"Juristische Notbremse" zugunsten des Kabeljaus

26. März 2007, 14:07
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WWF klagt EU-Ministerrat: Beschlossene Fangquoten würden gegen europäisches Umweltrecht verstoßen

Hamburg/Brüssel - Mit einer Klage vor dem Europäischen Gerichtshof will die Umweltschutzorganisation WWF den Kabeljau vor der Überfischung durch die EU-Flotte retten. Die am Montag in Luxemburg eingereichte Klage zielt auf den Rat der Europäischen Union, wie der WWF in Hamburg mitteilte. Er verstoße mit den im Dezember 2006 beschlossenen Fangquoten gegen europäisches Umweltrecht. "Wir ziehen jetzt die juristische Notbremse gegen das andauernde Versagen der Fischereipolitik", sagte WWF-Sprecherin Karoline Schacht.

Der WWF wirft den EU-Agrar- und Fischereiministern vor, immer wieder die Empfehlungen von Wissenschaftern zu ignorieren. Demnach könnten sich die Kabeljaubestände, die seit 1970 auf ein Zehntel geschrumpft seien, aus eigener Kraft erholen, wenn sie vorerst geschont würden. "Um dem Kabeljau eine Chance zu geben, benötigen wir eine Politik, die nicht nur die kurzfristigen Interessen einiger EU-Staaten im Blick hat, sondern sich langfristig an einer nachhaltigen Fischerei orientiert", sagte Schacht.

Wiederaufbauplan

Die Klage des WWF bezieht sich nach eigenen Angaben auf den Kabeljau-Wiederaufbauplan, wonach der Ministerrat die Fangquoten um mehr als 15 Prozent senken muss, wenn die Zahl der geschlechtsreifen Fische unter ein bestimmtes Maß fällt. Dieses Mindestmaß sei jedoch in manchen Gebieten unterschritten worden. Damit breche die EU ihre eigenen Umweltgesetze. "Den Zahlen nach geht es hier nur um wenige Prozentpunkte. Tatsächlich aber streiten wir für die Zukunft einer der ökologisch und wirtschaftlich wichtigsten Fischarten", sagte Schacht.

Die EU hat im Dezember die Fangquoten für Kabeljau und andere bedrohte Fischarten zwar reduziert, entgegen Empfehlungen von Wissenschaftern aber keine Fangverbote ausgesprochen. Die Fangquoten für Kabeljau wurden am stärksten für die Fischgründe westlich von Schottland und in der keltischen See gesenkt, nämlich um 20 Prozent. Für die übrigen Fischgründe wurde eine Kürzung um höchstens 15 Prozent vereinbart. Fischereikommissar Borg konnte sich mit seinen ursprünglich geforderten 25 Prozent nicht durchsetzen.

Die Welternährungsorganisation (FAO) der Vereinten Nationen veröffentlichte im März ihren Weltfischerei-Bericht, wonach ein Viertel der weltweiten Fischbestände überfischt oder schon völlig ausgelaugt sind. Unter den besonders bedrohten Arten war demnach auch der Kabeljau. (APA/AP)

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WWF
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    Mit der EU-Klage will der WWF den Kabeljaubeständen eine Chance geben.

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