"Wenig Zeit und wenig Geld"

19. März 2007, 18:50
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ÖH-Chefin Lina Spielbauer kennt die Nöte von Alleinerzieherinnen - Sie hält sich mit Aufwandsentschädigung über Wasser

"Ich habe ziemlich viel Gas gegeben", erinnert sich Lina Spielbauer, als sie sich vor fünf Jahren durch ihren Sohn ein anderes Studientempo zulegte. Jetzt geht Vasko in den Kindergarten, die 28-jährige Alleinerzieherin ist im Jus-Doktoratsstudium und stellt seit Juni 2006 für die GRAS gemeinsam mit Barbara Blaha (VSStÖ) den ÖH-Vorsitz.

Vor Vasko hat Spielbauer mehr gekellnert als studiert. "Es ist schwierig, du rutscht hinein in das Arbeitsleben und verlierst die Kontakte an der Uni", beschreibt sie die Doppelbelastung von Job und Studium, der rund 80 Prozent der Studenten ausgesetzt sind.

Schnell durchgezogen

"Mir war klar, dass ich mit einem Kind nicht so viel Zeit haben werde zu studieren, deswegen habe ich es schnell durchgezogen", erzählt Spielbauer, die in einer WG lebt. "Für mich hat sich das Kind gut ausgewirkt, weil ich statt der Arbeit wieder das Studium gemacht habe", sagt die ÖH-Referentin.

"Ob Studieren mit Kind gut möglich ist, hängt vom sozialen Umfeld ab", meint ÖH-Sozialreferent Georg Hubmann. Laut Eurostudent 2005 haben in Österreich 10,8 der Studierenden Kinder. Nach Irland (11,3 Prozent) steht man damit an der Spitze im EU-Vergleich.

Die Zahlen zeigen außerdem, dass Studentinnen wesentlich häufiger die Kinderbetreuung übernehmen als ihre männlichen Kollegen. In Österreich seien drei Viertel der studierenden Eltern allein erziehend, weiß Spielbauer. Deren Hauptproblem: "Wenig Zeit und wenig Geld. Und das verstärkt sich gegenseitig."

So verzeichneten allein erziehende Studierende verstärkte Drop-out-Raten: "Nur 65 Prozent schließen ihr Studium ab." Die Befreiung von der Studiengebühr wäre eine große Erleichterung, sowie die Ausweitung der Stipendien, meint Spielbauer. Auch ein breiterer Bezieherkreis und eine Erhöhung der Stipendien sei nötig. "Mit dem monatlichen Studienzuschuss von 60 Euro ist wenig auszurichten bei den Kosten, die für Kinderbetreuung anfallen", kritisiert Hubmann. Zusätzlich werde dieser nur für ein Kind gewährt.

Spielbauer hält sich mit der ÖH-Aufwandsentschädigung von 400 Euro über Wasser. Unterstützt wird sie außerdem von ihren Eltern: "Sonst könnte ich die politische Arbeit nicht machen. Denn neben 30 Stunden ÖH und 30 Stunden mit meinem Sohn, wäre es unmöglich, nebenbei zu jobben." (Louise Beltzung, Tanja Traxler/ DER STANDARD Printausgabe, 20. März 2007)

  • Für Alleinerzieherin Lina Spielbauer hat sich ihr Sohn Vasko auf das Studium "gut ausgewirkt".
    foto: standard/corn

    Für Alleinerzieherin Lina Spielbauer hat sich ihr Sohn Vasko auf das Studium "gut ausgewirkt".

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