Fünf Jahre nach "Tod eines Kritikers" noch keine Versöhnung

19. März 2007, 12:37
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Keine Aussöhnung im alten Streit zwischen Schriftsteller Martin Walser und Kritiker Marcel Reich-Ranicki

Überlingen - Fast fünf Jahre nach der beispiellosen öffentlichen Kontroverse um seinen Roman "Tod eines Kritikers" sieht Martin Walser weiterhin keinen Anlass zur Versöhnung mit Marcel Reich-Ranicki. "Aussöhnen muss ich mich nicht, da ich keinen Streit wollte", sagte Walser der dpa anlässlichlich seines 80. Geburtstags am 24. März. "Dass Marcel Reich-Ranicki die Geschichte nicht mochte, tut mir leid", betonte Walser. Das komme jedoch öfter vor. Reich-Ranicki wollte dazu nicht Stellung nehmen. Er sagte der dpa: "Ich möchte keinen Krieg mit Martin Walser führen."

Der 2002 erschienene satirische Roman über Mordfantasien um den Literaturkritiker André Ehrl-König hatte Walser den Vorwurf des Antisemitismus eingebracht. Der Herausgeber der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung" (FAZ), Frank Schirrmacher, hatte das Werk als "Dokument des Hasses" bezeichnet und einen Vorabdruck mit dem Hinweis abgelehnt, der Autor spiele mit "antisemitischen Klischees". Reich-Ranicki hatte sich "tief getroffen" von dem Buch gezeigt.

Walser dagegen nennt den Roman "eine Liebesgeschichte, die unglücklich ausgeht. Das tun Geschichten großer Liebe öfter". Er könne niemals eine Romanfigur entwickeln, ohne sie zu lieben, betonte Walser. Mit dem Buch habe er auf Machtausübung der Kritik im Fernsehen reagiert. "Keinesfalls hätte ich auf die Literaturkritik in den Printmedien so reagiert", erklärte der Schriftsteller. "Die fernsehbedingte Hemmungslosigkeit, die Kritik als Temperament-Show, das war das Motiv dieses Romans". (APA/dpa)

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