Italien: Diskriminierung außerehelicher Kinder abgeschafft

22. März 2007, 12:00
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Weitere Maßnahme zur Modernisierung des Familienrechts: Gleichberechtigung betrifft besonders Erbschaftsrecht

Rom - Italien hat einen weiteren Schritt zur Modernisierung des Familienrechts unternommen. Die Regierung um Romano Prodi beschloss am Dienstag einen Gesetzesentwurf, mit dem alle juristischen Unterschiede zwischen Kindern von verheirateten und unverheirateten Paaren aus dem Weg geräumt werden. Mit dem Entwurf, der jetzt vom Parlament verabschiedet werden muss, verpflichtet sich das Kabinett, binnen eines Jahres jegliche Form von Diskriminierung zwischen ehelichen und außerehelichen Kindern zu beseitigen.

Die Gleichberechtigung betrifft unter anderem das Erbschaftsrecht. Die Regel, wonach außereheliche Kinder im Falle des Todes ihrer Eltern kein Erbrecht auf das Vermögen der Großeltern hatten, wird beseitigt. Minderjährige haben das Recht, vor einem Richter/einer Richterin ihre Meinung zu allen Angelegenheiten äußern, die sie betreffen.

Dringende Reform

Die Reform gilt in Regierungskreisen als notwendig. Im heutigen Italien, wo immer mehr Kinder außerehelich geboren werden, geraten die Dinge allmählich durcheinander. Jedes Jahr kommen 80.000 Kinder zur Welt, deren Eltern nicht verheiratet sind. Das entspricht 15 Prozent aller Kinder, die jährlich geboren werden. Vor zehn Jahren betrug dieser Prozentsatz noch acht Prozent.

"Endlich werden alle Kinder in Italien gleich gestellt. Wir werden die letzten Spuren einer veralteten Auffassung der Familie entfernen, die nach der Reform des Familienrechts im Jahr 1975 noch geblieben sind. Die Hoffnung ist, dass die Reform rasch und mit der Unterstützung aller Parteien des Parlaments durchgesetzt wird", betonte Familienministerin Rosi Bindi.

Namensweitergabe

Das Gesetz sei eine wichtige Integration des vor wenigen Monaten verabschiedeten Entwurfs, mit dem auch die Italienerinnen ihren Kindern ihren Mädchennamen weitergeben können, auch wenn sie verheiratet sind, sagte Bindi. Eltern werden - wie in Österreich seit 1995 möglich - künftig entscheiden können, ob sie ihren neugeborenen Sprösslingen den Familiennamen des Vaters, der Mutter, oder beider Elternteile weitergeben wollen. Falls es zu keiner Einigung zwischen den Eltern kommt, soll das Kind die zwei Familiennamen in alphabetischer Ordnung tragen. (APA)

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