Brennende Ungeduld

19. März 2007, 17:03
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Jugend zwischen Stillstand und Aufbegehren: Johanna Moders Kurzspielfilm „Her mit dem schönen Leben“ erzählt von einem 16-jährigen Mädchen, das sich aus der eigenen Passivität reißt

Jessica hat einen Plan gefasst. Sie will nachts auf das Gelände der Firma schleichen, für die ihr Vater noch bis vor Kurzem gearbeitet hat, um dort einen Brandsatz zu zünden.

Ein Vorhaben, das unangebracht scheint für ein sechzehnjähriges Mädchen, noch dazu für eines, das, wie sie, aus gutem Hause kommt; ein Vorhaben, das man auch sonst von ihr nicht erwarten würde, denn Jessica erweckt den Eindruck, als würde sie sich vor Entscheidungen ebenso drücken wie vor Konflikten. Doch da sie so unentschlossen ist, muss sie offenbar eine umso drastischere Maßnahme ergreifen, um die Entlassung jenes Menschen zu rächen, von dem die Annehmlichkeiten ihres Teenagerlebens abhängen.

Rund um einen spektakulären Plan entwirft Johanna Moders Kurzspielfilm Her mit dem schönen Leben – das Drehbuch wurde im letzten Jahr mit dem Thomas-Pluch-Förderpreis ausgezeichnet – Figuren, die in ihrer Nähe zu Alltagsbeobachtungen (im besten Sinne) unspektakulär wirken: Jessica führt das Leben eines ganz normalen Teenagers. Sie geht in die Schule und sie geht auch gerne aus. Da wie dort steht sie immer ein wenig im Schatten ihrer beliebteren, souveräneren und reicheren Freundin – und auch sie fällt, wider besseren Wissen, auf einen notorischen Aufreißer herein.

Auf die Veränderungen, die ihr Leben bestimmen, hat Jessica wenig Einfluss und an den wenigsten kann sie Gefallen finden: Alte Freundschaften werden auf einmal nach neuen Maßstäben gemessen, für die Liebe fehlen ihr noch die Erfahrungswerte, und mit der Arbeitslosigkeit des Vaters drängen sich Jessica schließlich Existenzängste auf, die ihr bislang unbekannt waren.

Zwischen Kindheit und Erwachsenenalter scheint so viel möglich und dennoch wirkt Jessica manchmal unbeteiligt an ihrem eigenen Leben: Als Teenager ist sie quasi in eine Beobachterrolle gedrängt.

Her mit dem schönen Leben drückt schon in seinem Titel ganz programmatisch diese beständige Ungeduld aus, endlich etwas tun zu können, aktiv Schritte zu setzen anstatt immer nur Veränderungen unterworfen zu sein. Jessica wird sich allmählich aus ihrer Passivität lösen, sie wird Erfahrungen machen und Einsichten gewinnen, die sie ein Stück weiter auf dem Weg zum Erwachsensein bringen – dass nicht alle Pläne aufgehen (müssen), wird nicht die einzige Einsicht bleiben. (Aki Beckmann / DER STANDARD, Printausgabe, 20.03.2007)

20. 3., Geidorf 1, 19.30; Wh.: 22. 3., Geidorf 1, 12.00; 23. 3., UCI Annenwelt 7, 14.00

  • Als Teenager in der passiven Beobachterrolle:  Jessica (Sophie Solar) in Johanna Moders „Her mit dem schönen Leben“
    foto: diagonale © robert oberrainer

    Als Teenager in der passiven Beobachterrolle: Jessica (Sophie Solar) in Johanna Moders „Her mit dem schönen Leben“

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