AIDS-Entdecker Gallo fordert mehr Geld für noch mehr Forschung

12. Juli 2007, 16:25
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40 Millionen Menschen weltweit mit HI-Virus infiziert - US-Wissenschafter: "Müssen neue Therapien finden"

Wien - Mehr Geld für noch mehr Forschung zur Bekämpfung bzw. Eindämmung der Immunschwäche Aids forderte heute, Montag, Robert C. Gallo. Der US-Mediziner hat Anfang der achtziger Jahre mit einer Gruppe von Wissenschaftern der Universität von Maryland in Baltimore den Retrovirus HI entdeckt. Im Rahmen eines HIV-Symposiums im Wiener Allgemeinen Krankenhaus forderte Gallo mehr Geld für noch mehr Forschung.

Nach wie vor im Vormarsch

Rund 40 Millionen Menschen sind weltweit mit dem HI-Virus infiziert, ein Großteil davon lebt in Entwicklungsländern. Doch die Krankheit ist auch in den Industriestaaten nach wie vor auf dem Vormarsch. Dementsprechend ungern beantwortet Gallo die Frage, wann es endlich eine Heilungsmethode für Aids gebe: "Wir haben den halben Weg hinter uns." Was dem Mediziner mehr Sorgen macht, ist die Selbstverständlichkeit, mit der heute therapiert wird.

Forschung wichtig

"Wir haben große Fortschritte auf dem Gebiet der Therapien gemacht, aber wir müssen unbedingt neue finden", warnte Gallo. Denn so eine Therapie ist von unbegrenzter Dauer. "Nach 30 oder 40 Jahren besteht natürlich die Gefahr, dass der Körper vergiftet ist - oder gegen die Medikamente resistent." Laut derzeitigem Forschungsstand ist es nicht möglich, den Virus los zu werden: "Er ist ein Teil von dir, das ist das wahre Problem."

Verbreitung in Entwicklungsländern

Während es in Europa und Nordamerika mittlerweile möglich ist, mit Aids ein einigermaßen normales Leben führen zu können, breitet sich der Virus in den Dritte-Welt-Ländern weiterhin nahezu ungehindert aus. Seit einigen Jahren "passiert zwar endlich was", meinte Gallo, "aber eben immer noch viel zu wenig". Sprich: Die Nachfrage nach Medikamenten, Behandlung, Vorsorge und psychosozialer Unterstützung ist um ein Vielfaches höher als das Angebot.

Gallo feiert am 23. März seinen 70. Geburtstag. Seinen ersten Kontakt mit der Krebsforschung hatte der damals elfjährige Gallo durch den frühen Leukämie-Tod seiner Schwester Judy. Der Pathologe Marcus Cox, der Judys Krebserkrankung 1948 diagnostizierte, nahm Gallo unter seine Fittiche und ließ ihn sogar bei der Untersuchung von Toten zuschauen. (APA)

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