Zwei Vakzine gegen "böse" Viren

19. März 2007, 11:21
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Wien/Paris - Mit der vor kurzem möglich gewordenen Impfung gegen Human Papilloma-Viren (HPV) steht die erste echte Anti-Krebs-Immunisierung zur Verfügung. Zwei führende Pharma-Konzerne - Sanofi-Pasteur-MSD und GlaxoSmithKline - haben dafür Vakzine entwickelt. Entscheidend für den Zugang zu der Impfung dürften allerdings wegen des im Vergleich zu alten Impfungen hohen Preises die Kostenfragen in Österreich und weltweit werden. In Österreich starben im Jahr 1977 exakt 311 Frauen an einem Zervixkarzinom (Gebärmutterhalskrebs). Im Jahr 2004 waren es 164 Todesfälle. Davon könnten per Impfung zumindest 70 Prozent verhindert werden.

  • "Gardasil" (Sanofi-Pasteur-MSD): Die Vakzine ist in Europa für Mädchen bzw. Frauen im Alter zwischen neun und 26 Jahren zugelassen. Sie kam Ende 2006 auf den Markt.

    Die Vakzine ist ein Impfstoff, der gegen die häufigsten Zervixkarzinome auslösenden HPV-Stämme 16 und 18 wirkt. Darüber hinaus schützt sie auch gegen HPV 6 und 11, die lästige Genitalwarzen verursachen. In wissenschaftlichen Studien zeigte sich bereits ein praktisch 100-prozentiger Schutz gegen Vorstufen und bösartige Veränderungen in Richtung Gebärmutterhalskrebs.

    Erst am vergangenen Freitag gab es die Meldung, wonach das unabhängige ExpertInnenkomitee von zwei Studien an Frauen mit der Vakzine wegen des großen Erfolges den Abbruch der Untersuchungen und das Impfen aller Probandinnen - also auch der bisherigen Placebo-Empfängerinnen - empfohlen hat. Es war zu einem hundertprozentigen Schutz vor durch die vier HPV-Stämme verursachten Cervixkarzinomen und deren Vorstufen sowie bösartigen Veränderungen an der Vulva und der Vagina gekommen.

    Der Impfstoff besteht aus Antigenen - L1-Proteinen von HPV -, die in gentechnisch veränderten Hefezellen produziert werden. Die Proteine (werden zu Partikeln formuliert, die echten HP-Viren für das Immunsystem täuschen ähnlich sind (virus-like-particles). Als verstärkendes Adjuvans ist in dem Impfstoff Aluminiumhydroxid enthalten.

    Die Vakzine wird in drei Teilimpfungen (Tag 0, nach zwei und nach sechs Monaten) intramuskulär per Injektion verabreicht.

  • "Cervarix" (GlaxoSmithKline):

    Dieser HPV-Impfstoff soll erst von den Behörden zugelassen werden. Angestrebt wird eine Registrierung für die Anwendung bei Frauen im Alter zwischen elf und 55 Jahren.

    Diese Vakzine zielt ausschließlich auf die Verhinderung von Gebärmutterhalskrebs ab. Sie ist nur gegen HPV 16 und HPV 18 wirksam. Das sind jene Papilloma-Viren, die in Sachen Zervixkarzinom am gefährlichsten sind. Wissenschaftliche Studien haben gezeigt, dass es nach der Immunisierung von Frauen zu praktisch 100 Prozent zu einer Immunantwort kommt.

    Der Impfstoff besteht aus L1-Proteinen der beiden Virus-Stämme. Diese Proteine werden in gentechnisch veränderten Zell-Linien (ursprünglich aus Insektenzellen/Motten abgeleitet) produziert, in die man das dafür notwendige genetische Material mit Baculo-Viren hinein bringt. Die L1-Proteine werden durch einen Trick zu virus-ähnlichen Partikeln geformt.

    Um die Immunantwort besonders stark und lang anhaltend zu machen, enthält die Vakzine mit AS04 ein neues Adjuvans. Es besteht aus einem künstlich hergestellten modifizierten Bestandteil der Hülle von Bakterien und Aluminiumhydroxid.

    Auch diese HPV-Impfung wird in drei Teilen intramuskulär per Injektion verabreicht (Tag 0, nach einem und nach sechs Monaten). (APA)

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