Landstraßer Markthalle: "Wir wehren uns!"

6. September 2007, 15:21
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Komitee "Rettet die Markthalle" macht sich gegen die von der Stadt Wien geplante Schließung stark

Wien - "Die Landstraßer Markthalle ist nicht die schönste, im Grunde genommen ist sie sogar grindig, aber sie hat eines: sie lebt." Für den langjährigen Kunden Franz Georg Zinggl besteht ihre große Stärke vor allem in der Vielfalt des Angebots. Damit diese auch erhalten bleibt, hat sich nun das Komitee "Rettet die Markthalle" gebildet, mit dem man der von der Stadt Wien angekündigten Schließung entgegentreten will. 5.000 Unterschriften hat das Komitee bereits gesammelt.

Marktgebiet soll erhalten bleiben

"Wir wollen das Marktgebiet unter der Leitung des Marktamtes (MA 59) behalten", fordert die Marktfrau Monika Saoudi bei einer Presskonferenz des Komitees. Nur so gebe es auch künftig "Marktmieten und den Branchenmix eines Marktes". Wenn der Markt zu diesen Bedingungen in eine neue Halle bzw. in das von der Stadt Wien geplante Großbauprojekt Wien-Mitte integriert werden könne, würde man dies akzeptieren. Nicht in Frage komme die Eingliederung in ein Einkaufszentrum: "Das wäre für die Kleinbetriebe zu teuer zum Überleben", so Saoudi.

Für Verärgerung bei Standlern sorgen "Unwahrheiten, die seitens der Stadt Wien gezielt und wider besseres Wissen" verbreitet werden. So sind die von der Stadtregierung für eine Sanierung der Markthalle veranschlagten 20 bis 25 Millionen Euro für Zinggl nur "hingeworfene Zahlen". Ein konsultierter Architekt habe die Kosten auf vier bis sechs Millionen Euro geschätzt.

Hinhaltestrategie

Die Stadt Wien habe bewusst und seit längerem auf eine Hinhaltestrategie gesetzt, kritisieren die Sprecher des Komitees, das 37 der 55 betroffenen Standbesitzer vertritt. "Die Gemeinde hat sich 15 Jahre gedrückt, Geld zu investieren. Die Halle war schon vor sieben Jahren sanierungsbedürftig", so Zinggl. Mit dem Argument, dass in den nächsten Jahren ohnehin ein Umbau anstehe, seien notwendige Maßnahmen aufgeschoben worden. Seit 2005 gibt es laut Saoudi ein Investitions- und ein Veräußerungsverbot für die Standler. Anfang Februar habe nun ein Rundschreiben kurzerhand und ohne Vorwarnung das Aus angekündigt. Bei den derzeit angebotenen Ersatzstandplätzen handle es sich um "Angebote für Märkte, die sich nicht rentieren".

"Die Landstraßer Markthalle war und ist hingegen ein florierender Markt", steht für Saoudi fest. Es gebe sehr viele Kunden, die über die Schließung unglücklich seien. Zu den geplanten Aktivitäten des Komitees zählt auch eine Kundenzählung. Bis 31. Jänner 2008 bleibe die Halle aber auf jeden Fall geöffnet. Und was die Schließung betrifft, heißt es für das Komitee: "Wir wehren uns!" (kg)

  • Franz Georg Zinggl, Monika Saoudi und Peter Weginger vom Komitee "Rettet die Markthalle".
    foto: derstandard.at

    Franz Georg Zinggl, Monika Saoudi und Peter Weginger vom Komitee "Rettet die Markthalle".

  • Auf einen guten Ausgang hoffen die Gegner der Schließung der Landstraßer Markthalle.
    foto: derstandard.at/gedlicka

    Auf einen guten Ausgang hoffen die Gegner der Schließung der Landstraßer Markthalle.

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