CIA-Entführungsopfer Omar beschuldigt Regierung der Beihilfe

26. März 2007, 10:38
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Wegen Zwischenlandung Abu Omars in Ramstein - Italienische Regierungsanwälte wollen Geheimdienstaussagen verhindern

Hamburg - Der im Jahr 2003 von der CIA von Italien nach Ägypten verschleppte Abu Omar hat der Bundesrepublik Deutschland Beihilfe an seiner Entführung vorgeworfen. "In jedem Fall trägt Deutschland eine Mitschuld an meinem Schicksal, schließlich hat die Regierung die CIA-Jets in Ramstein landen und wieder abheben lassen", sagte der kürzlich freigelassene Ägypter in einem Interview mit "Spiegel-Online".

Abu Omar war am 17. Februar 2003 von CIA-Agenten in Mailand aufgegriffen und nach Ägypten gebracht worden, wo er mit kurzen Unterbrechungen vier Jahre in Haft saß. Gegen 26 beteiligte CIA-Agenten und mehrere italienische Geheimdienstler ist in Mailand Anklage erhoben worden. Der Prozess soll im Juni beginnen. Die US-Regierung hat angekündigt, dass die angeklagten Mitarbeiter des Geheimdienstes nicht erscheinen werden.

Bei der Entführungsaktion nutzte die CIA laut den Ermittlungsakten aus Mailand auch die deutsche US-Basis in Ramstein. Demnach wurde Abu Omar zunächst am Abend des 17. Februar mit einem Lear-Jet des Typs LJ-35 mit der Kennung SPAR-92 von der US-Basis Aviano in Italien nach Ramstein gebracht. Danach transportierte ein von der CIA gemieteter Gulfstream-Learjet mit der Kennung N85VM den Terror-Verdächtigen nach Kairo. Dort wurde er nach eigenen Angaben bei Verhören misshandelt und gefoltert.

Die Zwischenlandung in Deutschland beschäftigt laut "Spiegel-Online" seit längerem die Staatsanwaltschaft Zweibrücken, die jedoch von amerikanischer Seite bisher keine Informationen über die Vorgänge erhielt. Abu Omar wirft der deutschen Regierung vor, damals seine Entführung geduldet zu haben. "Jeder, der nichts gegen die Geheimflüge der CIA tat, hat bei den Machenschaften der CIA geholfen", sagte er dem Online-Dienst des Hamburger Nachrichtenmagazins.

Unterdessen wollen Anwälte der italienischen Regierung in Rom die Anklage gegen 26 Amerikaner und mehrere Mitarbeiter des italienischen Geheimdienstes stoppen, die sich wegen der Verschleppung Abu Omars in Mailand vor Gericht verantworten müssen. Der zuständige Mailänder Richter habe sich bei der Anklage auf Geheimdokumente gestützt und Staatsgeheimnisse verletzt, erklärte der Anwalt Luigi Panella, der einen der betroffenen Geheimdienst-Mitarbeiter vertritt.

Nach Auffassung der Mailänder Staatsanwaltschaft unterstützte der italienische Geheimdienst die Entführung durch die CIA. Die Staatsanwaltschaft hat die italienische Regierung wiederholt aufgefordert, in Washington auf die Auslieferung der 26 Amerikaner zu dringen. (APA/AP)

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