Neue Zores für Westi

20. März 2007, 18:58
456 Postings

BZÖ-Chef Westenthaler soll wegen falscher Zeugenaussage in der "Prügelaffäre" belangt werden - Bedingte Haft für Leibwächter

Westenthalers Bodyguard "Sigi" wurde zu vier Monaten Haft plus Schmerzensgeld verurteilt, weil er den Ex-Sprecher von Justizministerin Gastinger verprügelt habe.

*****
Wien - Frau W. hat von ihrer Wohnung, schräg vis-à-vis des "Stadl", alles beobachtet: Ein "Herr in Hemd und Krawatte" sei da in der Wahlnacht vom ersten auf den zweiten Oktober 2006 vor dem Lokal regelrecht "ausgeflippt". "Der war ein bisschen verrückt. Der hat sich gebärdet, das war ein Wahnsinn", berichtete Frau W. am Dienstag der Richterin im Grauen Haus.

Der Krawattenträger habe geschrien: "Pöch, Sie Arschloch! Bringt's ma aus die Augen den Verräter. Sie sind entlassen!" Zwei Frauen hätten gekreischt "Peter, jetzt gib a Ruah." Heute weiß Frau W., wer besagter Peter war. Peter Westenthaler, seines Zeichens BZÖ-Obmann. Und mit "Pöch" war wohl Christoph Pöchinger, damals Sprecher der eben aus dem BZÖ ausgetretenen Justizministerin Karin Gastinger gemeint.

Pöchinger erstattete daraufhin Anzeige gegen Westenthaler und dessen Bodyguard Siegfried Kobal. Der Vorwurf: Er sei von Kobal auf Geheiß Westenthalers aus dem Lokal geschleift und verprügelt worden. Das Gericht schenkte Pöchingers Angaben Glauben und verurteilte Leibwächter "Sigi" am Dienstag zu vier Monaten bedingter Haft plus Schmerzensgeld in Höhe von 300 Euro. Das Urteil ist nicht rechtskräftig. Die Anzeige gegen Westenthaler wurde von der Staatsanwaltschaft zurückgelegt - doch jetzt droht im neues Ungemach.

Für Staatsanwalt Karl Schober stand nach der Befragung Westenthalers fest, dass dieser im Zeugenstand die Unwahrheit gesagt hat. Etwa, als er angab, "keinerlei Kontakt zu einem Uniformierten" gehabt zu haben. Womit er im Widerspruch zu zwei Beamten und sogar zum Beschuldigten, Bodyguard "Sigi" stand. Auch, dass Westenthaler von einem Tumult nichts mitbekommen haben will, scheint dem Staatsanwalt so unglaublich, dass ein Auslieferungsantrag an den Immunitätsausschuss des Parlamentes folgen soll.

Und dem soll laut Ausschussmitglied Dieter Brosz von den Grünen auch stattgegeben werden. Denn der Vorfall im Stadl stünde "in keinem Zusammenhang mit der politischen Tätigkeit" Westenthalers. Bei Falschaussage im Zeugenstand drohen bis zu drei Jahre Haft, in der Praxis folgt meist eine Geldstrafe. Das droht auch BZÖ-Sprecher Lukas Brucker. Er gab sich bei seiner Einvernahme ganz als treuer Diener Westenthalers.

Bei der Spontan-Pressekonferenz nach seiner Anhörung gab Westenthaler etwas von seinem Rechtsstaats-Verständnis preis: Er war sich sicher, "es wird nicht gelingen, dem Peter Westenthaler etwas anzuhängen". "Ich weiß nicht, was da wieder konstruiert wird." Frau W. scheint es heute jedenfalls zu bereuen, an jenem Abend die Polizei gerufen zu haben: "Der Herr im Hemd hat gesagt, ich darf nichts sagen, weil sonst wird er uns verklagen." (Karin Moser/DER STANDARD,Printausgabe, 21.3.2007)

Share if you care.