobleme mit sich, aber auch für diese gilt: Wir betreiben keine Politik der Integration, sondern eine Politik der Ausgrenzung. Es geht in der öffentl. Auseinandersetzung mit dem Thema nicht um ein respektvolles Miteinander als Basis für die Diskussion von Werten, sondern es geht um verallgemeinerndes Anprangern von "deren" Werten. Echte Integration würde Probleme lösen können, so aber schaffen wir das nicht.

Wildhüter John
10
20.11.2007, 11:31
Werte..

Mit Verlaub - es darf keine Diskussion über Werte (wenns denn überhaupt welche sind) geben, die einer liberalen demokratischen säkularen Gesellschaft widersprechen. Insofern haben Sie Recht - "deren" Werte (also islamische) dürfen nicht diskutiert werden, weil es sie für uns nicht geben sollte. Wir sind uns ja auch darüber einig, nichts Gutes am Nationalsozialísmus zu finden geschweige denn darüber zu diskutieren.

Van der Stiege
01
na klar,

weil integration eben keine einbahnstrasse ist ;-)

Ava Tar
31
16.5.2007, 23:16
Jaja.

Wir haben ein Islamproblem. Soso. Ich dachte wir haben ein afrikanisches Drogenverkäuferproblem ?

Ich fürchte wir haben einfach nur ein politisches Kleingeldproblem. Aufgrund welcher Leistungen, Konzepte oder Talente sollten die Leute bittschön sonst einen Haider oder Strache wählen - wenn nicht wegen des "Kampfes um die reindeutschsprachigen Ortstaferl" und wegen der Hetze gegen Kopftuchträger ?

Und dann haben wir noch ein Dummproblem. Aber ein großes !

The Great Khali
12
und das grösste problem

sind realitätsverweigerer wie sie es sind.

peter56
 
32
20.4.2007, 14:15
Es ist und bleibt KEIN "Islamproblem"

weil die westeuropäischen islamischen Glaubensgemeinschaften sich klar zu den staatlichen Regeln und Gesetzen bekennen, es also KEINE wirklich religiöse Begründung für Nichtintegration oder Integrationsunwilligkeit geben KANN. Daß es Menschen unter Moslems gibt, die Ihren Glauben VORSCHIEBEN, um irgendwelche Gegenhaltungen und Verhalten zu versuchen zu berechtigen, darf nicht dahingehend ausgelegt werden, daß der ISLAM die Ursache ist.
Die Ursache liegt an der psychischen Befindlichkeit derer, die glauben etwas Besseres zu sein, die glauben, sich nicht integrieren zu müssen, aber NICHT am Islam an sich.
Es gibt eine überwältigende mehrheit von Moslems bei uns, die NICHT Ihrem Vorurteil entspricht.

peter56
 
31
Und wie sollen wir Ihrer Meinung nach

"entsprechend" reagieren ?

peter56
 
62
Falsch.

Den Islam gibts bei uns seit Jahrhunderten, und seit 1928 ist er vom Staat als Religionsbekenntnis anerkannt.
Diese Pauschalierung ist genauso blöd wie die gegen Türken, Araber, Juden, Tschetschenen usw usw....

krenreiber
04
13.4.2007, 12:24

seit 1912, allerdings nur die Hanafiten

Van der Stiege
44
sie haben vollkommen recht...

... und gratuliere, daß ihr posting durchging (viele andere mit ähnlichem inhalt sind leider an derstandard.at zensurbehörte gescheitert ;-))

Wildhüter John
01
20.11.2007, 11:34
Zensur

DerStandard hat da so seine eigene Vorstellung, was Meinungsäußerung bzw. Meinungsfreiheit heisst.

peter56
 
32
20.4.2007, 14:16
Recht hat Maggi nicht.

