Neue Geldquelle für Fluglinien

11. April 2007, 13:50
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Mit Gebühren für Reisegepäck wittern Fluglinien eine lukrative Einnahmequelle. Auch bei der AUA denkt man darüber nach

Wien/Berlin/London – 30 Millionen Gepäckstücke von Fluggästen gehen jedes Jahr im globalen Luftverkehr verloren. Das verursacht der Airline-Industrie Kosten von rund 2,5 Mrd. US-Dollar. Nicht verwunderlich, dass Fluglinien nach Alternativen zur Einsparung suchen. Denn die Gepäcktransportlogistik ist aufwändig. So richtig teuer wird sie, wenn außergewöhnliche Ereignisse die Gepäcksbeförderung massiv behindern.

Etwa der dichte Nebel im Großraum London vergangenen Dezember, welcher British Airways zwang, 800 Flüge zu annullieren. Die Folge: 10.000 Stück Koffer und Taschen strandeten. Tausend Flüge musste United Airlines wegen eines Schneesturmes in Denver streichen. Massen an liegen gebliebenen Reisegepäck wurden auf Kosten der Airline deren Eigentümern nachgeliefert, um zusätzliche Kosten von 30 Mio. US-Dollar.

Ryanair führte "Baggage Fee" ein

Seit verschärfte Sicherheitsregeln im Flugverkehr gelten, geben immer mehr Fluggäste ihr Gepäck auf. Allein United verzeichnet zehn Prozent mehr Reisegepäck in ihren Flugzeugbäuchen. Kein Zweifel, die Airlines haben inzwischen Lunte gerochen, welch enorme Geldquelle sich bei der gesonderten Vergebührung der Gepäcksbeförderung auftut. Etwa wenn man wie die irische Billigfluglinie Ryanair eine so genannte "Baggage Fee" einführt.

Aer Lingus verrechnet bereits acht Euro für einen bis zu 20 Kilo schweren Koffer auf Europa-Strecken. Für jedes weitere Kilo müssen acht Euro zusätzlich berappt werden. Air Canada und British Airways kassieren bereits ebenfalls, auch um, wie sie betonen, den Wildwuchs an Übergepäck zu dämmen und die Verletzungen der Ladearbeiter wegen der gestiegenen Kofferfracht zu reduzieren.

AUA denkt "intern darüber nach"

United und American, Letztere befördert rund 350.000 Gepäckstücke täglich, prüfen derartige Alternativen. Auch die AUA. "Intern denken wir darüber nach und diskutieren das offen aus. Eine derartige Lösung kann aber nur so sein, dass wir uns den Marktgegebenheiten anpassen", erläutert AUA-Chef Alfred Ötsch dem STANDARD.

Dem kann Thierry Antinori, Marketing- und Vertriebsvorstand der Lufthansa, überhaupt nichts abgewinnen. "Dieses Thema Baggage Fee erinnert mich an den Trend vor drei Jahren, dass Mahlzeiten an Bord nur gegen Bezahlung erhältlich sind. Nun kommt das Gratisessens wieder zurück." Gepäcksgebühr sei daher kein Thema für eine Qualitätsairline wie Lufthansa. (Kurt Hofmann, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 21.3.2007)

  • Vom Kostenfaktor zum Ertragsfaktor: Still und leise beginnen zahlreiche Airlines eine gesonderte Gebühr für Gepäck einzuführen. Auch die AUA denkt nach, sagt AUA-Chef Ötsch.
    foto: standard/hendrich

    Vom Kostenfaktor zum Ertragsfaktor: Still und leise beginnen zahlreiche Airlines eine gesonderte Gebühr für Gepäck einzuführen. Auch die AUA denkt nach, sagt AUA-Chef Ötsch.

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