Die Angst, dass einem die Luft ausgeht

Redaktion, 20. März 2007, 18:17
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    foto: dor film

    Befreiungsversuche aus einem Dilemma: Jakob Matschenz und Claudia Michelsen in Sabine Derflingers jüngstem Spielfilm "42plus"

"42plus" erzählt über mittelständische "Luxusprobleme" sowie eine handfeste Midlife-Crisis - Regisseurin Sabine Derflinger im STANDARD-Gespräch

STANDARD: Eine Frau Mitte 40 sucht sich einen Liebhaber: Ihr neuer Film nimmt sich eines Sujets an, das zumindest im deutschen Sprachraum meist kitschigen TV-Schnulzen vorbehalten ist. Wie schwierig war es, sich von solchen Formaten abzugrenzen?

Derflinger: Das war die Herausforderung, die mich gereizt hat: Ob es gelingt, eine Geschichte zu schreiben, wo nichts Großes, kein gravierendes Ereignis passiert – ein modernes Drama, wo die Heldinnen und Helden in einem unauflösbaren Dilemma leben.

STANDARD: "42plus" – schon im Titel fokussieren Sie sehr stark auf einen Aspekt des Alterns, den Ihre Protagonistin, eine Medienmanagerin, als einigermaßen belastend empfindet.

Derflinger: Das, was negativ besetzt oft Midlife-Crisis genannt wird, ist wohl als Lebensphase ebenso signifikant wie die Pubertät. Man kann diese Phase als Krise, die man gut oder weniger gut übersteht, definieren. Aber dass man sich in der Mitte des Lebens irgendwann fragt, wo ist man hingegangen, wo ist man angekommen, wo will man weiter hingehen, welche Ideale muss man noch aufgeben, das ist einfach Teil des Lebens und ganz normal.

STANDARD: Wie ist Ihr dänischer Co-Autor Mogens Rukov, zuletzt etwa beteiligt an Thomas Vinterbergs "Das Fest", an Bord des Projekts gekommen?

Derflinger: Er hat meinen Film Vollgas (2001) gesehen, und ich hatte zu der Zeit bereits die Idee, das zu machen. Er war begeistert und hat darauf beharrt, dass diese mittelständische Geschichte in einem Urlaub in einem Haus am Meer spielt, in einer mythischen Kinorealität, die quasi größer ist als der Alltag. Trotzdem wurde es schwierig, Förderungsstellen und Produzenten zu überzeugen: Man konnte sich nicht vorstellen, dass es interessant sein kann, einen Film in einem bürgerlichen Milieu zu machen und über zwischenmenschliche "Luxusprobleme" zu erzählen, aber gerade das reizte mich. Ich habe mich – siehe Vollgas – bisher ja viel beschäftigt mit sozialen Randbereichen, wo meist materielle Probleme im Mittelpunkt stehen.

STANDARD: Wie erklären Sie sich, dass der heimische Mittelstand, anders als etwa in Frankreich – siehe Chabrol oder Eric Rohmer – kaum Mut zu Erzählungen über die eigenen intimen Ängste findet?

Derflinger: In Österreich war das wohl auch eine geschichtliche Konsequenz nach dem 2. Weltkrieg, wo man sich sagte: Nur im proletarischen Milieu und oft auch nur auf dokumentarischem Wege könne man zeigen, wie die Wirklichkeit ausschaut in einem Land, das mit Lügen vollgepflastert wird. Außerdem sind in Österreich die städtischen Ballungsräume kleiner und damit auch die einschlägigen urbanen Milieus.

STANDARD: Ihre bisherigen Filme lebten stark davon, dass gleichsam Unbekannte agierten, Menschen und Spielweisen, an die man sich beim Betrachten erst gewöhnen muss. Hier haben Sie auf Stars wie Claudia Michelsen, Petra Morzé, Ulrich Tukur, Tobias Moretti setzen können: Ist es harte Arbeit, denen eine neue Unmittelbarkeit abzuverlangen?

Derflinger: Überhaupt nicht, ich habe diese Schauspieler ja nicht ausgesucht, weil sie berühmt sind. Was sie sonst alles gespielt haben und woher ich sie sonst kenne, das ist beim Drehen gar nicht da. Die spezielle Konstellation mit "Stars", sie war bestenfalls hilfreich, weil ich mich auch formal weiterentwickeln will – und das hieß in diesem Fall: Von Figuren und von Stoffen erzählen, die grundlegende menschliche Problematiken ausloten, aber in Überlebensgröße.

STANDARD: Im Rahmen der Diagonale wird es auch heuer sicher wieder Diskussionen geben über die aktuelle Auftragslage der Filmemacher. In Österreich Filme zu machen – was heißt das derzeit?

