USA geben Nordkorea-Gelder frei

21. März 2007, 14:51
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Bann gegen Bank in Macao, aber Zugriff für Pjöngjang möglich

Wien/Washington/Pjöngjang - Christopher Hill, der Nordkorea-Unterhändler der US-Regierung, ist ein Mensch mit Methode. Nordkoreas Weg zur nuklearen Abrüstung, wie ihn das Grundsatzabkommen vom 13. Februar beschreibt, möchte er gern säuberlich in Teile zerlegen, die möglichst logisch aufeinanderfolgen sollten. "Wir möchten nun die Ereignisse für die nächste Phase in eine Sequenz setzen", erklärte Hill wie ein Physiklehrer, als am Montag in Peking die Sechs-Parteien-Gespräche fortgesetzt wurden.

Der erste große Stolperstein in den Verhandlungen war zu diesem Zeitpunkt aus dem Weg geräumt: Die US-Regierung beendete den Streit um die Banco Delta Asia (BDA) in Macao, über die Nordkorea nach amerikanischer Darstellung einen wesentlichen Teil seiner kriminellen Geschäften abwickelt und die sie zur Geldwäsche benutzt.

Washingtons Druck auf die BDA hatte sich als außerordentlich wirksam erwiesen. Als das US-Finanzministerium eine offizielle Untersuchung gegen die kleine Bank in der chinesischen Spielerstadt eröffnet hatte, einer Sonderverwaltungszone und früheren portugiesischen Kolonie, fror Macaos Regierung 25 Millionen Dollar an nordkoreanischem Vermögen ein. Pjöngjang verweigerte daraufhin ein Jahr lang Gespräche zur Beilegung des Atomstreits, kam aber dann doch an den Verhandlungstisch zurück.

Reaktorschließung

Die US-Regierung fand nun eine Lösung, die sie das Gesicht wahren lässt, aber zugleich den Weg frei macht für die erwartete Gegenleistung der Nordkoreaner - die Stilllegung des Forschungsreaktors Yongbyon bis Mitte April. Das US-Finanzministerium beendete vergangene Woche seine Untersuchung gegen die BDA und verfügte einen Bann über US-Banken, die nun auch offiziell keine Geschäftsbeziehungen zur Banco Delta Asia unterhalten dürfen. Dafür kann nun Macao entscheiden, ob es die eingefrorenen Gelder freigibt - was wohl geschieht. (Markus Bernath/DER STANDARD, Printausgabe, 20.3.2007)

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    Die Sechser-Gespräche wurden in Peking fortgesetzt.

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