Spyker: Angriff auf Toro Rosso

23. März 2007, 20:57
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Auch Super Aguri in der Kritik Teamchef Kolles erwägt Gang vor ordentliches Gericht - "Sind keine Konstrukteure" - Kundenauto-Streit erhält neue Dimension

Melbourne - Der neue Nachzügler sorgt in der Formel 1 für Aufregung. Das niederländische Team Spyker sieht seine Rechte verletzt und fordert den Ausschluss der Konkurrenten Scuderia Toro Rosso und Super Aguri aus der Konstrukteurs-WM. Die Diskussion um den Einsatz von Kundenautos in der Königsklasse erhält damit eine neue Dimension. Eine Entscheidung in der Causa ist allerdings erst in einiger Zeit zu erwarten.

Einen offiziellen Protest hat Spyker laut Teamchef Colin Kolles nämlich nicht eingebracht, weil dies nur zwei Stunden nach der Abnahme der Autos durch die Sportkommissäre des Automobil-Weltverbandes FIA möglich ist. Alle 22 Autos waren bereits am Mittwoch zum ersten Saison-Grand-Prix in Australien zugelassen worden. Kolles will daher frühestens in Malaysia Protest einlegen und erwägt zuvor den Gang zu einem ordentlichen Gericht.

Geistiges Eigentum von Mitkonkurrenten?

Spyker wirft Toro Rosso und Super Aguri vor, geistiges Eigentum von Mitkonkurrenten zu verwenden. Das widerspricht dem Concorde-Abkommen, das unter anderem vertraglich vorschreibt, dass alle Teams mit von ihnen selbst konstruierten Autos anzutreten haben. Um Kosten zu sparen ist technische Zusammenarbeit nur im Motorenbereich vorgesehen, in punkto Chassis erst ab 2008.

Toro Rosso kooperiert in der Entwicklung eng mit Red Bull Racing. Der österreichische Energy-Drink-Hersteller hat dafür eine eigene Gesellschaft, Red Bull Technologies, gegründet, in der unter anderem auch Stardesigner Adrian Newey beschäftigt ist. "Auch unser Auto ist zu einem Großteil aus der Hand von Adrian Newey entstanden", bestätigte Toro-Rosso-Mitbesitzer Gerhard Berger.

Berger: "Das ist alles Politik"

Der Tiroler macht sich aber keine Sorgen, dass ein Protest gegen sein Team Früchte trägt. "Das ist alles Politik", meinte Berger. "Wir bewegen uns zu 100 Prozent im Reglement - sogar im Wortlaut. Das hat uns die FIA bestätigt." Zwar gebe Toro Rosso bei Red Bull Technologies Entwicklungen in Auftrag, "das Auto bauen wir aber selbst", betonte Berger. "Wir haben keine Kopie."

Anders ist die Situation bei Super Aguri. Die Japaner verwenden offensichtlich eine weiterentwickelte Version des Honda-Boliden des Vorjahres. Takuma Sato und Anthony Davidson waren damit zum Saisonstart auf den zehnten bzw. elften Startplatz gefahren, nachdem Super Aguri 2006 noch Schlusslicht in der Königsklasse gewesen war.

Kolles: "Sie sind keine Konstrukteure"

In dieser Position ist nun Spyker in die Formel 1 eingestiegen, was Kolles offenbar gar nicht bekommt. Der Deutsche sprach am Samstag nach dem Qualifying bei den Rennstewards vor, um seine Position darzulegen. Warum er nicht fristgerecht protestiert hatte? "Zum Zeitpunkt der Abnahme war der Super Aguri noch nicht einmal präsentiert." Die Japaner stellten ihr neues Auto erst am Mittwochnachmittag in Melbourne vor.

"Mein Vorschlag ist, dass die betreffenden Teams keine Punkte für die Konstrukteurs-WM bekommen. Denn sie sind keine Konstrukteure", sagte Kolles - wohlwissend, dass das hohe TV- und Reisegeld in der Formel 1 gemäß Konstrukteurs-Punkten ausbezahlt wird. Als Kompromiss könne er sich vorstellen, dass die Fahrer weiterhin ihre WM-Punkte erhalten. Auch Williams hatte zuletzt die Verwendung von Kundenautos kritisiert. "Wenn sich Teams Autos oder zumindest Know-how für den Bau der Autos, kaufen, dann entfremdet das die Konstrukteurswertung", meinte Pilot Alexander Wurz.

Als Beweis für die großen Übereinstimmungen der Boliden will Spyker unter anderem Fotos und technische Berichte vorlegen. "Da ist es aber schwierig, eine Trennlinie zu ziehen", entgegnete Berger. "Auch der McLaren sieht dem Red Bull sehr ähnlich. Und viele Teams verwenden exakt die gleichen Bremsen und die gleiche Elektronik." (APA)

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