Eurofighter fliegt, Piloten in Kanada

26. März 2007, 11:28
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Die 40 Jahre alten Saab-105-Flieger sind kaum noch einsetzbar – Verzweifelte Suche nach Sparmöglichkeiten

Wien – Wenigstens der Air-Chief, Generalmajor Erich Wolf, soll im Lande bleiben, hat Verteidigungsminister Nobert Darabos entschieden. Denn ein beachtlicher Teil der Düsen-Piloten des Bundesheeres ist derzeit ohnehin im Ausland – da braucht Wolf nicht auch noch dabei zu sein, wenn der erste österreichische Eurofighter diese Woche seinen Erstflug in Manching absolviert.

Tatsächlich sind jene Piloten, die die ersten Eurofighter übernehmen sollen, inzwischen in Laage bei Rostock in Ausbildung. Aber das wird nicht reichen, um die für einen kontinuierlichen Betrieb von 18 Abfangjägern notwendigen Stand von 23 Piloten zu erreichen. Das Bundesheer tut sich nämlich derzeit schwer, auf Propellermaschinen ausgebildete Piloten an den Überschall-Betrieb heranzuführen. Bisher passierte das über eine Ausbildung auf der als „Jagdbomber“ bezeichneten, in Wirklichkeit aber vor allem als Schulungsmaschine geeigneten Saab-105.

Derzeit hat aber die Saab-105 nur einen Klarstand von 21 Prozent, nur sechs Maschinen sind wirklich einsetzbar. „Damit kommen wir knapp aus“, versichert ein Pilot. Zwar ist geplant, die knapp 40 Jahre alten schwedischen Zweisitzer noch bis zum Jahr 2020 als Ausbildungsflugzeuge zu betreiben, eine leichter verfügbare (und technisch näher an der Abfangjagd liegende) Alternative findet sich aber in Kanada.

Dem Standard wurden Pläne bestätigt, jenen Teil der Düsenflug-Ausbildung, für die derzeit die Schweizer F-5 herangezogen wird, auf britischen Hawk-Maschinen in einem kanadischen Ausbildungszentrum durchzuführen. Unterschrieben sei das allerdings noch nicht.

Im Ministerium hat man allerdings dringendere Sorgen: Wenn Minister Norbert Darabos am Donnerstag den Eurofighter-Chef Aloysius Rauen trifft, muss er möglichst substanzielle Einsparungen herausverhandeln. Derzeit werden diese bei den Betriebskosten gesucht – gefunden hat man aber bisher nur Ansätze der Art, dass etwa gewisse Werkzeuge nicht gleich, sondern erst in einigen Jahren geliefert werden sollen. Für den Grünen Peter Pilz reicht das nicht. Er fordert Darabos auf, mindestens zehn Maschinen möglichst rasch abzubestellen und warnt: „Die Kosten, die seit Jänner anlaufen, gehen nicht mehr auf das Konto eines schwarzen Vorgängers, sondern auf die des roten Ministers.“ (DER STANDARD; Printausgabe, 20.3.2007)

  • Der Jagdbomber als Trainingsflugzeug: derzeit kein ausreichender Klarstand der Saab-105.
    foto: bundesheer

    Der Jagdbomber als Trainingsflugzeug: derzeit kein ausreichender Klarstand der Saab-105.

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