Bis in molekulare Details

25. Juli 2000, 16:28

Menschliches Immunsystem exakter entschlüsselt

München - Wissenschafter des Max-Planck-Instituts für Biochemie in Martinsried bei München haben das menschliche Immunsystem exakter entschlüsselt als jemals zuvor. Dadurch könnten möglicherweise Transplantationen und Therapien zukünftig mit weniger Risiken verbunden sein, teilte die Max-Planck-Gesellschaft am Dienstag in München mit.

Durch eine Röntgenstrukturanalyse hatten die Wissenschafter einen Kernbaustein im Immunsystem bis in seine molekularen Details entschlüsselt. Sie fanden heraus, dieser Proteinkomplex aus einem Antikörper und einem entsprechenden Bindungspartner (Rezeptor) besteht. Im Wechselspiel sorgen diese beiden Bestandteile im Immunsystem dafür, dass körperfremde Substanzen oder Erreger, die zuvor mit Antikörpern markiert wurden, durch "Fresszellen" beseitigt werden.

Zukünftig Abwehrreaktionen gegen Fremdgewebe verhindern

Die Wissenschafter wollen mit der neuen Methode Substanzen entwickeln, durch die das Immunsystem bei Organverpflanzungen nur teilweise außer Kraft gesetzt werden muss, um Abwehrreaktionen gegen Fremdgewebe zu verhindern. Bisher müssen die Abwehrkräfte komplett entschärft werden, damit das fremde Organ vom Körper angenommen wird. Dies bedeutet jedoch ein erhöhtes Gesundheitsrisiko für den Patienten.

Maßgeschneiderte Medikamente

Mit dem neuen Wissen ist es nun nach Darstellung der Max-Planck-Gesellschaft möglich, maßgeschneiderte Medikamente zu entwickeln, die eine Wechselwirkung zwischen dem Antikörper und dem Rezeptor der Immunzelle blockieren. Dadurch könne das Immunsystem kontrollierter heruntergefahren werden. Nach Angaben des verantwortlichen Wissenschafters Peter Sondermann ist dies im Falle einer Infektion natürlich nicht wünschenswert. Bei Allergien, wenn im Prinzip harmlose Substanzen eine heftige, in manchen Fällen sogar lebensbedrohliche Immunreaktion auslösen, oder nach Transplantationen, wenn sich das Immunsystem gegen das neue Organ wehrt, sei dies dagegen von großem Nutzen. (APA)

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