Mitarbeiterbeteiligung: AK skeptisch zu Plänen von SPÖ und ÖVP

20. März 2007, 16:26
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Leitsmüller: Lohnabschlüsse dürfen nicht gedrückt werden

Wien - Skeptisch zu den Plänen von Bundeskanzler Alfred Gusenbauer (SP) und Vizekanzler Wilhelm Molterer (VP) in Sachen Gewinnbeteiligung der Mitarbeiter zeigt sich die Arbeiterkammer. AK-Experte Heinz Leitsmüller meinte, eine Gewinnbeteiligung dürfe nicht dazu führen, dass die Unternehmer damit Druck auf schlechtere Lohnabschlüsse ausübten und der Schuss nach hinten losgehe. Außerdem wendet sich Leitsmüller dagegen, dass Pensionssystem und Mitarbeiterbeteiligung verknüpft werden. Vielmehr gelte es, für die immer mehr werdenden atypisch Beschäftigten etwas zu tun, "genau diese Mitarbeiter würden durch eine Gewinnbeteiligung überhaupt nichts profitieren".

Es müsse vielmehr darum gehen, dass bei den Lohnverhandlungen "wirklich die Produktivität abgegolten wird". Um die Schere zwischen den steigenden Gewinnen der Unternehmen und den sinkenden Lohnquoten für die Beschäftigten schließen zu können, "müssen faire Lohnverhandlungen in Zukunft die Basis sein", so Leitsmüller. Bei Gewinnbeteiligungsmodellen sei "die Frage der Höhe des Gewinns eine sowieso ganz schwierige. Bei Tochterunternehmungen in einem Konzern ist der Gewinn eine vollkommen beeinflussbare Größe, das ist auch ein grundsätzliches Problem der Bilanzierung".

"Früchte des Wachstums"

Zuletzt hatten auch konservative Politiker zu einem fairen Teilen und einem gerechten Anteil der Arbeitnehmer am Gewinn aufgerufen. "Die Früchte des Wachstums müssen gerecht verteilt werden", forderte beispielsweise der luxemburgische Premierminister Jean-Claude Juncker nach Beratungen der EU-Finanzminister in Brüssel. Die EU will angesichts der gut laufenden Konjunktur die Arbeitnehmer stärker an ihren Unternehmen und den Gewinnen teilhaben lassen.

Bundeskanzler Alfred Gusenbauer (SP) hatte zuletzt erklärt, er wolle die von Vizekanzler Wilhelm Molterer (VP) vorgeschlagene Beteiligung der Mitarbeiter am Betriebserfolg als Grundlage für eine Firmenpension der Arbeitnehmer verwenden. "Das hieße, dass Gewinnbeteiligungen der Mitarbeiter nicht sofort ausbezahlt, sondern in einer Pensionskasse bewirtschaftet werden. Das wäre ganz wichtig für die Stabilisierung des Pensionssystems".

Kapital steigt, Lohnquoten sinken

Wirtschaftsminister Martin Bartenstein hatte "faire Löhne" verlangt. Es könne nicht sein, dass das Kapital ständig steigt, während die Lohnquoten sinken. Da müsse man gegensteuern. Und Wirtschaftskammerpräsident Christoph Leitl forderte "neue Formen der Kollektivvertragsvereinbarungen". Zwar respektiere er die Kollektivvertragsautonomie der Sozialpartner. Man müsse aber "von den traditionellen Ritualen der Kompromissfindung zu innovativeren Lösungen" gelangen. Konkret schlug Leitl Gewinnbeteiligungen vor. Diese Form der Zusatzentlohnung könnte dann vom Staat durch erhöhe Steuerfreibeträge und Prämien bei Veranlagung in Altersvorsorge zusätzlich unterstützt werden, so Leitl.

Konkrete Zahlen, wie viele Gewinnbeteiligungsmodelle es in Österreich gibt, existieren keine. In der Praxis gibt es in Unternehmen manchmal oder öfter Prämien als eine Art Gewinnbeteiligung der Mitarbeiter. Diese unterscheiden sich jedenfalls von einer Mitarbeiterbeteiligung, die eigentlich Mitarbeiterkapitalbeteiligung heißen müsste. Hier gibt es von den rund 3,2 Millionen unselbstständig Beschäftigten in Österreich sechs Prozent, also 160.000 Personen, die eine derartige Lösung haben. (APA)

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