Israelische Armee rüstet sich für den Ernstfall

25. Juli 2000, 18:16

Nach dem Scheitern von Camp David wird neue Intifada befürchtet

Jerusalem - Die israelische Armee bereitet sich nach dem Scheitern des Nahost-Gipfeltreffens von Camp David auf mögliche blutige Zusammenstöße mit palästinensischen Demonstranten im Westjordanland und dem Gazastreifen vor. Die Armeeführung hat bereits damit begonnen, jüdische Siedler in gefährdeten Siedlungen in den besetzten Gebieten zu bewaffnen und an diesen Waffen auszubilden. Sie sollen sich gegen mögliche palästinensische Angriffe verteidigen können, falls es nach einem Scheitern der Nahost-Gipfelkonferenz und der palästinensischen Souveränitätserklärung Mitte September zu Ausschreitungen in den Palästinensergebieten kommt.

Schon unmittelbar nach den blutigen Unruhen im Westjordanland Mitte Mai begann die Armee mit der "Aufrüstung" ihrer Truppen für eine mögliche neue Intifada (palästinensischer Volksaufstand zwischen 1987 bis 1994, der fast 2000 Palästinenser das Leben kostete). Spezialeinheiten wurden aufgestellt und auf den Einsatz bei Unruhen vorbereitet.

Kampfhubschraubern und Panzer

Die Armeeführung hat außerdem damit begonnen, eingemottete Waffensysteme, die sie während der Intifada gegen Steine und Molotowcocktails werfende Demonstranten eingesetzt hatte, wieder zu aktivieren. Auf Berichte, wonach die Palästinenser mit Waffengewalt gegen die jüdischen Siedlungen vorgehen könnten, drohte Generalstabschef Shaul Mofaz sogar mit dem Einsatz von Kampfhubschraubern und Panzern.

Die Militärspitze spielte damit auf die Unruhen Mitte Mai an, bei denen palästinensische Demonstranten und reguläre palästinensische Polizisten erstmals mit scharfer Munition auf israelische Soldaten schossen und mehrere verletzten. Die Israelis wiederum feuerten gezielt zurück und töteten acht Palästinenser.

Palästinensische paramilitärische Einheiten

Wöchentlich veröffentlicht die Presse seither Horrorszenarien der Geheimdienste, wonach zehntausende palästinensische Polizisten insgeheim bereits zu paramilitärischen Einheiten "umgebaut" würden. Dutzende Palästinenser seien in arabischen Bruderstaaten zu Offizieren ausgebildet worden.

Palästinensische Politiker reagierten auf die israelischen Ankündigungen auf ihre Art. Präsident Yasser Arafat warnte vor Mitgliedern seiner alten Fatah-Kampftruppe, mehrere tausend Palästinenser könnten als "Märtyrer" sterben, falls die Israelis mit Gewalt gegen die Palästinenser vorgehen sollten. Arafats Jerusalem-Beauftragter Feisal Husseini rief die Bevölkerung auf, die Straßen in Ostjerusalem und die Zufahrtswege zu den besetzten Gebieten zu blockieren, falls Israel mit der Macht seiner Armee eine einseitige palästinensische Souveränitätserklärung verhindern wolle.

Niemand will jedoch ausschließen, dass extremistische Gruppen wie die Fundamentalisten der Hamas und des Jihad (Heiliger Krieg) ihre Terrorkampagne gegen Israel wieder aufnehmen, falls der gegenwärtige Friedensdialog scheitert. Erst vor wenigen Wochen drängte die Hamas-Führung, die den Staat Israel nicht anerkennt, Arafat, der Hamas den bewaffneten Kampf gegen den zionistischen Erzfeind wieder zu gestatten. Arafats Antwort ist bisher nicht bekannt. (dpa)

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