Derflinger: Das kann man allgemein nicht sagen, weil das sehr unterschiedlich an Personen festgebunden ist. Prinzipiell gibt es natürlich nur wenige Regisseure und vor allem Regisseurinnen, die einen Film nach dem anderen machen kontinuierlich arbeiten und davon auch leben können. Verkürzt gesagt: Entweder man ist reich, oder man macht Werbung, oder man ist im obersten Segment, wo ein Film den nächsten ergibt – sonst wird es immer schwieriger, überhaupt durchzukommen. Regisseure wie Michael Haneke oder Seidl haben lange Fernsehfilme gemacht. Das ist in der gegenwärtigen Auftragslage etwa beim ORF derzeit kaum möglich.

STANDARD: Sie waren bis dato ja auch wenig ORF-kompatibel.

Derflinger: Ich habe inzwischen einen Fernsehfilm in Deutschland gemacht, der in München das Filmfestival gewonnen hat. Aufträge hat das keine nach sich gezogen. Die größte Klippe ist aber wohl, dass die Realisierung einzelner Projekte oft lange dauert, weil sich die verschiedenen Filminstitutionen quer stellen. Manchmal hat man das Gefühl, diverse Jurys glauben, sie bestellen sich lediglich ein Ansichtsvideo fürs Abendessen. Sie erkennen nicht, dass es nicht ausschließlich um ihren persönlichen Geschmack gehen sollte, sondern darum, dass ein Projekt irgendwann ein gewisses Gewicht hat. So hängen irgendwann viele Projekte zwischen den Seilen, wenn man selbst mithängt, wird das Überleben schwierig, ganz pragmatisch finanziell. Dann Atem und Selbstvertrauen zu haben, dass man noch ein halbes Jahr durchhält . . .

20.3., UCI Annenhof 7, 22.00; 25.3., kiz, 19.30

(Claus Philipp / DER STANDARD, Printausgabe, 20.03.2007)

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Kommentar posten
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Heidrun Starck
00
25.3.2007, 18:25
Luxusprobleme

Sagt schon, was dahintersteht: parteipolitische Machtpolitik. Nur solche Kunst, die die Parteilinie der vergebenden Gremien stützt, wird als förderungswert eingestuft. Ziemlich banal, wenn es noch dazu so offen darliegt. Sehr fragwürdig, das Ganze.

Alex84
00
20.3.2007, 17:33

Sie haben diesen Film also gesehen?

an kog
01
20.3.2007, 18:36

Ist diese Frage an die Sabine Derflinger oder an den Claus Philipp gerichtet?

Eure Heiligkeit
69
20.3.2007, 10:59

Absoluter Emanzenlangweiler! Und der Inhalt erinnert mich stark an Sex and the City!
Also was is daran bitte soo super?

42 - jährige vögelt mit einem jungen Typen - so what?
Würde man das umgekehrte Bild zeichnen hätte man sofort die Zitrone picken!
Fraun sind anders!

i sog da ans
00
20.3.2007, 15:30

umgekehrt kommt es in jedem 3. film vor. was regen sie sich so auf?

Eure Heiligkeit
10
20.3.2007, 20:05

Na du ich bin ganz ruhig!

Zitrone is die Auszeichnung für "frauenfeindliche" Aussagen und Handlungen in der Emanzenrubrik namens "diestandard"

Settembrini
00
20.3.2007, 17:34
Hat er sich aufgeregt?

i sog da ans
23
20.3.2007, 18:31

ja. "Würde man das umgekehrte Bild zeichnen hätte man sofort die Zitrone picken!"

das klingt sehr aufgeregt und übertrieben

Die Stimme des Marktes
01
20.3.2007, 15:51
Weil es...

...wie Sie schon sagen, in 2 von 3 Filmen NICHT vorkommt - wenn DAS kein Grund für Aufregung ist... ;-)

reine
05
20.3.2007, 09:35
Ins schwarze getroffen

Zitat:"Manchmal hat man das Gefühl, diverse Jurys glauben, sie bestellen sich lediglich ein Ansichtsvideo fürs Abendessen. Sie erkennen nicht, dass es nicht ausschließlich um ihren persönlichen Geschmack gehen sollte"
Daneben darf man nicht vergessen dass auch die Freunde bedient werden müssen. Keine Trittsicherheit keine Fachkompetenz in den seltensten Fällen eine fachspezifische Praxis und wenn dann nicht im Inland.
Die erfolgreichsten Projekte der letzten Jahre wurden zunächst mal abgelehnt. Hat ein Film dann erfolg ist das eher ein Angriffspunkt. In der Erfolgsmessung werden ununterbochen neue Termini erfunden um zu verzerren, erst Umwegrentabilität dann Public awareness,..

firlefranz
53
20.3.2007, 08:31
Die Thematik dieses Filmes ist sicher gut gewählt.

