Das Erbe von Opfern und Tätern

19. März 2007, 21:21
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Von der Nachhaltigkeit der Geschichte: Zwei dokumentarische Filme von Klub Zwei - "Response Ability (antworten geben können)" und "Liebe Geschichte"

Wien – Wie gehen Nachkommen von Opfern und Tätern heute mit dem Nationalsozialismus um? Wie bestimmend sind solche familiären Konstellationen noch für die eigene Identität? Fragen dieser Art stehen im Mittelpunkt zweier Arbeiten des Künstlerinnenduos Klub Zwei (Simone Bader, Jo Schmeiser). In Response Ability (antworten geben können) werden zwei Interviews mit Jüdinnen zueinander in Dialog gesetzt, in denen es um Sichtweisen auf das gegenwärtige Wien und den Mangel an Auseinandersetzung mit der nationalsozialistischen Vergangenheit geht.

In den Einschätzungen treten Übereinstimmungen auf – es wird aber auch deutlich, dass die jeweilige Distanz zur Stadt den Blick verändert: So sind Katherine Klinger und Ruth Sands von der Wiener Library London, beide Nachkommen von jüdischen Emigranten, zu Besuch in Wien. Mehr als anderswo stellen sie hier ein fehlendes Bewusstsein dafür fest, dass durch die Vertreibung und Deportation von Juden wesentliches Geistesleben verloren ging.

Auch Hannah Fröhlich von der Jüdischen Kultusgemeinde betrachtet Wien mit ambivalenten Gefühlen, die jedoch stärker aus der Lebenspraxis herrühren. Wie Klinger und Sands lehnt sie das christliche Konzept der "Wiedergutmachung" ab und beharrt auf eine aktive – nicht abzuschließende – Erinnerungspolitik. Nichtsdestotrotz pflegt sie zur selbst auferlegten Verantwortung, die Nachhaltigkeit von Antisemitismus aufzuzeigen, einen mittlerweile entspannteren Zugang.

Liebe Geschichte, die jüngste Arbeit des Duos, beschäftigt sich mit der anderen Seite: mit zwei Frauen, deren Väter Täter waren und die beschlossen haben, diese Tatsache nicht länger zu verschweigen, sondern sich damit bewusst zu konfrontieren. Bemerkenswert ist hier der Fokus von Klub Zwei: Er ist weniger auf den Generationenkonflikt gerichtet als auf die psychischen Folgen – auf die Frage, wie stark die Körperlichkeit, Intimität und Sexualität der beiden Frauen durch die jeweilige familiäre Disposition geprägt wurden . (Dominik Kamalzadeh / DER STANDARD, Printausgabe, 20.03.2007)

21. 3., UCI Annenhof 7, 11.30; Wh.: 23. 3., Geidorf 1, 19.30

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