Aber es ist Ihr Problem das zu erkennen.

chelene chirsch
15

@peter56 (posting nicht erschienen):

es gibt keine dummen fragen, nur dumme antworten. generell.

im fall ihrer theorie muss ich enttäuschen: von vornherein alles zu haben motiviert zu _gar nichts_. schaun sie sich ruhig die sozialämter an, wo ohne zwang für jede amtshandlung der dolmetscher geholt werden darf.

ich glaube, sie verstehen grundsätze nicht ganz. anders wäre es nicht zu erklären, das sie meinen, aus menschenliebe und dem zugehörigkeitsgefühl entstünde was. fahren sie mal in die krisenherde wie berlin/tempelhof, dort haben alle staatsbürgerschaft und anrecht auf sozialhilfe - da hört die solidarität aber auch auf. in der banlieue ists übrigens nicht anders.

das "NEIN" resultiert aus diesem prozess.

peter56
 
31
Auch nicht veröffentlicht, aber von Ihnen geschrieben :

"wieso müssen die selbsterklärten "guten" eigentlich immer solche nach innen gekehrte, verkappte rassisten sein ? erklärens mal, womit ihre landsleute verdient haben, von ihnen so vernadert zu werden ?"

Da Sie das an mich gerichtet haben, nehme ich an, daß Sie mich meinten.
a.) weder habe ich mich selbst zu einem "Guten" erklärt, noch bin ich auch nur im Ansatz Rassist.
b.) wenn Sie das Zurückweisen klar geäußerter Fremdenfeindlichkeit als VERNADERN bezeichnen, sich dabei noch als Stellvertreter aller Ihrer Landsleute sehen (welch grenzenlose Überheblichkeit), können Sie einem ob Ihrer Geschädigtheit nur mehr leid tun.
ICH pauschaliere - im gegensatz zu Ihnen - NICHT.
Aber Sie wollen das so sehen,
Ihr Problem.

peter56
 
21
Zu IHREN nicht veröffentlichten Postings :

"ICH sage, das der persilschein für alle mindestens genauso falsch ist"
WO gibts einen "PERSILSCHEIN", wennman Menschen nur GLEICHBEHANDELT, und nicht mehr ?
Die Bedingungen der Einbürgerung und eines Lebens bei uns müssen diese Menschen sowieso aus eigenen Stücken erfüllen... das wird durch Gleichberechtigung MÖGLICH, ist aber trotzdem mühevoll, sollten Sie schon jemals wo anders versucht haben, neu anzufangen...

peter56
 
21

"was kapieren sie daran nicht, das es keinen grund gibt, hierzulande mehr freiheiten und entgegenkommen zu haben als in der heimat"
Na, wie gehts Ihnen denn so ? Sie meinen, wir sollten z.B. für Moslems aus Staaten, in denen die Sharia gilt, diese bei uns gegen die Zuwanderer anwenden ?
Die aus Diktaturen kommen, diktatorisch behandeln ?
UNSERE Gesetze sind also Ihrer Meinung nach nur für UNS da, die Fremden sollen sich zwar danach richten müssen, aber nach den Gesetzen der Heimat behandelt werden ?
Also was jetzt ???
Hallo ! Aufwachen !!!

chelene chirsch
13

wer sagt, das jeder einwanderer aus einer diktatur kommt ? welche länder haben die schariah und zwingen zur auswanderung ?

natürlich - wenn ich als einwanderer an sie verwiesen würde, hätte ich tausend gründe vorzuweisen. von militärregime über schariah hin zu religiöser verfolgung und flutkatastrophen. und den pass hätte ich auch verloren.
logisch - aber wie wollen sie es nachprüfen ?

peter56
 
22
"wer sagt..." niemand. Daher eine unnötige Frage.

War ja nur ein Beispiel.Tatsache ist hingegen,daß ALLE,die zu uns flüchten,aus weit SCHLECHTEREN Verhältnissen kommen,als wir je erleiden mußten.
Zum immer wieder beliebten polemischen Beispiel "Paß wegwerfen":Was müßte IHNEN eigentlich schreckliches passieren,daß sie lieber Ihre Identität aufgeben,mit nichts in ein Land flüchteten,von dem sie weder Sprache noch sonst was genaues wüßten?
SIE können in diese Situation sicher NIE kommen, aber diesen Mneschen,die wirklich NICHTS hatten(was Sie sich nicht mal vorstellen können)neiden Sie den Versuch,bei uns oder sonst wo in der westlichen Welt eine Chance zu ergattern?
Wie schaut den dessen Zukunftsaussicht aus? Sie würden verzweifeln mit dessen....
Erbärmlich, Ihre Empathielosigkeit...

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