Mitten im Abkassieren

12. April 2007, 19:57
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Mit einigen Zuschauern kann die neue ORF-Vorabendsitcom "Mitten im Achten" fix rechnen: Privatsender und ihre Anwälte sind auf üppiges Product Placement gespannt

Wien - Als der ORF erstmals in die Kulissen von "Mitten im Achten" bat, staunten die Journalisten weniger über die Besetzung mit Schauspielern als über jene mit Produkten. Vom kika-Prospekt an der Haustür bis zum Geschirrspülmittel arbeitet der ORF an einem neuen Rekord für Produktplatzierungen in der Daily Sitcom.

Im ORF-Gesetz steht ausdrücklich: "Das Verbot von Product-Placement gilt nicht für Kinofilme, Fernsehfilme und Fernsehserien." Eigenproduktionen waren freilich 2001 nicht der Anlass, den Satz ins Gesetz aufzunehmen: Ein Verbot von Product-Placement ohne Ausnahmen hätte den ORF sonst womöglich daran gehindert, Kaufproduktionen mit Produktplatzierungen von James Bond bis "Sex and the City" zu zeigen.

"Missinterpretation"

Massives Product Placement in "Mitten im Achten" bedeute eine "Missinterpretation des Gesetzgebers", kritisieren private Sender und Werbevermarkter wie Corinna Drumm (Sat.1 Österreich).

Walter Zinggl, Geschäftsführer der ORF-Vermarktungstochter Enterprise, beruft sich hingegen auf die Ausnahmen für Fernsehserien. ",Mitten im Achten' spielt in der Gegenwart, deswegen wird es Product-Placement geben, wenn es dramaturgisch passt. Wenn eine Szene in einem Lokal spielt, wird es dort ein Markenbier geben", sagt Zinggl im Branchenmagazin "Bestseller". Und in der Jugend-WG riesige Flatscreens, wundern sich Konkurrenten.

Dazu kommen laut Zinggl Patronanz-Ankündigungen vor und nach der Sendung, Ausstattungsdeals über die Kleidung sowie "das eine oder andere Gewinnspiel".

"Wenn das alles so eintritt, dann freuen wir uns aktiv zu werden", sagt Martin Blank (Puls TV), Vizepräsident des Privatsenderverbandes. Anhand der Sendungen und der tatsächlichen Placements wollen sich die Mitbewerber des ORF "juristisch beraten lassen", was sie dagegen tun können. Sehen die Juristen aufgrund des Schlüsselsatzes im Gesetz keine Möglichkeit, wollen die Privatsender auf eine Änderung desselben drängen. Blank: "Es stellt sich die Frage, ob ein gebührenfinanzierter öffentlich-rechtlicher Sender eine Eigenproduktion mit Product-Placement zupflastern darf." Der ORF drängt - mit Rückenwind aus der SPÖ - im Gegenteil auf lockerere Werberegeln.

Senat verurteilt ORF

Der Bundeskommunikationssenat verurteilte den ORF soeben wegen zweier Verstöße gegen das Gesetz: Mit Hinweisen und Spots für Gewinnspiele in Ö3 und Radio Wien im Fernsehen habe die Anstalt gegen das Verbot von Cross Promotion verstoßen, entschied das Richtergremium. (Harald Fidler/DER STANDARD; Printausgabe, 20.3.2007)

  • Pro Tag entstehen rund 22 Serienminuten, also eine "Mitten im Achten"-Folge. Im Bild die Bar mit Max Schmiedl.
    foto: orf

    Pro Tag entstehen rund 22 Serienminuten, also eine "Mitten im Achten"-Folge. Im Bild die Bar mit Max Schmiedl.

  • "Mitten im Achten": Die Dreharbeiten in vollem Gang, der erste Block fertig. Pro Block arbeitet ein Regisseur rund fünf Wochen: zwei Wochen
Vorbereitung, eine Woche Dreh, zwei Wochen Postproduktion. Im Bild: Regisseurin Petra Clever.

    "Mitten im Achten": Die Dreharbeiten in vollem Gang, der erste Block fertig. Pro Block arbeitet ein Regisseur rund fünf Wochen: zwei Wochen Vorbereitung, eine Woche Dreh, zwei Wochen Postproduktion. Im Bild: Regisseurin Petra Clever.

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