Der Haken an der Sache ist aber, dass es so gut wie nie vorkommt, dass sich ein 20jähriger in eine Mittvierzigerin verliebt. Denn sie ist diebezüglich normalerweise außerhalb seines Wahrnehmungsbereiches. Da werden unerfüllbare Hoffnungen geweckt, meine Damen.

Jim Kirk
13
20.3.2007, 10:07

Blödsinn, ich würd eher sagen dass ist Standard in fast jeder jung-mann Fantasie.
Umgekehrt kommts leider nicht so oft vor, aber ich kenne einige mittvierzigerinnen die 10-15 jahre jüngere lover haben.

firlefranz
32
20.3.2007, 13:36
10 Jahre jünger glaube ich Ihnen.

Aber 20 Jahre jüngere Männer sind nicht gewillt mit Frauen ins Bett zu steigen, deren Alter sie an ihre Mutter erinnert. Es sei denn, sie haben einen ganz massiven Ödipuskomplex.

i sog da ans
00
20.3.2007, 15:32

woher wissen sie das? können sie für alle jungen männer sprechen? selbstüberschätzung, anmaßung oder ignoranz? ihre waschküchenpsychologie interessiert auch keinen

an kog
12
20.3.2007, 13:48

Den Ödipuskomplex gibt es gar nicht.
Genausowenig wie den Penisneid.

firlefranz
21
20.3.2007, 13:55
Geeeh!

Und ob!!!! Beides ist Realität. Fragen Sie Ihren Psychiater.

an kog
13
20.3.2007, 14:23

Nachdem ich, wie Sie an meinem Posting nur unschwer erkennen können, einzig eine klassische Psychoanalyse an mich heranlassen würde, könnte ich lange darauf warten bis der Therapeut sich herablässt und auch mal etwas sagt...

lilian
14
20.3.2007, 08:47
"..da werden unerfüllbare hoffnungen geweckt"

nun, ich würde mal sagen - es kommt auch sehr selten vor, dass sich eine frau mit 40 plus ein buberl mit 20 wünscht.
vielleicht werden da auch umgekehrt hoffnungen geweckt, die sich nicht erfüllen ;-)

aischylos
12
20.3.2007, 11:57
hoffnung

der altersunterschied ist sicher ein unnötiges beiwerk - aber dass sich 40(plus)jährige (m+f) frisch verlieben können - und sich sogar richtig danach SEHNEN! - steht fest. und so weit ich das kenn sucht mann/frau sich tatsächlich liebhaber in der eigenen altersgruppe +/- 10 jahre. unter uns: mir als mann40+ fiele ein 20jähriges mädel als lover nicht ein. da sind frauen zwischen 30 und 45 weitaus attraktiver! ich mag keine unsicheren oder präpotenten girlies wenn's um erotik und lust geht

und wenn das jetzt als hoffnungsschimmer für ladies 40+ verstanden wird: gerne! ;-D

schluss mit dem jugendwahn! auch "wirklich erwachsene" sind sexy und haben spass am sex!

ayy

PauckerOma
03
20.3.2007, 11:03

also ich würd euch schon nehmen!!!

umverteiler
00
20.3.2007, 12:06

ui ist das nun ein angebot ?

hmm wie könnte man da .. LOL

Horvath(V)
00
20.3.2007, 08:51
:-)

sie haben recht.

aischylos
15
20.3.2007, 07:41
urbane luxusprobleme?

ich hab den film nicht gesehen u lebe auch nicht in der stadt, aber eins kann ich sagen: die midlifecrisis ist weder ein rein urbanes problem noch luxus. lügen finden auf dem land genauso oder vielleicht noch viel mehr "stadt". weil die sozialen netze viel dichter und das sich lösen wollen viel folgenschwerer ist als in anonymen ballungsgebieten.
meine thesen:
- auch landbewohner kennen die sinnfrage
- auch landwirte, arbeiter, kleine angestellte kennen die lust an den kirschen in nachbars garten
- auch auf dem land wird quer durch alle betten, rücksitze und waldlichtungen gef***t was das zeug hält- mal mit, mal ohne scheidung. mal mit, mal ohne dass es das ganze dorf weiß...
- darüber würd ich gern ein buch schreiben... oder ein drehbuch

Knut Ogris
00
22.3.2007, 10:12
Drehbuchschreiben?

Bei dem Namen/Nick: kein Problem - das letzte Werk waren DIE PERSER, oder?

Immanuel Goldstein
 
00
20.3.2007, 12:45
mach dass...

der Film würde sicherlich interessant werden.

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