Von Hauswirtschaft zum Flugzeugwerk

30. Juli 2007, 13:30
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Elektronikerin Sabine Lagler wagte sich bei der AUA in eine Männerdomäne

Der Traum vom Fliegen ist zwar so alt wie die Menschheit selbst - doch auf die Idee, selbst Hand anzulegen kommen die wenigsten, vor allem als Mädchen. Fernab von Rollenbildern hat sich Sabine Lagler (22) jedoch zu einer Lehre als Flugzeugtechnikerin bei der AUA in Schwechat entschieden. Von 700 Bewerbern ging prompt einer der 40 Plätze an sie.

Nach dreijähriger Lehrphase hat sie nun den ersten Teil des achtjährigen Ausbildungsprogramms absolviert. Zur Zeit arbeitet Sabine im Bereich "Power Drive Units", wo sie die Elektronik betreut, mit der Frachtcontainer im Flugzeugbauch elektronisch bewegt werden können.

Sabines Bildungsweg hat nicht von Anfang an Richtung AUA Kurs genommen. Nach Volks-, Haupt- und zwei Jahren Hauswirtschaftsschule war die Kremserin ein Jahr arbeitslos. In dieser Zeit hat sie knapp 200 Bewerbungen für klassische Frauenberufe abgeschickt. "Ich wusste nicht, dass ich so etwas Technisches machen kann. Denn als Mädchen wird man immer hinter den Herd gestellt, und das war's." Über einen AMS-Kurs kam sie dann zur AUA. "Beim ersten Schnupperkurs habe ich gleich gemerkt: Das ist es, was ich machen will", sagt sie mit strahlendem Gesicht.

"Es ist äußerst schwierig, Mädchen für einen mechanischen oder elektrotechnischen Lehrberuf zu gewinnen", beklagt AUA-Ausbildungsleiter Helmut Schroll, "die Mädchen trauen sich das oft nicht zu, und es ist nicht leicht, in einer Männerdomäne Fuß zu fassen".

Genau das ist es, was Sabine an ihrem Job am besten gefällt: in eine Männerdomäne hineinzukommen. "Denn jetzt kriege ich erst mit, wie Männer denken".

Sabines Ausbildung erweist sich auch im Alltag als praktisch: "Früher konnte ich einen kaputten Radio nur schütteln und mich fragen: 'Warum funktionierst du nicht?'. Jetzt schraube ich ihn auf und weiß, was zu tun ist." Auch ihre Beziehung zu Flugzeugen hat sich geändert. "Wenn ich früher welche am Himmel sah, waren sie mir ziemlich egal. Aber jetzt denke ich mir: 'Ha, ich weiß, wie du innen aussiehst und funktionierst!'" (Tanja Traxler, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 20.03.2007)

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